Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

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Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat
Stefan Ehlen
Autor: Stefan Ehlen , German Editor
14.05.2018, 06:57

Max Verstappen hat die Pleiten und Pannen der vergangenen Wochen abgestellt und mit einem Podestplatz beim Spanien-Grand-Prix endlich die Trendwende geschafft

Liebe Leser,

da war er, der Befreiungsschlag: Max Verstappen hat sich zurückgemeldet! Beim Grand Prix von Spanien in Barcelona brachte der Red-Bull-Pilot erstmals in diesem Jahr ein solides Ergebnis ins Ziel. Und besser hätte er sein Comeback nicht timen können, denn die teaminterne Kollision mit Daniel Ricciardo liegt erst wenige Tage zurück. Entsprechend groß war der Leistungsdruck, unter dem Verstappen stand, zumal die Kritik an seiner Form in den vergangenen Wochen immer mehr zugenommen hatte.

Wir erinnern uns: Schon beim Auftakt in Australien drehte sich Verstappen im Rennen, belegte am Ende nur Platz sechs. In Bahrain legte er sich mit Weltmeister Hamilton an, es kam zur Berührung und zum frühen Ausfall. Wiederum Hamilton erwies sich in China als eine Nummer zu groß für den ungestüm attackierenden Verstappen, der außerdem Ferrari-Mann Sebastian Vettel bei einem missglückten Überholversuch in einen Dreher schickte. Diesem fünften Platz folgte in Aserbaidschan das bittere Aus nach dem Red-Bull-Crash mit Ricciardo. Und mit nur 18 Punkten aus vier Rennen reiste Verstappen weiter nach Spanien – mit dem Rücken zur Wand.

Video: Die Crashs von Verstappen

Vor dem Europa-Auftakt der Formel-1-Saison 2018 sprachen einige Experten Verstappen die nötige Reife ab. Mercedes-Teamboss Niki Lauda pries den jungen Niederländer gegenüber 'Bild' zwar als "Entdeckung des Jahrhunderts", fand aber auch mahnende Worte, indem er sagte: "Er muss aufpassen, denn so wirst du nie Weltmeister."

Und beinahe hätte es wieder nicht geklappt mit einem guten Ergebnis: Unter Gelb kollidierte Verstappen leicht mit dem vor ihm fahrenden Williams von Lance Stroll und scherte sich dabei die linke Endplatte am Frontflügel ab. Glück im Unglück: Mehr war nicht kaputt und die Balance seines Fahrzeugs verschlechterte sich nur geringfügig.

So dürfte Verstappen beim Sprung auf das Treppchen in Barcelona eine Last von den Schultern gefallen sein. "Seht her, ich kann's doch noch!" – etwas dergleichen hat er sich wohl gedacht, als er seinen ersten Pokal in diesem Jahr entgegengenommen hat.

Der Zeitpunkt für das Ende der sportlichen Talfahrt ist gut. Denn langsam gingen selbst Teamchef Christian Horner und Sportchef Helmut Marko die Argumente aus, Verstappens Fahrweise zu verteidigen. Nebenbei erwies sich Ricciardo in den bisherigen Rennen als der clevere und oft auch schnellere der beiden Red-Bull-Piloten. Diesen Trends entgegenzuwirken hatte somit Priorität für Verstappen. Und in der Tat kehrten sich in Spanien teamintern die Vorzeichen um: Ricciardo drehte sich (war nicht im TV zu sehen), Verstappen holte das Podestergebnis für sein Team. Damit sind die Wogen erst einmal geglättet und die Kritiker verstummt – vorerst.

Denn klar ist: So wie Barcelona der Auftakt für die Europa-Saison ist, so muss Barcelona auch der Auftakt für eine Formsteigerung von Verstappen sein. Sprich: Da müssen jetzt weitere Resultate folgen, damit der dritte Platz nicht als Einmalleistung verpufft.

Max Verstappen, Red Bull Racing, 3rd position, on the podium

Mit Blick auf die WM-Fahrerwertung dürfte Verstappen in der Nacht zum Montag aber gut geschlafen haben. Auf einen Schlag hat er in Spanien seine Punkteausbeute in der Saison 2017 von 18 auf 33 fast verdoppelt. Und Teamkollege Ricciardo liegt jetzt nur noch 13 Punkte vor ihm. Das Stallduell ist also wieder ziemlich offen und wird in den kommenden Wochen für Spannung sorgen. Denn ich bin fest davon überzeugt: Die Podestfahrt in Barcelona hat bei Verstappen Lust auf mehr gemacht. Und das ist gut so!

Wer sonst noch gut geschlafen hat:

Mit seinem zweiten Sieg in Folge hat Lewis Hamilton die Führung in der Fahrerwertung ausgebaut. Es war eine souveräne Vorstellung des WM-Titelverteidigers, dem – anders als in Baku – der Erfolg in Barcelona nicht in den Schoß gefallen ist. Man könnte auch sagen: Es war der erste "echte" Hamilton-Sieg in diesem Jahr. Schon im Qualifying hatte er brilliert, fuhr anschließend von der Pole-Position ungefährdet als Nummer eins ins Ziel. Das ist die Form, die ihn seit 2014 mit Mercedes zu bereits drei WM-Titeln geführt hat. Also Achtung, Sebastian Vettel: Hamilton ist wieder richtig da!

Der Titel "Best of the Rest" gebührt dieses Mal Haas-Fahrer Kevin Magnussen, dem zuletzt eher attestiert worden war, einer der gefährlichsten und rücksichtslosesten Fahrer der Formel 1 zu sein. Auch im Training in Spanien wurde der Däne nach einer haarigen Szene wieder angefeindet – und verwarnt. Im Rennen aber zeigte er eine blitzsaubere Leistung und erzielte das aus seiner Sicht bestmögliche Ergebnis als bester Verfolger hinter den drei Topteams. Das ist aller Ehren wert!

Zum fünften Mal im fünften Rennen ist Fernando Alonso für McLaren in die Punkte gefahren. Das ist neben dem zweimaligen Weltmeister bisher nur Hamilton und Vettel gelungen. Eine gute Leistung, die durch den siebten Zwischenrang in der Fahrerwertung dokumentiert wird. Auf Alonso ist eben Verlass!

Seit 2015 hat es kein Sauber-Fahrer mehr geschafft, bei zwei Rennen in Folge in die Top 10 zu fahren. Entsprechend stolz darf Formel-1-Neuling Charles Leclerc auf seinen zehnten Platz in Barcelona sein. Das zeigt: Sowohl der Nachwuchspilot aus Monaco als auch Team Sauber machen gute Fortschritte.

PS: Diese Kolumne ist das Schwesterformat zur traditionellen Montags-Kolumne von Christian Nimmervoll auf unseren Schwesterportalen Motorsport-Total.com und Formel1.de. "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat" (nämlich die Formel-1-Fans nach dem Streaming-Fail von F1 TV), können Sie hier nachlesen!

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