Vasseur: "Leclerc muss sofort Ergebnisse liefern!“

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Vasseur:
Gabriele Testi
Autor: Gabriele Testi , Leiter der Schweizer Redaktion
Co-Autor: Chiara Rainis
Übersetzung: Michael Bieri, Motorsport.com Switzerland
28.12.2017, 15:01

Der Sauber-Teamchef sieht den Piloten aus Monaco nicht als Rookie und gibt ihm keine Schonfrist. Leclerc soll das von Pascal Wehrlein geerbte Cockpit von Beginn weg durch starke Leistungen bestätigen.

Frederic Vasseur, Sauber-Teamchef
Marcus Ericsson and Charles Leclerc, Sauber, Jean Todt, President, FIA, Chase Carey, CEO and Chairman of the Formula One Group, Sergio Marchionne, CEO FIAT, Frederic Vasseur, Sauber Team Principal
Marcus Ericsson and Charles Leclerc, Sauber, Jean Todt, President, FIA, Chase Carey, CEO and Chairman of the Formula One Group, Sergio Marchionne, CEO FIAT, Frederic Vasseur, Sauber Team Principal
Marcus Ericsson and Charles Leclerc, Sauber
Fréderic Vasseur, Sauber F1 Teamleiter und CEO, mit Lorenzo Senna, Motorsport.com Schweiz Landesführer
Frédéric Vasseur
Frédéric Vasseur
Pascal Picci
Sauber C31-Ferrari
Sauber C34-Ferrari
Sauber C34-Ferrari
Sauber C34-Ferrari
Sauber C34-Ferrari
Sauber Fabrik
Sauber-Reifen
Sauber -Windtunnel
Sauber -Windtunnel
Sauber -Windtunnel
Sauber -Windtunnel

Frédéric Vasseur stand in diesem Sommer vor der schwierigen Aufgabe, nach der definitiven Trennung zwischen Monisha Kaltenborn und den neuen Eigentümern – der Finanzgesellschaft Longbow Finance S.A. – die Rolle des Teamchefs bei Sauber zu übernehmen.

In einem Exklusiv-Interview, das er mit Motorsport.com Schweiz am Hauptsitz in Hinwil führte, sprach der Franzose über die Probleme der vergangenen Saison, die Gründe für die jüngsten Vertragsunterzeichnungen und die bevorstehenden Herausforderungen. 

 

Was hat Sie dazu bewogen, Pascal Wehrlein trotz der beiden Top-10-Resultate, die er in dieser für Sauber so kritischen Saison erreichte, zu opfern?
"Im Wesentlichen, weil Pascal ein Mercedes-Pilot ist. Angesichts unseres Abkommens mit Ferrari wäre es undenkbar gewesen, einen Fahrer von einem Konkurrenzunternehmen in unserem Team einzusetzen.“

Aber aus welchem Grund bekam Antonio Giovinazzi nur die Rolle des Reservepiloten und nicht ein Stamm-Cockpit?
"Wir hatten nur zwei Plätze zu vergeben!“ 

In diesem Jahr haben Sie die Meisterschaft mit nur fünf Punkten auf dem letzten Platz beendet. Denken Sie, dass der Grund dafür in der mangelnden Zuverlässigkeit zu suchen ist?
"Nein, ich würde sagen, dass wir in dieser Hinsicht nichts falsch gemacht haben, auch wenn man sich natürlich immer verbessern könnte. Meiner Meinung nach waren die beiden Hauptprobleme die Verzögerungen beim Beginn der Arbeiten am neuen Auto und die mangelnde Motorleistung.“

Wie stark hat sich das Handicap des Ferrari-Motors aus dem Jahr 2016 auf das Endergebnis ausgewirkt?
"Es war sicherlich nicht ideal, einen alten Motor im Heck zu haben. Dazu kam, wie gesagt, dass wir mit dem Design des C36 erst spät beginnen konnten und wir dadurch aerodynamische Defizite hatten. Unter diesen beiden Punkten haben wir am meisten gelitten. Zum Glück werden wir im nächsten Jahr sowohl eine aktuelle Antriebseinheit als auch ein aktuelles Getriebe verwenden können, aber nichtsdestotrotz dürfen wir das Aero-Paket nicht aus den Augen verlieren.“ 

