Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Toto Wolff

Warum Toto Wolff und Mercedes beim Spanien-Grand-Prix in Barcelona die großen Sieger waren und warum der nächste WM-Sieg fast nur noch Formsache ist

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Toto Wolff

Liebe Leser,

nach Punkten ist es nicht der beste Saisonstart von Mercedes in der Formel 1. Den hatte das Team 2019 mit vier Doppelsiegen in vier Rennen. Toto Wolff wird nach dem Spanien-Grand-Prix 2021 in Barcelona trotzdem eine sehr ruhige Nacht verbracht haben. Hier sind zehn Gründe, warum ihm das Einschlafen nicht schwergefallen sein dürfte.

Erstens: Es läuft für Mercedes. Drei Siege in vier Rennen unterstreichen den Anspruch der Sternmarke, auch in diesem Jahr um den Titel fahren zu wollen. Und nach nur vier Rennen ist klar, dass der WM-Erfolg nur über Mercedes führen wird.

Zweitens: Lewis Hamilton fährt so gut wie eh und je, bringt seine Leistung auf den Punkt und seine Gegner ins Schwitzen. Und selbst, wenn es – wie in Imola – einmal nicht perfekt läuft, holt er noch das für ihn Maximale raus. Zwar in diesem Fall auch mit Glück, ja, aber auch mit einer sonst fehlerlosen Vorstellung.

Dazu kommt: Besser als mit drei Siegen und einem zweiten Platz in vier Rennen ist Hamilton nie in eine Formel-1-Saison gestartet. So erfolgreich war er schon 2015 gewesen, und damals gewann er anschließend souverän den Titel. Die Vorzeichen stehen also gut.

Drittens: Die Unsicherheiten des Testwinters hat Mercedes binnen weniger Wochen abgeschüttelt. Das nervöse Heck des W12? Schnee von gestern! Spätestens der Spanien-Grand-Prix hat gezeigt: Der Mercedes ist wieder das Maß der Dinge in der Formel 1, das kompletteste Auto in der Startaufstellung, trotz der Regeländerungen zur Saison 2021.

 

Viertens: Der Circuit de Barcelona-Catalunya gilt als Gradmesser für die Qualität der Formel-1-Autos. Eine Faustregel lautet: Wer in Barcelona gut ist, der ist das auch überall sonst. Mercedes hatte dort sowohl über eine schnelle Runde als auch über die Renndistanz den besten Speed. Also kein Grund zur Sorge.

Fünftens: Der W12 läuft und ist schnell – schneller als der Red Bull RB16B. Will Red Bull eine echte Chance haben, muss es nachlegen. Laut Helmut Marko kommen mindestens bis zur Sommerpause neue Teile, der Aufwand ist groß. Mercedes dagegen braucht "nur" Schritt zu halten bei der Entwicklung, kann also vermeintlich mehr für 2022 tun.

Sechstens: Strategisch ist Mercedes weiterhin Klassenbester in der Formel 1. Unter der Regie von James Vowles trifft das Team hier beständig die richtigen Entscheidungen, die Hamilton auf der Strecke hervorragend umsetzt. Diese Zusammenarbeit sitzt perfekt. Kein anderes Team hat eine so gute Trefferquote.

Siebtens: Auch wenn Valtteri Bottas in Barcelona Hamilton nur widerwillig hat überholen lassen, seine Position im Team ist glasklar – die des Flügelmanns für Hamilton. Mehr wird es auch 2021 nicht werden. Bottas ist ein bequemer Teamkollege und Teamplayer, der – Stand jetzt – auch genug Punkte holt, damit Mercedes weiter die Nummer eins bleibt.

Perfektes Teamwork: Bei Mercedes passt 2021 wieder alles zusammen

Perfektes Teamwork: Bei Mercedes passt 2021 wieder alles zusammen

Foto: Glenn Dunbar / Motorsport Images

Achtens: Hamilton sammelt Rekorde und Meilensteine wie am Fließband. 100 Polepositions, 98 Siege – beides ist nie dagewesen in der Formel 1. Und von dieser Außenwirkung profitiert auch Mercedes entscheidend, schließlich hat er jeden einzelnen dieser Erfolge mit Mercedes-Antrieben erzielt. Einen besseren Werbeträger gibt es nicht.

Neuntens: Die Aussichten auf den historischen achten WM-Titelgewinn von Hamilton sind gut. Er mag Michael Schumacher in vielen Wertungen bereits übertroffen haben, aber erst mit dem achten Titel tritt vollständig aus dessen langen Schatten heraus. Und damit glänzt auch der Mercedes-Stern noch einmal viel heller, ob dieser einmaligen Karriereleistung.

Zehntens: Vertraglich fixiert ist es noch nicht, aber Fahrer und Team sind sich praktisch einig, dass Hamilton auch 2022 für Mercedes fahren wird. Das schafft Planungssicherheit und lässt keine Unruhe aufkommen. Beide Seiten können sich voll und ganz auf das Racing konzentrieren, ohne störende Nebengeräusche.

All das spricht für eine angenehme Nachtruhe bei Toto Wolff. In der Theorie. Denn wirklich gut kann seine Nacht gar nicht gewesen sein: Teil seines Führungsstils ist, nie zufrieden zu sein, alles ständig neu zu hinterfragen und kritisch zu beäugen, bloß nichts zu übersehen. Da kreisen die Gedanken wohl selbst nach dem dritten Sieg im vierten Rennen noch lange.

Ich glaube trotzdem: Er war und ist zufrieden mit dem Stand der Dinge. Und deshalb hat er sehr gut geschlafen. Ich an seiner Stelle würde es tun. Anders als der Protagonist in der Schwesterkolumne, die mein Kollege Christian Nimmervoll für Motorsport-Total.com verfasst hat.

Nicht verpassen: "Letzte Nacht" am Montag um 19 Uhr!

Sie denken ähnlich? Oder ganz anders? Dann lassen Sie uns darüber reden: Folgen Sie mir gerne auf Facebook und/oder Twitter, wo ich diese Kolumne – und weitere aktuelle und historische Themen aus der Formel 1 und dem Motorsport allgemein – gerne mit ihnen diskutiere. Schreiben Sie mir!

Und nicht vergessen: Um 19:00 Uhr analysieren Christian Nimmervoll und ich auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de den Spanien-Grand-Prix noch einmal ausführlich. Wir sprechen natürlich über unsere "Letzte-Nacht"-Kolumnen, aber auch über alles weitere, was dieses Formel-1-Rennen ausgemacht hat. Also: gerne einschalten und live dabei sein!

Ihr
Stefan Ehlen

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