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Vettels Befreiungsschlag: Was er besser gemacht hat als Leclerc

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Vettels Befreiungsschlag: Was er besser gemacht hat als Leclerc
Autor:
Co-Autor: Jonathan Noble
20.07.2020, 10:44

Der Ferrari war beim Grand Prix von Ungarn keine Offenbarung, aber Sebastian Vettel lieferte im dritten Rennen seine erste ordentliche Leistung ab

Der Kindheitstraum vom WM-Titel auf Ferrari ist für Sebastian Vettel schon in den ersten drei Rennen seiner Abschiedstournee geplatzt. Zwar hat er beim Grand Prix von Ungarn mit acht Zählern erstmals dick angeschrieben, aber sein Rückstand auf Spitzenreiter Lewis Hamilton im überlegenen Mercedes beträgt bereits 54 Punkte. Selbst den größten Optimisten unter den Vettel- und Ferrari-Fans ist klar: Das wird 2020 nichts mit der Weltmeisterschaft.

Aber Vettel fährt derzeit nicht um den Titel, sondern um seine Zukunft, und in der Hinsicht war der Grand Prix von Ungarn ein Befreiungsschlag. Erstens, weil er im Qualifying seinen Speed bewiesen und den als Supertalent gefeierten Teamkollegen Charles Leclerc geschlagen hat. Knapp, aber "fair & square".

Zweitens, weil er im Rennen seinen Wert für jedes Formel-1-Team unter Beweis gestellt hat. Zwar lag Leclerc kurzzeitig vor ihm, weil Vettel das Pech hatte, dass er beim Boxenstopp neun Sekunden stehen musste, bis der Verkehr in der Boxenstraße eine sichere Freigabe zuließ. Aber bei schwierigen Mischverhältnissen war Vettel in Summe der stärkere Ferrari-Pilot.

Dabei darf man kleine Unzulänglichkeiten nicht ganz ausblenden. Einmal rutschte Vettel in der Verstappen-Kurve von der Strecke und verschenkte damit eine Position an Alexander Albon, dessen Red-Bull-Cockpit er 2021 am liebsten übernehmen würde. Und gegen Ende, als seine Reifen abbauten, machte er Albon noch ein zweites Mal unfreiwillig die Tür auf.

P6 ist Vettels und Ferraris neue Normalität

"Es ist kein Geheimnis, dass wir derzeit nicht stark genug sind, um die Teams vor uns unter Druck zu setzen", analysiert Vettel. "Am Samstag haben wir mit der dritten Reihe mehr oder weniger alles aus dem Auto rausgeholt, aber unser Rennen hätte ein bisschen besser sein können. Vor allem zu Beginn hätten wir bessere Entscheidungen treffen können."

Was er damit meint: Als er in der dritten Runde zum Wechsel von Intermediates auf Slicks an die Box kam, hatte Ferrari bei Leclerc schon umgesteckt. Das ist ungewöhnlich. Normalerweise hat immer der vorne liegende Fahrer Priorität. Als Vettel zu Beginn der dritten Runde über den Leclerc-Stopp informiert wurde, funkte er: "Ich möchte auch reinkommen."

Kurz nach dem Funkspruch fing der 33-Jährige an, mit seinen Intermediates die nassen Stellen am Asphalt zu suchen, damit die Reifen nicht überhitzen. Etwa zur Hälfte der Runde teilte er seinem Renningenieur mit, dass er - anders als Leclerc - lieber auf Medium-Reifen wechseln würde. Der Soft, befürchtete er, könnte zu stark grainen.

 

Vettels Instinkt sollte sich als goldrichtig herausstellen. "Wir haben das als Team entschieden", spielte er nach dem Rennen auch noch vorbildlich den Teamplayer. "Normalerweise", erklärt er, "kämpfst du bei solchen Bedingungen mit dem Medium und dem Hard, weil du sie nicht auf Temperatur bringst. Da wäre der Soft eigentlich die logischere Wahl."

Durch den Boxenstopp fiel Vettel von P4 auf P14 zurück und Leclerc von P5 auf P11. Zumindest eine Runde früher Reifen zu wechseln, wäre nicht nur schneller gewesen, sondern hätte Vettel auch die Wartezeit an der Box erspart, weil alle gleichzeitig auf Slicks umstecken wollten. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Von ihm selbst ging dazu am Funk kein Impuls aus.

"Es lag Regen in der Luft, der dann doch nicht kam. Blieb bei ein paar Tropfen", schildert Vettel die Anfangsphase des Rennens. "Klar, im Nachhinein redet es sich immer leicht, aber andere haben bessere Entscheidungen getroffen als wir und vor allem schnellere. Unser Ziel ist, besser zu arbeiten als die anderen. Das ist uns heute nicht gelungen."

Rosberg lobt: "Tolle Leistung gebracht"

Zu Beginn der 19. Runde ging Vettel außen in Kurve 2 an Leclerc vorbei. Von da an holte er das aus dem Ferrari raus, was möglich war. "Fahrerisch hat Sebastian eine tolle Leistung gebracht", meint etwa Nico Rosberg gegenüber 'RTL'. "Man muss sagen, dass der Ferrari echt katastrophal liegt. Sein Teamkollege hat sich alle zwei Runden beschwert."

