Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Mick Schumacher

Warum Mick Schumacher mit seinem Formel-1-Wochenende in der Türkei sehr zufrieden sein kann, obwohl am Ende wieder nur P19 steht

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Mick Schumacher

Liebe Leser,

vielleicht müsste ich an dieser Stelle über Valtteri Bottas schreiben. Wie er die "geerbte" Poleposition in Istanbul im Rennen in einen blitzsauberen Sieg umgesetzt hat, und das nach einem für ihn äußerst schwachen Auftreten an gleicher Stelle im vergangenen Jahr und nach einer bisher sieglosen Saison 2021. Bottas' Leistung am Rennsonntag in der Türkei aber war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.

Und doch ist ein anderer Fahrer das große Thema in dieser Kolumne: Mick Schumacher.

Wer nach dem Türkei-Grand-Prix schlecht geschlafen hat, das erfahren Sie in der Schwesterkolumne auf Motorsport-Total.com, dieses Mal geschrieben von Norman Fischer!

Natürlich: Auf dem Papier steht für ihn wieder nur ein 19. Platz im Rennen, vor Haas-Teamkollege Nikita Masepin. So weit also nichts Besonderes, sondern nur das Minimalziel erreicht – könnte man meinen.

Wie Schumacher in der Türkei überzeugt hat

Die Wahrheit ist: Schumacher hat an diesem Wochenende geglänzt. Es war sein vielleicht bisher bester Auftritt in der Formel 1, und das bei schwierigen Bedingungen mit Mischverhältnissen auf der Strecke.

Schon in den Trainings hatte Schumacher Masepin gut im Griff, was im Sommer nicht immer der Fall gewesen ist. Schumachers Sternstunde aber schlug im Qualifying: P14 in Q1 im Haas. Das ist mal eine Ansage!

Mick Schumacher im Haas VF-21 in der Türkei

Mick Schumacher im Haas VF-21 in der Türkei

Foto: Glenn Dunbar / Motorsport Images

Nur, um diese Leistung ins Verhältnis zu setzen: Schumacher hat hierbei nicht von einer Panne bei einem schnelleren Auto profitiert. Er hat seinen Haas VF-21 aus eigener Kraft in die zweite Qualifying-Runde bewegt und dabei Sebastian Vettel im Aston Martin, Daniel Ricciardo im McLaren, Nicholas Latifi im Williams sowie beide Alfa Romeo geschlagen. Und natürlich Masepin, um 2,9 Sekunden.

Das war richtig stark! Und das ist auch aufgefallen. Noch dazu, weil Haas als einziges Team über die Saison hinweg überhaupt nicht entwickelt hat, aber im letzten Saisondrittel plötzlich (und zum zweiten Mal dieses Jahr) eine Q2-Teilnahme verbuchen kann.

Viel Lob aus der Chefetage

"Das war kein Glück", betont Haas-Teamchef Günther Steiner. "Mick ist schon das ganze Jahr über immer ziemlich dabei. Und er hat das Potenzial, noch besser zu werden."

So sieht es auch Ayao Komatsu, Chef-Renningenieur bei Haas. Er sei "nicht überrascht" von Schumachers Leistung, denn "wir kennen ja sein Potenzial".

Was ihn besonders beeindruckt habe, sei Schumachers herangehensweise an die entscheidende Runde in Q1: "Im Vergleich zu Russell hat er alleine in Kurve 1 vier Zehntel liegen lassen. Mick war da besonders vorsichtig, um sicherzustellen, dass er die Runde hinkriegt. Und der Rest der Runde auf dem trockeneren Streckenteil war sehr, sehr gut."

Schumacher habe "prima eingeschätzt, wie viel Luft er lassen muss, um die Runde auf den Punkt zu bringen", sagt Komatsu weiter. "Und er wusste, wo er an anderer Stelle pushen musste. Da hat er wirklich eine gute Balance erwischt."

Gutes Comeback nach unverschuldetem Dreher

Und dann das Rennen: Von P14 kommend verlor Schumacher in der ersten Runde zwei Positionen an die Alfa-Romeo-Fahrer Räikkönen und Giovinazzi, profitierte aber auch vom Dreher von Alpine-Mann Alonso in Kurve 1. Nur um nach einem Rempler von Alonso ebenfalls gedreht zu werden und an die vorletzte Stelle zurückzufallen.

Momentaufnahme: Mick Schumacher hinter Teamkollege Nikita Masepin

Momentaufnahme: Mick Schumacher hinter Teamkollege Nikita Masepin

Foto: Mark Sutton / Motorsport Images

Damit war Schumachers Rennen gelaufen. Auf einmal lag er sogar hinter seinem Teamkollegen Masepin zurück. Den holte Schumacher aber rasch ein und wurde schließlich kurz nach Rennhälfte vor dem Teamkollegen notiert. Im Ziel hatte er Masepin 24,1 Sekunden abgenommen. Ein gutes Comeback nach dem frühen Dreher!

Schumacher selbst hat sich jedenfalls nichts vorzuwerfen und gibt sich "sehr, sehr zufrieden" mit seinem Auftreten in der Türkei. Zu Recht! Denn er hat dort genau das gemacht, was realistisch drin ist für ihn als Formel-1-Neuling bei Haas: Er hat den Teamkollegen alt aussehen lassen, im Qualifying einen Glanzpunkt gesetzt und auch im Rennen überzeugt. Das ist gute Werbung in eigener Sache. Und sehr viel mehr geht nicht.

Es gibt also gute Gründe dafür, dass Schumacher nach dem Türkei-Grand-Prix eine sehr ruhige Nacht verbracht hat.

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Und wer nach dem Rennen in Istanbul gar nicht gut geschlafen hat? Das erfahren Sie wie immer in der Schwesterkolumne auf Motorsport-Total.com, dieses Mal geschrieben von Norman Fischer. Hier gehts zum Artikel!

Ihr
Stefan Ehlen

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