Vettel gegen Hamilton: Vorteil Ferrari beim Saisonauftakt in Melbourne?

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Vettel gegen Hamilton: Vorteil Ferrari beim Saisonauftakt in Melbourne?
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14.03.2019, 07:29

Sebastian Vettel präsentiert sich vor dem ersten Rennen in Australien selbstbewusst und gibt den Sieg als Ziel aus - Lewis Hamilton ist deutlich zurückhaltender

Bis sich Sebastian Vettel und Lewis Hamilton in der Formel-1-Saison 2019 zum ersten Mal auf der Rennstrecke duellieren, müssen wir noch mindestens bis Sonntag warten. Das erste Aufeinandertreffen der beiden großen WM-Favoriten abseits der Piste gab es aber bereits am Donnerstag bei der offiziellen Pressekonferenz vor dem Saisonauftakt in Melbourne. Und da wirkte der Ferrari-Pilot deutlich angriffslustiger als der amtierende Champion.

Überraschend kommt das nicht unbedingt, schließlich sind sich die meisten Experten einig, dass Ferrari bei den Wintertests in Barcelona den stärksten Eindruck hinterließ. Und Vettels selbstbewusste Aussagen lassen vermuten, dass diese Annahme nicht ganz falsch sein kann. Auf die Frage, ob er sich besser vorbereitet fühle als vor der Saison 2018, antwortet er beispielsweise mit einem unmissverständlichen: "Ja!"

"Die Wintertests im vergangenen Jahr liefen für uns nicht gut. Wir hatten einige Probleme mit dem Auto, die wir beheben mussten", erinnert Vettel und erklärt: "In dieser Hinsicht sind wir besser vorbereitet, unser Auto scheint gut zu funktionieren, es gibt zu diesem Zeitpunkt keine Probleme." Zwar konnte Vettel das Auftaktrennen vor einem Jahr gewinnen, doch er selbst räumt ein, dass man damals auch eine Portion "Glück" gehabt habe.

2019 könnte das anders aussehen, und Ferrari könnte aus eigener Kraft siegfähig sein. "Zu Beginn ist man immer etwas nervös. Man weiß nicht genau, wo man steht und was passieren wird", erklärt Vettel, der trotz der guten Tests ein "hartes Wochenende" erwartet. Trotzdem betont der viermalige Weltmeister, dass er eine Menge Vorfreude verspüre - vielleicht auch deshalb, weil man in diesem Jahr zu Saisonbeginn vor Mercedes liegt?

Vettel über Melbourne-Sieg: "Das ist das Ziel"

"An diesem Punkt sind wir alle Jäger und Gejagter, weil wir null Punkte haben", lacht Vettel und weicht der Favoritenfrage damit etwas aus. Anschließend schickt er allerdings gleich eine Kampfansage hinterher und erklärt selbstbewusst: "Hoffentlich werden wir hier als Gejagter wieder abreisen. Das ist das Ziel." Solche Aussagen hört man von Hamilton am Donnerstag vor dem ersten Saisonrennen nicht.

"Es ist eine sehr lange Saison. [...] Das Wichtigste ist es, Rennen zu beenden, zu analysieren und natürlich so viele Punkte wie möglich zu holen", erklärt der Weltmeister zurückhaltend, als er gefragt wird, wie wichtig ein guter Saisonstart sei. Hamilton spricht es zwar nicht direkt aus, lässt aber immer wieder durchblicken, dass Mercedes seiner Meinung nach aktuell hinter Ferrari liegt.

Als er auf die Tests angesprochen wird und es darum geht, dass die Mercedes-Form in Barcelona schwer einzuschätzen gewesen sei, entgegnet er: "Es ist nicht so schwer einzuschätzen. Ich denke, dass es ziemlich klar war." Was Hamilton meint: Mercedes konnte den Speed von Ferrari nicht mitgehen. "Als wir gesagt haben, dass noch Arbeit vor uns liegt, haben wir keinen Blödsinn erzählt", stellt er klar.

Mercedes sieht sich im Rückstand

"Aber natürlich ist es schwer zu sagen, was alle [bei den Tests] gemacht haben", räumt er ein und ergänzt: "Daher werden wir es nicht sicher wissen, bis wir morgen ins Auto steigen", so Hamilton. Er glaubt sogar, dass es mehrere Rennen dauern wird, bis sich wirklich ein klarer Favorit unter den beiden Formel-1-Schwergewichten herauskristallisieren wird. In diesem Punkt sind Vettel und er sich übrigens einig.

"Wir werden [die WM] hier nicht gewinnen, und wir werden sie hier auch nicht verlieren. Es ist ein langer Weg", erklärt der Ferrari-Pilot, der aus Erfahrung spricht. 2018 konnte Vettel sogar die ersten beiden Saisonrennen gewinnen, Weltmeister wurde am Ende aber wieder Hamilton. Trotzdem würde ein ähnlich guter Start wie 2018 natürlich dafür sorgen, dass die aktuell ohnehin schon gute Stimmung bei Ferrari noch besser werden dürfte.

