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Warum Michael Schumachers Mercedes-Jahre nicht erfolgreich waren

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Warum Michael Schumachers Mercedes-Jahre nicht erfolgreich waren
Autor:
15.04.2020, 08:38

Ein Insider plaudert aus: Nicht verloren gegangenes Talent oder fortschreitendes Alter waren der Grund für Michael Schumachers missglücktes Comeback, sondern ...

Mit sieben WM-Titeln und 91 Grand-Prix-Siegen ist Michael Schumacher der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Formel 1. Nicht von Erfolg gekrönt war allerdings sein Comeback auf Mercedes in den Jahren 2010 bis 2012: In 58 Rennen fuhr er ein einziges Mal aufs Podium (Dritter in Valencia 2012), schaffte eine "Pole-Position" (Monaco 2012, Rückversetzung auf P6) und eine schnellste Runde (Hockenheim 2012). Eine für seine Maßstäbe magere Bilanz.

John Barnard, sozusagen der Adrian Newey seiner Zeit und eine der großen Designkoryphäen der Formel-1-Geschichte, hat seine ganz eigene Theorie dazu, warum Schumachers Mercedes-Jahre nicht erfolgreicher waren. Seiner Meinung nach lag das weder an verloren gegangenem Talent noch am fortschreitenden Alter (Schumacher war bei seinem Rücktritt 43) - sondern am Fahrstil des siebenmaligen Champions.

"Ich wäre so gern ein Mäuschen in der Box gewesen, als er für Brawn (Barnard meint Mercedes; Anm. d. Red.) gefahren ist, neben Rosberg", sagt der heute 73-Jährige im Interview mit dem offiziellen Formel-1-Podcast 'Beyond the Grid'. Denn dass Schumacher "oft langsamer" war als Rosberg, fand Barnard "merkwürdig".

"Meine Theorie ist - und es ist nur eine Theorie: Rosberg wollte wie die meisten anderen Fahrer auch ein Auto mit einem stabilen Heck. Wenn das gegeben ist, findet er schon einen Weg um das Untersteuern herum. Michael gefiel das nicht. Als sie das Auto dann für Michael abgestimmt haben, war er zwar schneller als Rosberg - aber trotzdem insgesamt nicht schnell genug."

Alain Prost, John Barnard, Jean Todt

John Barnards Wunschfahrer für Ferrari 1996 war eigentlich Alain Prost

Foto: Motorsport Images

Estoril 1995: Schumachers erster Test im Barnard-Ferrari

Barnards erster Kontakt mit Schumachers besonderem Fahrstil ereignete sich bei einem Formel-1-Test in Estoril Ende 1995. Schumacher, auf Benetton gerade zum zweiten Mal Weltmeister geworden, stieg dort zum ersten Mal in einen Ferrari. Und die Scuderia hatte für ihn zwei Modelle vorbereitet: das 1995er-Auto mit dem V12-Motor und ein Interimsauto mit V10-Motor.

In Barnards Biografie "The Perfect Car" (Autor: Nick Skeens, erschienen 2018 bei Evro Publishing - Jetzt über diesen sponsored Link online bestellen und kontaktlos vor die Haustür liefern lassen!) wird beschrieben, wie Schumacher schon nach fünf Runden mit dem V12-Modell um eine Sekunde schneller war als die bisherigen Stammfahrer Gerhard Berger und Jean Alesi.

Barnard erinnert sich: "Für mich war das sehr interessant. Erstens war er im V12-Auto superschnell. Er sagte danach zu mir: 'Wow, mit diesem Auto wäre ich leichter Weltmeister geworden als mit dem Benetton!' Das war, was er gesagt hat. Kann man glauben oder nicht, aber das hat er gesagt. Ich dachte: 'Okay, das ist gut. Wir können nicht allzu weit weg sein.'"

Mit dem V10 kam Schumacher weniger gut zurecht. Das war für die Ferrari-Ingenieure, die große Hoffnungen in die technische Neuentwicklung setzten, eine große Überraschung. Barnard erinnert sich an folgenden Dialog:

Barnard: "Was ist das Problem Michael, was gefällt dir nicht?"

Schumacher: "Es hat nicht die gleiche Motorbremse wie der V12."

Barnard: "Nein. Weil es ein besserer Motor ist, effizienter, weniger Bremswirkung innerhalb des Motors."

Schumacher: "Ja, aber so fahre ich in den Kurven."

Barnard: "Wie meinst du das?"

Schumacher: "Nun, wenn ich in eine Kurve fahre, balanciere ich das Auto mit dem Gaspedal. Wenn ich vom Gas gehe und die Motorbremse einsetzt, kommt das Heck. Wenn ich wieder aufs Gas steige, kann ich damit spielen. Das geht mit dem V10 nicht. Wenn ich mit dem V10 vom Gas gehe, ist die Reaktion eine andere."

