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Racing Point: Wie der "rosa Mercedes" weiterentwickelt wurde

Formel-1-Experte Giorgio Piola zeigt auf, wie Racing Point seinen "rosa Mercedes" in der Motorsport-Saison 2020 eigenständig weiterentwickelt hat

Racing Point: Wie der "rosa Mercedes" weiterentwickelt wurde

Der "rosa Mercedes" hat in der Formel-1-Saison 2020 mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Doch die Kopie des Mercedes W10 aus dem Vorjahr wird immer mehr ein Eigenprodukt von Racing Point. Das zeigt die Entwicklung des Teams am RP20, der zuletzt ein umfangreiches Update erfahren hat.

Da ist zum Beispiel der Frontflügel: Es ist das erste Fahrzeugteil im Fahrtwind und damit maßgeblich für die aerodynamische Gesamtleistung des Rennautos. Und bereits hier geht Racing Point einen eigenen Weg und setzt nicht auf einen 1:1-Nachbau der Mercedes-Lösung.

Racing Point RP20, Frontflügel

Der aktuelle Frontflügel am Racing Point RP20 mit der Kante auf der Bodenplatte

Foto: Giorgio Piola

So hat Racing Point die Bodenplatte der seitlichen Endplatte mit einer senkrechten und nach außen gebogenen Kante versehen. Damit nimmt das Team Einfluss auf den am Frontflügel entstehen Luftstrom und wie dieser auf die Vorderräder trifft.

Worin sich RP20 und W10 jetzt unterscheiden

In den Grundzügen war diese Lösung bereits am Mercedes W10 zu sehen gewesen, allerdings weniger stark ausgeprägt: Der Vorjahres-Mercedes verfügte im Vergleich zum aktuellen Racing Point über eine kürzere Bodenplatte und über eine kleinere Kante. Auch Renault hat den Außenbereich des Frontflügels nun in dieser Form gestaltet.

Die entscheidende Neuerung am Racing Point RP20 und der derzeit größte Unterschied zum Mercedes W10 aber zeigt sich anhand des Mugello-Updates: Dabei hat Racing Point die Seitenkästen des Fahrzeugs komplett überarbeitet.

Racing Point RP20, Seitenkasten

Die Seitenkasten-Konstruktion von Racing Point seit dem Mugello-Update

Foto: Giorgio Piola

Mercedes setzt in diesem Bereich auf betont weiche Konturen an seinen Formel-1-Autos und geschwungene Linien. Das RP20-Update geht einen anderen Weg und wirkt deutlich kantiger: Die Seitenkästen fallen in gerader Linie vom Lufteinlass aus fast eben zum Unterboden hin ab.

Update-Zeitplan gerät durcheinander

Diese Designrichtung erinnert an die Coanda-Auspuff-Lösung aus der Formel-1-Saison 2012, wie sie damals zum Beispiel McLaren verwendet hat. Racing Point nutzt diese Form, um die Kühler in den Seitenkästen noch kompakter einzubauen und größere Teile des Unterbodens freizulegen.

Eine solche Entwicklung braucht ihre Zeit, bis sie final definiert, produziert und verstanden ist. Und dann fliegt Lance Stroll beim ersten Einsatz der Neuteile in Mugello im Rennen unverschuldet ab und zerstört die Neuerungen.

Das hat den Zeitplan von Racing Point durcheinander gebracht: Erst zwei Rennen später am Nürburgring war das Team dazu in der Lage, beide Fahrzeuge mit dem kompletten Seitenkasten-Update auszustatten.

Aufstrebende Form bei Racing Point

Dass Racing Point mit dieser Entwicklung auf dem richtigen Weg zu sein scheint, das zeigen vor allem die jüngsten Ergebnisse von Sergio Perez, der jetzt den vierten Platz in der Formel-1-Fahrerwertung belegt, sowie die Pole-Position von Stroll in Istanbul mit anschließenden Führungsrunden im Rennen.

Nach 14 von 17 Rennen in der Formel-1-Saison 2020 belegt Racing Point den dritten Platz in der Konstrukteurswertung.

Weitere Co-Autoren: M. Somerfield. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Rennserie Formel 1
Autor Stefan Ehlen