Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Fernando Alonso

Warum Alpine-Fahrer Fernando Alonso in Katar zu den Gewinnern zählt und er nach dem dritten Platz im Rennen Formel-1-Rekorde aufgestellt hat

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Fernando Alonso

Liebe Leser,

wie üblich habe ich nach dem Formel-1-Rennen auf Twitter gefragt, wen die User dort als Protagonist für meine Montagskolumne nominieren würden. Die überwiegende Mehrheit nannte Fernando Alonso. Und ich kann nur sagen: Geht mir genauso. Sein Auftritt in Katar hat mich begeistert!

Alonso selbst beschrieb es als "unglaublich", nach sieben Jahren erstmals wieder auf dem Podium vertreten zu sein. Er hat auch das Wort "endlich" gebraucht.

Und das ist nur verständlich: Der Ungarn-Grand-Prix 2014 in Budapest liegt schon sehr weit zurück. In diesem Rennen hatte Alonso P2 belegt, damals noch für Ferrari. Als Sebastian Vettel noch amtierender Formel-1-Weltmeister war und Mercedes gerade erst seine Siegesserie begonnen hatte. Ja, so lange ist das her!

Für Alonso folgten dann vier sehr bittere Jahre bei McLaren, ehe er Ende 2018 entnervt aufgab und der Formel 1 den Rücken kehrte. Seit 2021 ist er wieder da. Und jetzt erfolgte die vorläufige Krönung seines Comebacks mit Platz drei in Katar.

Ob ihm die Formel 1 jetzt wieder Spaß mache, wurde er nach dem Rennen in Katar gefragt. Seine Antwort spricht Bände: "Ja, ich genieße es. Scheiße, ich habe so lange darauf gewartet! Ich bin happy!"

Zwei Formel-1-Rekorde für Alonso

Ganze 146 Rennen hat es gedauert seit Ungarn 2014, bis Alonso in Katar 2021 wieder an einer Siegerehrung teilnehmen durfte. Das ist Rekord für den größten Abstand zwischen zwei Top-3-Ergebnissen in der Formel 1.

Ebenfalls Rekord ist der Abstand zwischen dem ersten und dem bisher letzten Podestplatz bei Alonso: 355 Rennen. So lange liegt der Malaysia-Grand-Prix 2003 bereits zurück, und damit mehr als ein Drittel der kompletten Formel-1-Renngeschichte, die am Sonntag ihren 1.055 Grand Prix im Rahmen der Weltmeisterschaft gesehen hat.

Im Qualifying den Grundstein gelegt

Es war eine Sternstunde für Alonso, der sich bereits im Qualifying gut in Szene gesetzt hatte, mit P5. Ja, er war damit hinter Hauptgegner Pierre Gasly im AlphaTauri gelandet, aber eben auch vor vielen besseren Autos, die im Qualifying weniger erfolgreich abschnitten.

Fernando Alonso als Verfolger von Hamilton und Verstappen - vor dem restlichen Mittelfeld

Fernando Alonso als Verfolger von Hamilton und Verstappen - vor dem restlichen Mittelfeld

Foto: Zak Mauger / Motorsport Images

Und: Alonso schwärmte schon am Samstag von seinem Alpine A521: "Das Auto war toll zu fahren. Ich sagte dem Team, wenn man mir nur genug Sprit einfüllt, dann könnte ich die ganze Nacht durchfahren, dass ich morgen früh noch da wäre!"

Alonso sagte auch: "Der Samstag bedeutet nicht viel. [P5] ist eine gute Startposition, aber am Sonntag gibt es die Punkte. Wir müssen also das Beste aus dieser Ausgangslage machen." Und genau das hat Alonso getan.

Etwas Glück gehört zum Geschäft ...

Natürlich: Alonso hat erst einmal davon profitiert, dass Max Verstappen und Valtteri Bottas in der Startaufstellung zurückversetzt wurden und dass Bottas im Rennen per Reifenschaden zurückfiel. Er hat aber unter diesen Umständen das für ihn Maximale erreicht. Denn realistisch war wahrscheinlich nicht mal P3 drin für Alpine, wenn man den Speed-Vorteil von Sergio Perez im Red Bull bedenkt.

Alonso aber hat es verstanden, die in Katar schwierige Einstopp-Strategie bis zum Ende durchzuziehen, und das mit (gebrauchten) Soft-Reifen zu Rennbeginn. Nur zum Vergleich: Bei Alpine-Direktgegner AlphaTauri ging dieser Schuss gewaltig nach hinten los, beide Fahrer fielen raus aus den Punkterängen. Alonso und Esteban Ocon aber zogen es durch und holten viele Punkte.

Klar: Die virtuelle Safety-Car-Phase kurz vor Schluss hat Alonso geholfen, den Top-3-Platz ins Ziel zu bringen. So betrug das Polster auf Perez am Ende noch 2,8 Sekunden statt dass es noch zu einer Attacke kam, die für Alonso auf 34 Runden alten Hard-Reifen womöglich schlecht ausgegangen wäre.

Und auf einmal ist Alpine klarer Fünfter

Ein bisschen Glück gehört eben auch dazu. Das wird sich auch Alonso selbst gesagt haben, nachdem er beim bisher größten Alpine-Erfolg in der Formel 1 doppelt in die Röhre geschaut hatte: In Ungarn siegte nicht er, sondern Ocon, und Alonso selbst blieb nur Platz vier. In Russland hätte es P3 werden können, aber dann kam der Regen. Sechster. In Katar hat endlich für Alonso alles gepasst.

Fernando Alonso im Alpine A521

Fernando Alonso im Alpine A521

Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Das Timing für diesen Erfolg hätte besser kaum sein können: In einem Rennen, in dem AlphaTauri praktisch unterging, hat Alpine satte 25 Punkte geholt und sich damit einen vielleicht entscheidenden Vorteil gesichert im Kampf um P5 in der Konstrukteurswertung. In einer Saison, in der beide Teams bisher jeweils nur vier Mal zweistellig gepunktet haben, ist das ein Wort.

Young Driver Alonso, der Teamplayer

Auch für den "neuen" Fernando Alonso, der sich 2021 ganz als Teamplayer gibt. Schon nach Brasilien hatte er betont, sein individuelles Abschneiden sei ihm egal, wichtig sei nur das Teamergebnis: "Ob Achter und Neunter oder Neunter und Achter: Das gibt die gleichen Punkte für das Team", so hatte er gesagt.

In Katar aber wird Alonso sehr froh darüber gewesen sein, dass nicht erneut Ocon das bessere Resultat erzielt hat, sondern er selbst, als erst dritter Ü40-Fahrer in den vergangenen 30 Jahren nach Nigel Mansell (Adelaide 1994) und Michael Schumacher (Valencia 2012) auf dem Podium. Und damit dürfte Young Driver Fernando Alonso in der Nacht zum Montag sicher gut geschlafen haben, genau wie der Rest des Alpine-Teams.

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Und wer nach dem Rennen in Brasilien gar nicht gut geschlafen hat? Das erfahren Sie wie immer in der Schwesterkolumne von Chefredakteur Christian Nimmervoll auf Motorsport-Total.com. Hier klicken!

Ihr
Stefan Ehlen

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