Michael Schumacher, Monza 1996

Monza 1996: Michael Schumachers wichtigster Sieg im ersten Ferrari-Jahr

Foto: Motorsport Images

Barnard: Schumachers Fahrstil mit 40+ nicht mehr gut genug

"Ich weiß es nicht, aber ich glaube, dass Michaels Fahrstil gut war, als er jung war", sagt Barnard im Nachhinein. "Da hatte er dieses phänomenale Reaktionsvermögen. Aber als er ein bisschen älter wurde, hat dieses System möglicherweise nicht mehr so gut funktioniert."

In seinem Buch "The Perfect Car" sagt Barnard über Schumacher: "Du brauchst blitzschnelle Reaktionen und dicke Eier, um so zu fahren. Er konnte vom Gas gehen, um das Auto in ein Übersteuern zu zwingen, und dann wieder aufs Gas steigen, um das mit Untersteuern zu kompensieren. Es war einfach erstaunlich."

"Michael war schnell. Ich mochte aber nicht, wie er sein Auto abstimmte. Meiner Meinung nach war das der falsche Weg", so Barnard. Er fand "John Watsons Herangehensweise besser. Er wollte ein Heck, das auf der Straße klebt, um gut durch die Kurve zu kommen und früher aufs Gas steigen zu können. Das schien mir logisch. Letztendlich ist es Traktion, die ein Auto schneller macht."

Die Geschichte freilich steht auf Schumachers Seite. Während der Deutsche Ferrari zu fünf WM-Titeln führte, gewann Barnard in seiner glanzvollen Karriere als Technischer Direktor und Innovator (Kohlefaser-Monocoque, semiautomatisches Getriebe, Display am Lenkrad und viele mehr) keine weitere Weltmeisterschaft mehr.

"Ich habe versucht, mit Michael zu sprechen und ihm meine Ansicht zu vermitteln. Für mich war immer der beste Weg, ein Auto schnell zu machen, das Heck zu fixieren. Wenn du zu jedem Zeitpunkt am Heck maximale Traktion hast, kannst du früher aufs Gas steigen und wirst schneller sein. Michael ist aber nicht so gefahren", beschreibt Barnard.

Barnard & Schumacher: Zwei Egos sind eines zu viel ...

Dass beim damals besten Designer und dem besten Fahrer der Formel 1 auch zwei Egos aufeinandergeprallt sind, die nicht kompatibel waren, ist eine andere Facette der Geschichte. Barnards Version hört sich so an: "Ich respektierte sein Talent, fand es aber unglaublich schwierig, mit ihm zu arbeiten. Er stellte die Regeln auf, obwohl er so wenig Erfahrung hatte. Es fiel mir sehr schwer, damit umzugehen."

"Ich war ihm viele Jahre an Erfahrung voraus, aber das hielt den Kerl nicht davon ab, alles in Frage zu stellen, was ich tat: 'Warum dies, warum das? Ich mag dieses nicht, ich mag jenes nicht.'", so der Brite. "'Herrgott, warum kann dieser Junge Kerl nicht mal für einen Moment zuhören und versuchen zu verstehen, wie ich das Auto abstimmen würde?'"

An einem bestimmten Punkt habe es "keinen Sinn" ergeben, bei Ferrari "zu bleiben und mit ihm zu streiten". Zumal Barnard darüber frustriert war, dass für Schumacher seitens des Teammanagements der rote Teppich ausgerollt wurde und plötzlich Dinge möglich waren, für die er zuvor jahrelang vergebens gekämpft hatte.

"Wir mussten jedes Jahr das Budget für das jeweils nächste Jahr vorstellen, und Maranello bat uns jedes Mal um Einsparungen in der Höhe von 20 Prozent. Jetzt aber hatten wir Schumacher, und auf einmal sagte Todt uns, wir können alles einkaufen, was wir brauchen", erinnert sich Barnard. "'Eine neue Maschine? Holt eine! 300.000 Pfund? Kein Problem.' Es war wie Tag und Nacht." Das habe ihn "geärgert", gibt er in seinem Buch zu.

Die John-Barnard-Biografie "The Perfect Car" ist wohl eines der faszinierendsten und hintergrundreichsten Formel-1-Bücher überhaupt. Auf 596 Seiten gestattet es tiefe Einblicke in die McLaren-Dominanz der 1980er-Jahre, in das unfassbare Chaos bei Ferrari vor der Ära Todt/Schumacher und in die Methoden von Zeitgenossen wie Flavio Briatore.

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Mit Bildmaterial von Rainer Schlegelmilch.

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Rennserie Formel 1
Autor Christian Nimmervoll