Wieso Honda in dieser Formel-1-Saison größere Risiken eingeht

Fernando Alonso sagte vor Kurzem, dass sich Hondas Fortschritte nicht bei den guten Ergebnissen in den letzten Rennen gezeigt haben, sondern auf Strecken wie Singapur am kommenden Wochenende sichtbar würden.

Der Spanier deutete an, dass sein Team das Potenzial für den Platz hinter Red Bull Racing habe, und es ist sicher einigen Leuten aufgefallen, wie weit Honda in den vergangenen 12 Monaten gekommen ist.

Nach einem enttäuschenden ersten Jahr des japanischen Automobilhersteller nach seiner Rückkehr in die Formel 1 hat sich vieles verbessert, obwohl Honda immer noch nicht auf einem Niveau ist, das seine Chefs vollkommen zufriedenstellt.

Was hat sich geändert hat, ist aber der Glaube, dass die Grundlagen für eine viel bessere Zukunft gelegt sind, an den Schwachpunkten wurde gearbeitet, die Beziehung zu McLaren hat sich deutlich verbessert und das Potenzial für völlig neue Designkonzepte des 2017er-Motors besteht.

Eine Sache sagt vielleicht mehr als alles darüber aus, wie Hondas Einstellung und inneres Vertrauen zu einem Verständnis dessen geworden ist, was getan werden muss, um in der Formel 1 mitkämpfen zu können.

Es ist, dass man sich nicht mehr damit zufriedengibt, sich zurückzulehnen und aus Angst, das Gesicht zu verlieren, auf Nummer sicher geht. Stattdessen ist man bereit, auf der Suche nach Leistung Risiken einzugehen.

Der Projektleiter des Honda Formel-1-Teams, Yusuke Hasegawa, erklärt, dass die jüngsten Zuverlässigkeitsprobleme nicht auf Konstruktions- oder Fabrikationsfehler zurückzuführen waren, sondern darauf, dass man auf der Suche nach Leistung die Grenzen weiter hinausgeschoben hat.

"Vielleicht kann ich es erklären," sagt er auf die Frage, wieso Hondas Zuverlässigkeit in letzter Zeit gelitten habe.

"Bei den Wintertests, dachten wir, die Leistung unseres Autos sei gut genug für Punkteränge. Also habe ich beschlossen, die Saison mit sehr marginalen [Performance] Einstellungen zu beginnen, damit die Zuverlässigkeit oberste Priorität für uns haben würde."

"Nach dem Grand Prix von China, den wir auf den Plätzen 12 und 13 beendet haben und wo alle ins Ziel gekommen sind, war mir klar, dass es uns nirgendwo hinbringen würde, die Rennen nur zu beenden. Also mussten wir ein paar Risiken eingehen."

"Ab Russland begannen wir mit höheren Zünd- und Performance-Einstellungen und das hing direkt mit einigen Motorproblemen zusammen. Aber wir wussten, dass wir Risiken eingehen mussten."

"Das brachte leider weitere Probleme mit sich und in Spa war es das Gleiche. Wir brauchten mehr Leistung, weshalb wir in Spa auch den neuen Spec-3-Motor brachten, aber wir hatten keine zeit, ihn abzustimmen und zu prüfen. Deshalb hatten wir in Spa und Monza auch jede Menge Probleme. Wir müssen das aber tun."

Es kommt noch mehr

Nach 2015 war es offensichtlich dass Honda sich gewaltig verbessern und auch realistischer sein musste, was das kurzfristig Mögliche betraf.

Das vor der Saison gesteckte Ziel, regelmäßig Q3 zu erreichen und Punkte zu holen, ist beinahe erreicht und Hasegawa bestätigt die Aussage von Toro-Rosso-Pilot Carlos Sainz, dass der Rückstand auf den Ferrari-Motor in diesem Jahr halbiert worden sei.

"Ja, das glaube ich", sagte er. "Das ist aber natürlich, weil wir von weit hinten gestartet sind."

"Wir mussten aber auch schneller als andere Teams aufholen. Im Verhältnis haben wir also viel Leistung gewonnen, je näher wir aber kommen, desto schwieriger wird es, noch näher heranzukommen."

Hasegawa glaubt nicht, dass er Hondas Erfolgsbilanz in diesem Jahr verbessert habe, da er glaubt, dass die Anstrengungen des vergangenen Jahres von der mangelnden Zuverlässigkeit überschattet wurden.

"Letztes Jahr war es sehr schwierig, den Forstschritt zu messen, weil die Zuverlässigkeit das größte Problem darstellte. Sie konnten auch nicht regelmäßig Punkte holen und daher war es schwierig, den Fortschritt zu sehen."

