Warum die FIA von Kritik an den Strafen in Österreich unbeeindruckt ist

Über die Strafen, die Lando Norris und Sergio Perez in Österreich erhielten, wird heftig diskutiert - Doch für die FIA ist die Sachlage eindeutig

Warum die FIA von Kritik an den Strafen in Österreich unbeeindruckt ist

Die Formel-1-Fans sind geteilter Meinung darüber, ob die Strafen, die Lando Norris und Sergio Perez beim Grand Prix von Österreich erhielten, gerechtfertigt waren oder nicht. In einer Ära, in der der Sport versucht hat, eine "Let them race"-Mentalität zu fördern, löste vor allem die Strafe gegen Norris eine Debatte aus.

Da der McLaren-Pilot keinen Kontakt mit Perez hatte und sich das Duell nicht wesentlich von ähnlichen Vorfällen unterschied, die in der Vergangenheit ohne Strafe blieben, überraschte es nicht, dass viele mit der Entscheidung der FIA unzufrieden waren.

Perez hatte sich eindeutig in eine riskante Lage gebracht, als er versuchte, in Kurve 4 außen herum zu fahren. Denn wer mit seinem Auto nur etwas zu weit hinausgetragen wird, den saugt das Kiesbett auf der Außenseite geradezu magisch an.

Michael Masi: Es muss eine Wagenbreite Platz sein

Doch Formel-1-Rennleiter Michael Masi zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt und betont, dass alle drei Vorfälle - Perez war später in ähnliche Zusammenstöße mit Charles Leclerc verwickelt - nach den gleichen Kriterien beurteilt wurden.

Für ihn ist der Schlüsselfaktor, dass der Fahrer auf der Innenseite - Norris im ersten Vorfall und Perez später - am Ausgang der Kurve nicht die vorgeschriebene Wagenbreite Platz gelassen hatte, wie er tun sollte, weil sein Rivale neben ihm war.

"Im ersten Fall, bei dem von Sergio mit Lando, war er komplett neben Lando", erklärt Masi. "Und deshalb gibt es eine Pflicht, die Breite eines Autos bis zum Streckenrand zu lassen. Dann war es das Gleiche nur umgekehrt mit Checo und Charles am Ausgang von Kurve vier, und dann wieder Checo und Charles am Ausgang von Kurve sechs."

"Natürlich sitze ich nicht im Raum der Stewards, um darüber zu beraten, aber ihre Ansicht war, dass in allen drei Fällen die Breite eines Autos bis zum Rand der Strecke hätte gelassen werden müssen, weil sich die beiden Autos nebeneinander befanden."

Ein weiterer Faktor, der hier wahrscheinlich eine Rolle spielte, war, dass die Auslaufzonen in Kurve 4 und Kurve 6 eher aus Kies als aus Asphalt bestehen. Daher haben Zwischenfälle, bei denen Fahrer abgedrängt werden, viel größere Konsequenzen als bei Asphalt, wo die Fahrer wenig verlieren, wenn sie die Strecke verlassen, und dann schnell in der Lage sind, den Kampf wieder aufzunehmen.

Auf die Frage, ob Zwischenfälle mit Kiesbetten anders behandelt werden, sagt Masi: "Offensichtlich hat Kies an diesen Stellen eine Auswirkung. Also würde man sagen, ja, wenn man es logisch betrachtet. Man muss jede dieser Stellen für sich betrachten, die Charakteristik der Strecke einbeziehen, und so weiter."

Zwischenfälle in der ersten Runde milder behandelt

Der Norris-Zwischenfall ist nicht das erste Mal in dieser Formel-1-Saison, dass Autos auf der Außenseite weit abgedrängt wurden: Auch Titelrivale Lewis Hamilton wurde in der ersten Kurve des Grands Prix der Emilia Romagna bei einer ähnlichen Aktion von Max Verstappen abgedrängt - damals ohne Konsequenzen.

Doch laut Masi ist es schwer, verschiedene Vorfälle zu vergleichen, da es oft nicht die gleichen Umstände gibt. Auf die Frage, warum das Szenario in Imola nicht vergleichbar sei, erklärt er, dass die erste Rennrunde oft nicht so hart behandelt werde.

"Alle Zwischenfälle in der ersten Runde, und das muss man auch aus der Sicht des Teams bedenken, werden milder behandelt", so Masi. "Und das ist schon seit einigen Jahren der Fall, nach dem Prinzip 'Let them race', nennen wir es mal so."

Erinnerungen an 2019: Verstappen drängt Leclerc ab

"Aber es ist sehr schwierig, jeden einzelnen Vorfall zu vergleichen. Ich weiß, dass jeder gerne alles gruppiert, aber es ist sehr schwierig, zwei völlig unterschiedliche Kurven a la Imola zu vergleichen, und hier entweder Kurve vier oder sechs."

Die Strafen auf dem Red Bull Ring weckten auch Erinnerungen an die Art und Weise, wie Verstappen 2019 triumphierte, obwohl er Leclerc am Ausgang von Kurve 3 in der vorletzten Runde des Rennens abdrängte. Damals gab die FIA Entwarnung, was als Teil einer neuen Philosophie gefeiert wurde, die Fahrer kämpfen zu lassen.

Auf die Frage, ob die Behandlung des Vorfalls von damals und das Verteilen von Strafen dieses Mal einen Mangel an Konsistenz zeigten, war sich Leclerc nicht so sicher.

"Ich denke, dieses Mal ist es wahrscheinlich ein bisschen anders, denn man kann argumentieren, dass ich vor zwei Jahren am Scheitelpunkt nicht vorne war, oder es war zumindest knapp", blickt der Ferrari-Pilot zurück. "Aber dieses Jahr war ich am Scheitelpunkt definitiv vorne, also musste er (Perez) am Ausgang Platz lassen."

"Ich denke, er weiß, dass er es ein bisschen übertrieben hat. Wir haben mit Checo gesprochen, er hat sich direkt nach dem Rennen entschuldigt und es ist in Ordnung. Ich bin nicht nachtragend, die Luft ist also rein und ich schaue nach vorn", so Leclerc.

"Aber ich habe das Gefühl, dass es diesmal offensichtlich ein bisschen anders war. Die Konsequenzen waren für mich größer, es gab Kies und keinen Asphalt, und ich war auch am Scheitelpunkt außen herum vorne, also muss man Platz lassen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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