Teamchef Mattia Binotto stimmt zu: "Unser Rennen war enttäuschend. Wir sind alle enttäuscht." In der offiziellen Presseaussendung ging er sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnete die Performance als "inakzeptabel". Doch während Vettels starke Leistung mit keinem Wort gewürdigt wurde, servierte er für Leclercs Vorstellung eine ausführliche Erklärung.

"Charles auf die weichen Reifen zu setzen, war sicher nicht die richtige Entscheidung", gibt Binotto zu. "Wir haben ihn da in eine schwierige Position gebracht." Ob sich Leclerc die Reifen so wie Vettel selbst ausgesucht hat oder ob ihm die Softs vom Team aufs Auge gedrückt wurden, lässt sich nicht rekonstruieren. Denn in Leclercs Cockpitkanal auf 'F1 TV' ist der Ton stummgeschaltet.

"Zu dem Zeitpunkt", verteidigt Binotto die Entscheidung, "gingen wir davon aus, dass die Softs die richtige Wahl sein würden, weil wir Regen erwartet haben. Das war dann aber doch nicht der Fall. Im Nachhinein zu diskutieren, ist immer einfach. Aber es stimmt, dass es nicht die richtige Entscheidung war. Daraus müssen wir lernen."

"Wir können als Ferrari nach drei Rennen mit unserem Tempo absolut nicht zufrieden sein. Die Situation ist enttäuschend", sagt Binotto. "Wir müssen jetzt in Maranello sauber analysieren, was mit der Performance des Autos und des Teams los ist, damit wir unsere Probleme so schnell wie möglich lösen können. Jetzt hängt erstmal alles von dieser Analyse ab."

Immerhin hat Vettel bewiesen, dass er für Ferrari kein Klotz am Bein sein muss, sondern immer noch ein echtes Asset ist, wenn die Rahmenbedingungen passen. Zuletzt hatte sich die Kritik am viermaligen Weltmeister gehäuft. "Wenn er unter Druck steht, reagiert er nicht immer besonders gut drauf", meinte zum Beispiel Gerhard Berger im Podcast 'F1 Nation'.

Berger: Vettel und Ferrari, das wird nix mehr ...

"Die Saison hat er auf dem falschen Fuß begonnen. Aber warten wir ab. In der zweiten Saisonhälfte war er letztes Jahr im Vergleich zu Leclerc sehr konkurrenzfähig", so der DTM-Chef. Aber: Dass Ferrari 2020 noch einmal den alten Vettel erleben wird, bezweifelt Berger: "In diesem Umfeld wird das schwierig. Sebastian funktioniert am besten, wenn sein ganzes Umfeld auf ihn ausgerichtet ist."

"Er mag es nicht, teaminterne Konkurrenz zu haben. Er kann damit umgehen, aber die letzten zwei, drei Zehntel holt er am besten raus, wenn er das Gefühl hat, der König im Team zu sein und dass alle hinter ihm stehen und ihn lieben und pushen. Das findet er bei Ferrari nicht mehr. Unmöglich. Leclerc ist der neue Superstar. Er hat die Zukunft vor sich."

Unser Experte Marc Surer stimmt Berger zu: "Sebastian hat immer wieder mal Fehler einfließen lassen. Wenn er unter Druck ist, geht's bei ihm öfter schief. Das kennt er nicht. Er kennt das Vornewegfahren von Red Bull. Aber wenn er unter Druck steht, auch von seinem Teamkollegen, dann geht's ab und zu schief. Das ist nichts Neues."

Und: "Das spricht natürlich vielleicht ein bisschen für die Binotto-Entscheidung", zeigt Surer Verständnis dafür, dass Ferrari Vettels Vertrag nicht mehr verlängert hat. Gleichzeitig findet er die Art und Weise, wie man Vettel "abserviert" hat, "dürftig. Es wäre fair gewesen, ihm zumindest ein Angebot zu machen."

"Ich glaube, dass die Entscheidung mit dem Vertrag für Leclerc kam. Weil der einen Nummer-1-Passus in seinem Vertrag hat. Und Vettel, einem viermaligen Weltmeister, kann man natürlich nicht einen Nummer-2-Vertrag anbieten. Das geht nicht. Deswegen haben sie die einfachere Lösung genommen. Und einen billigeren Fahrer. Darf man nicht vergessen", sagt Surer.

Einer, der Verständnis dafür hat, dass Vettel nach dem Schock des Rauswurfs nicht vom ersten Saisonrennen an voll performt hat, ist Ross Brawn, der Weltmeister-Macher von Michael Schumacher. Er sagt: "Sebastian wirkte von dem, was passiert ist, überrascht und geschockt. Das kann dann schon eine Ablenkung sein. Ich verstehe das."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Autor Christian Nimmervoll