"Aus Sicht des Motors haben sie ihre Leistung aber verbessert. Von da an gab es im Verhältnis der Performancesteigerung keinen großen Unterschied. Ich denke, wir können stolz sein, das gleiche Level an Verbesserungen von letztem Jahr in dieses mit herüberzunehmen."

Was sich geändert hat

Eine der größten Veränderungen vom vergangenen Jahr zu diesem ist das engere Verhältnis zu McLaren.

2015 gab es mitunter Spannungen, da die beiden Unternehmen Schwierigkeiten hatten zu verstehen, was der andere wollte und wie man am besten zusammenarbeitet.

Jetzt funktionieren die Kommunikationskanäle gut, Rennleiter Eric Boullier hat es sich zur Aufgabe gemacht, regelmäßig nach Japan zu fliegen, um sich über die Fortschritte zu informieren.

Honda hat es im Gegenzug akzeptiert, dass eine gelegentliche Bitte um Hilfe kein Zeichen von Schwäche ist, sondern vielmehr ein Zeichen, dass man Erfolg haben will.

"Ich denke, das Verhältnis wird immer besser, aber das ist auch normal, da es das zweite Jahr ist", sagte Hasegawa. "Daher können wir einiges ihrer Technologie für uns übernehmen."

"Eines davon ist die Airbox – wir haben sie gebeten, sie zu entwerfen und zu bauen. Sie haben eine riesige, gute Fabrik zur Karbonherstellung, also ergibt es Sinn, sie zu fragen."

"Ich weiß nicht genau, was sie letztes Jahr gemacht haben, aber wir haben beschlossen, eng zusammen zu arbeiten und ich denke, es klappt. Wir sprechen oft als Team. Es gibt keine Grenze, die McLaren und Honda trennt."

Neubeginn 2017

Bezüglich des Motors gibt es im Laufe dieser Saison zwar wenig Spielraum für Verbesserungen und wahrscheinlich nur noch ein Upgrade, daher wird es interessant, wie unterschiedlich das Projekt für 2017 sein wird.

Der Spielraum für radikale Änderungen ist größer, da sich die Motorenhersteller darauf geeinigt haben, das Token-System und die festgeschriebenen Bereiche der Blackboxen abzuschaffen, die seit 2014 existierten.

Hasegawa gibt nicht sehr viel preis, woran Honda aktuell arbeitet, er macht aber klar, dass der Hauptfokus auf dem internen Verbrennungsmotor liegt.

"Für nächstes Jahr können wir den Motor ohne die Tokens innerhalb des Reglements komplett neu entwerfen. Also haben wir bei unserer Verbrennungskammer und dem Paket bei Null angefangen", sagte er. "Die Verbrennung und der ICE werden sich am meisten unterscheiden."

Renault und Ferrari verdanken einen großen Teil ihres Erfolgs der Tatsache, dass sie Jet-Technologie übernommen haben, die Mercedes in der Hybrid-Ära zu so großem Erfolg verholfen hat. Gerüchten zufolge soll Honda gemeinsam mit ExxonMobil sei einiger Zeit an einem ähnlichen Konzept für 2017 arbeiten.

Hasegawa wollte das weder bestätigen noch verneinen.

"Ich werde darüber nichts sagen, denn es ist ein Schlüsselbereich", sagte er. "Natürlich erforschen wir jede Möglichkeit, aber ich werde nicht genau sagen, was wir einführen werden."

Und was ist mit dem berühmt-berüchtigten "Größe-Null"-Konzept eines sehr kleinen Pakets?

"Wir können das komplette Paket momentan nicht preisgeben, aber den Namen des Motors – der "Size Ze!ro" – alle Motoren müssen als Paket kleiner sein. Also wollen wir den Namen "Size Zero" nicht aufgeben. Aber wir werden natürlich ein neues Paket schnüren."

"Es ist aber schwierig zu sagen, was anders sein wird... wir haben einige Gebiete verändert, es ist aber schwierig zu sagen, da es ein komplett anderer Motor sein wird."

Hasegawa macht den Eindruck, dass das Honda-Formel-1-Programm gut auf die vor ihm liegenden Kämpfe vorbereitet ist. Er will aber noch keine Versprechen abgeben, was man 2017 erwarten kann.

Auf die Frage, ob man sagen könne, dass Honda bezüglich des Potenzials für 2017 zuversichtlich sei, sagte er: "Es ist schwierig. Wenn es so wäre, würde ich es sehr gerne sagen, ich bin aber nicht sicher."

In der Formel 1 ist es immer besser, den Ball flach zu halten und besser abzuliefern. Hasegawa will Risiken momentan nur auf der Strecke eingehen.

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