Bei Mercedes ist die Atmosphäre übrigens keinesfalls schlecht - im Gegenteil. Auch Hamilton betont, wie hart alle in seinem Team aktuell arbeiten. Klar ist aber auch, dass man bei den Silberpfeilen davon ausgeht, dass Ferrari in diesem Jahr das bessere Auto gebaut hat. Das räumt beispielsweise auch Valtteri Bottas ein, der erklärt, dass der Ferrari SF90 einen deutlich stabileren Eindruck mache als der eigene W10.

Silberpfeile ohne großes Upgrade

Für Mercedes ist das aber kein Grund, die Flinte bereits vor dem ersten Rennen ins Korn zu werfen. Schließlich scheint Ferrari nicht hoffnungslos weit weg zu sein. Mit einer guten Weiterentwicklung könnte sich das Blatt im Laufe des Jahres noch wenden. Zur Erinnerung: Mercedes brachte bereits zur zweiten Testwoche in Barcelona ein großes Update für den eigenen Boliden mit.

Tatsächlich sorgte das Upgrade auch dafür, dass man im Laufe der Testfahrten immer schneller wurde. Das bestätigt auch die Konkurrenz. "In der zweiten Woche haben sie sehr stark ausgesehen", räumt Vettel ein und ergänzt: "Nicht nur bei einem Run, sondern bei allen. Ich weiß nicht, was sie in der ersten Woche gemacht haben. Wahrscheinlich hätten sie da genauso gut zu Hause bleiben können."

Doch Hamilton warnt, dass Mercedes mit den Testfortschritten nicht alleine sei. "Jeder macht nach den Tests noch einmal einen Schritt", erklärt er. Außerdem verrät der Champion, dass Mercedes kein weiteres großes Upgrade mit nach Melbourne gebracht habe - anders als die Konkurrenten. So ist es kein Geheimnis, dass Red Bull mit einem großen Upgrade für den RB15 angereist ist.

Vettel hat Mercedes auf der Rechnung

Bei Ferrari gibt es zwar offiziell noch keine Informationen, doch Hamilton erklärt: "Ferrari bringt meistens ein Upgrade zum ersten Rennen mit." Sollte sich das bewahrheiten, könnte die Lücke zwischen der Scuderia und den Silberpfeilen, die in der zweiten Testwoche offenbar kleiner geworden war, wieder etwas wachsen. Wie wichtig die Weiterentwicklung während der Saison ist, weiß auch Vettel.

"Ich glaube, dass die Top-3-Teams sehr eng beisammen liegen. Red Bull ist noch ein bisschen ein Fragezeichen - mit dem großen Update, so wie es aus deren Richtung tönt", erklärt er und ergänzt: "Wir müssen schauen, dass wir dran sind bei der Musik. Solange das der Fall ist, sind wir in einer guten Position." Vettel gibt sich gewollt selbstbewusst, aber keinesfalls übermütig.

Denn trotz aller Euphorie weiß er, dass Melbourne für Ferrari kein kompletter Selbstläufer werden wird. "Ich gehe davon aus, dass sie [Mercedes] sehr stark sein und um die Pole kämpfen werden. Auch um den Sieg", so Vettel. Und sollte der Ferrari aktuell tatsächlich das beste Auto im Feld sein, wäre es wichtig, diesen Vorteil auch in die entsprechenden Ergebnisse umzusetzen, bevor Mercedes aufholen kann.

Welche Rolle spielen Bottas und Leclerc?

Interessant dürfte im Laufe des Jahres nicht nur die Weiterentwicklung der Boliden werden. Auch die Rolle der jeweiligen Teamkollegen Valtteri Bottas und Charles Leclerc könnte noch ein großes Thema werden. "Es ist eine sehr lange Saison, und ich denke, es ist zu diesem Zeitpunkt etwas sinnlos, über gewisse Szenarien zu sprechen", so Vettel, der von Neu-Teamchef Mattia Binotto vor der Saison bereits zu Ferraris Nummer 1 gemacht wurde.

"Mattia hat ja auch klargestellt, dass wir gegeneinander fahren dürfen", relativiert Vettel und erklärt, dass das Team immer "Priorität" habe. "Wir dürfen gegeneinander fahren - wie in jedem Jahr", erklärt Hamilton währenddessen und stellt klar: "So mag ich es auch." Er räumt allerdings ein, dass sich das ändern könne, sobald einer der beiden Mercedes-Fahrer keine Chance mehr auf den WM-Titel habe - so wie auch schon 2018.

In Melbourne dürfte es - für beide Teams - ohnehin noch zu früh für eine Stallregie sein. Schließlich betonen sowohl Hamilton als auch Vettel immer wieder, dass es eine "lange Saison" werden wird. Australien wird in der Endabrechnung 2019 vermutlich lediglich eine kleine Rolle spielen. Aber zumindest könnte es an diesem Wochenende einen weiteren Anhaltspunkt dafür geben, wer in diesem Jahr Jäger und wer Gejagter ist.

Mit Bildmaterial von LAT.

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