Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Helmut Marko

Warum Red-Bull-Sportchef Helmut Marko trotz des Ausfalls von Max Verstappen in Baku viel Positives vom Aserbaidschan-Grand-Prix mitnehmen kann

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Helmut Marko

Liebe Leser,

nach dem Aserbaidschan-Grand-Prix in Baku haben mich einige Zuschriften erreicht mit dem Tenor: Sebastian Vettel muss nach diesem Rennen einfach gut schlafen. Dem schließe ich mich an.

Vettel hat mit Sicherheit eine ruhige Nacht verbracht. Ich mache ihn aber trotzdem nicht zum (Haupt-) Thema dieser Kolumne. Warum? Weil ich mich nicht auf Vettel beschränken will.

Doch der Reihe nach …

Endlich angekommen bei Red Bull: Sergio Perez

Denn da wäre natürlich Red-Bull-Fahrer Sergio Perez, der im sechsten Einsatz für sein neues Team erstmals gewonnen hat. Klar: Ohne den Ausfall seines Teamkollegen Max Verstappen hätte das nicht geklappt, und Lewis Hamilton hat beim letzten Re-Start auch kräftig mitgebaut.

Unterm Strich steht aber: Perez hat gewonnen, zum zweiten Mal in seiner Formel-1-Karriere, zum ersten Mal für Red Bull.

Und was aus der Sicht seines Rennstalls noch viel wichtiger ist: Er ist der erste Verstappen-Teamkollege seit Daniel Ricciardo in Monaco 2018, der einen Sieg holt. Das haben – natürlich unter anderen Umständen – weder Pierre Gasly noch Alexander Albon an der Seite von Verstappen geschafft.

Sergio Perez bejubelt den Sieg in Baku

Sergio Perez bejubelt den Sieg in Baku

Foto: Motorsport Images

Helmut Marko darf sich also in seiner Fahrerwahl bestätigt fühlen. Denn Perez tut genau das, was Red Bull von ihm erwartet: Er ist zur Stelle, wenn man ihn braucht, und holt die entscheidenden Punkte. Genau diese Aufgabenstellung hat Perez zumindest in Baku mustergültig erfüllt, indem er erst Verstappen abgeschirmt und später abgestaubt hat.

Fährt eine ganz starke Saison bei AlphaTauri: Pierre Gasly

Und wenn wir schon bei einwandfreien Leistungen sind, dann muss man auch Pierre Gasly loben – für dessen dritten Platz in Baku und für das, was er in dieser Saison im AlphaTauri macht. Denn er ist bislang fünf Mal aus den Top 10 losgefahren und kam zuletzt fünf Mal in Folge in den Punkterängen an. Auch das dürfte Helmut Marko sehr zufrieden stimmen.

Denn nicht vergessen: Gasly ist nur deshalb wieder bei AlphaTauri (Toro Rosso) gelandet, weil es bei Red Bull nicht lief. Dafür läuft es jetzt wie geschmiert, die Kombination aus Fahrer, Team und Auto funktioniert prächtig.

Läuft bei Gasly: Er fährt eine starke Saison

Läuft bei Gasly: Er fährt eine starke Saison

Foto: Motorsport Images

Das zeigt auch das bereits dritte Podestergebnis von Gasly für das Team seit 2019. Und: Er hat drei von insgesamt fünf Top-3-Resultaten in der gesamten Historie des Rennstalls erzielt, dazu einen von bisher zwei Siegen. Kann sich sehen lassen, diese Bilanz. Noch dazu, wenn Gasly regelmäßig dafür sorgt, dass auch das zweite Red-Bull-Team weit vorne mitmischt.

Wir halten also fest: Zwei Fahrer aus dem aktuellen Red-Bull-Kader standen in Baku auf dem Podium, und mit ihnen nahm ein Ex-Red-Bull-Fahrer an der Siegerehrung teil: Vettel.

Ein Ex-Red-Bull-Fahrer im Aufwind: Sebastian Vettel

Und vielleicht erinnerst Du Dich: Anfang April haben wir ein Interview mit Helmut Marko veröffentlicht, indem dieser nicht verhehlen konnte, wie sehr er doch mit Vettel leide, weil es für diesen bei Aston Martin überhaupt nicht laufe. Man bekam das Gefühl: Auch wenn Vettel nicht mehr für Red Bull fährt, Marko würde ihm trotzdem weitere Erfolge gönnen.

P5 in Monaco war so ein erster Erfolg für Vettel und Aston Martin, aber P2 in Baku ist es umso mehr. Und aus Sicht von Helmut Marko befand sich damit das komplette Formel-1-Podium in Red-Bull-Hand, zumindest im weiteren Sinn. Da dürfte sich Marko ausnahmsweise auch für ein Konkurrenzteam (mit-) gefreut haben.

Und da ist noch einiges mehr ...

Damit hätten wir schon drei gute Gründe, warum Helmut Marko in der Nacht zum Montag gut geschlafen haben könnte. Es gibt aber noch weitere: Zum Beispiel, dass die Mercedes-Form von Monaco eben kein einmaliger Ausreißer war. Oder dass Lewis Hamilton, unter Druck durch Red Bull und Verstappen in der WM, einen großen Fehler macht und sichere Punkte wegwirft.

So verlässt Red Bull mit Verstappen Baku nicht nur weiter an der Spitze der Fahrer-WM, sondern hat dank der Punkte von Perez auch den Vorsprung in der Konstrukteurswertung ausgebaut.

Und die weitere Tendenz ist ebenso erfreulich für Helmut Marko: Während Perez nach seinem ersten Red-Bull-Sieg das Gefühl haben darf, endlich "angekommen" zu sein in seiner Rolle als idealer Teamkollege von Verstappen, zeigt die Formkurve bei Hamilton-Teamkollege Valtteri Bottas ziemlich nach unten. Dieses Kräfteverhältnis kippt gerade zugunsten von Red Bull – wahrscheinlich auch nicht zum Ärger von Marko.

Hamilton verbremst sich, der Weg ist frei für Perez

Hamilton verbremst sich, der Weg ist frei für Perez

Foto: Motorsport Images

Apropos Bottas: Dessen aktuelles Auftreten ist an diesem Montag das große Thema in der Schwesterkolumne meines Kollegen Christian Nimmervoll auf Motorsport-Total.com. Er wirft darin auch die Frage auf, welche Perspektive sich Bottas überhaupt noch bietet.

Die Aussichten von Helmut Marko wiederum waren seit Beginn der Hybridära in der Saison 2014 selten besser. Deshalb ist er für mich neben Perez, Vettel und Gasly der große Sieger beim Aserbaidschan-Grand-Prix 2021 in Baku.

Nicht verpassen: "Letzte Nacht" am Montag LIVE um 19 Uhr!

Sie denken ähnlich? Oder ganz anders? Dann lassen Sie uns darüber reden: Folgen Sie mir gerne auf Facebook und/oder Twitter, wo ich diese Kolumne – und weitere aktuelle und historische Themen aus der Formel 1 und dem Motorsport allgemein – gerne mit Ihnen diskutiere. Schreiben Sie mir!

Und nicht vergessen: Um 19:00 Uhr analysieren Christian Nimmervoll und ich auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de den Aserbaidschan-Grand-Prix noch einmal ausführlich. Wir sprechen natürlich über unsere "Letzte-Nacht"-Kolumnen, aber auch über alles weitere, was dieses Formel-1-Rennen ausgemacht hat. Also: Gerne einschalten und live dabei sein – denn so können Sie uns Ihre Fragen zum Grand Prix stellen, die wir dann ebenso live beantworten!

Ihr
Stefan Ehlen

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