War es schwierig für Sie, mitten in der Saison ins Schweizer Team zu kommen?
"Es ist sicherlich einfacher, zwischen zwei Saisons eine Mannschaft zu übernehmen, denn es braucht Zeit, um ein Team und seine Systeme kennenzulernen. Aber der Schritt war notwendig, und selbst wenn ich mit meinem Einstieg bis zum Ende der Saison gewartet hätte, wäre ich mitten in der Entwicklungsphase für das neue Auto gekommen, die ja bereits zwischen April und Juni begonnen hat. Auf jeden Fall laufen die Dinge momentan gut. Wir wissen, wo wir stehen und worauf wir uns konzentrieren müssen.“

Was hat sich seit Ihrem Einstieg ins Team geändert?
"Aufgrund der fehlenden Leistung waren wir in keiner guten Position, als ich ins Team kam, aber die ausgezeichnete Motivation und das Engagement von allen Beteiligten haben es uns ermöglicht, ab dem GP von Belgien in vielen Bereichen Fortschritte zu erzielen, beispielsweise in Bezug auf Motor, Fahrwerk, Kommunikation mit den Fahrern, Reifenmanagement und die Abläufe an der Strecke. Deshalb können wir zuversichtlich sein für die nächste Saison.“ 

Was können wir von Sauber 2018 erwarten?
"Das neue Auto wird keine Weiterentwicklung des Vorgängermodells sein, so dass die Produktphilosophie eine komplett andere sein wird.“

Im Hinblick auf 2021 hat die FIA eine Ausgabenobergrenze und die Vereinheitlichung von verschiedenen Motoren-Komponenten ins Auge gefasst. Diese Vorschläge haben das Management von Ferrari so stark verärgert, dass man gar mit dem Ausstieg aus der Formel 1 gedroht hat. Was halten Sie von diesen Ideen?
"Als Kunden sehen wir das natürlich etwas anders als in Maranello oder bei Mercedes. Für uns wären eine Budgetobergrenze und eine Vereinheitlichung von Triebwerksteilen zwei Schlüsselaspekte, um die Leistungsunterschiede zu verkleinern. Andererseits verstehe ich die Bedenken der beiden Hersteller angesichts der Tatsache, dass sie sowohl für die aktuellen Einheiten als auch für die zukünftigen Konzepte bezahlen müssten. Auf alle Fälle müssen wir die Details genau besprechen. Im Moment werden die Unterschiede immer kleiner und die Rennen sind so spannend wie lange nicht mehr, aber es kann durchaus sein, dass es wieder zu einer Phase der Dominanz eines Herstellers kommt, ähnlich wie wir es zwischen 2014 und 2016 mit Mercedes erlebt haben.“ 

Gibt es Unterschiede zwischen Ihrer aktuellen Rolle in Hinwil und derjenigen, die Sie in der Vergangenheit bei Renault hatten?
"Obwohl jedes Projekt natürlich seine Besonderheiten aufweist, ist der Ansatz ähnlich. Der interessante Teil ist der Wachstumsprozess, der in den verschiedenen Abteilungen abläuft. Das ist eine Entwicklung, die uns Freude macht.“

In der nächsten Saison haben Sie Charles Leclerc in Ihren Reihen – ein junger Mann, der allerdings bereits einige Erfahrung in der Formel 1 aufweisen kann. Welche Einstellung haben Sie ihm gegenüber? Wird er gleich wie Marcus Ericsson behandelt?
"Ja, genau gleich. Es ist nicht unsere Absicht, ihm drei oder vier Rennen Zeit zum Lernen zu geben. Er muss von Beginn weg fähig sein, Ergebnisse nach Hause zu bringen. Er hat bereits mehrere Meisterschaften gewonnen und für uns mehrere Freitagstrainings bestritten, zudem hat er ausgezeichnete Beziehungen zu Ferrari, kennt die Jungs im Team und das Auto sehr gut, ist in den Entwicklungsprozess involviert, so dass ich ihn gar nicht als Rookie ansehen werden.“ 

 

Sie sind auch der Gründer von Spark Racing Technology. Haben Sie auch schon über eine Zusammenarbeit zwischen Ihrem Unternehmen und Sauber oder gar über ein Engagement von Sauber in der Formel E nachgedacht?
"Nein, absolut nicht. Zumindest für die nächsten zwei Jahre liegt der Fokus ausschliesslich auf der Formel 1.“ 

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