Williams-CEO: Wenn einer dominiert, soll er halt dominieren!

Williams-Geschäftsführer Jost Capito ist gegen künstliche Eingriffe in die Formel 1 und sieht nichts Schlimmes daran, wenn ein Team jahrelang dominiert

Williams-CEO: Wenn einer dominiert, soll er halt dominieren!

McLaren-Teamchef Andreas Seidl findet, dass sich die Formel 1 vor Neuerungen nicht grundsätzlich verschließen darf. Aus diesem Grund befürwortet er auch die geplante Einführung von Sprintrennen als Qualifikation bei einigen Grand-Prix-Wochenenden. "Ich glaube, es ist einfach wert, diesen Versuch zu machen, um einzelne Rennwochenenden noch etwas aufzuwerten und jeden Tag ein Highlight zu haben", sagt er gegenüber 'RTL'.

Mit den aktuellen Details sei man einverstanden und unterstütze diese auch. Anders sah das zuvor bei anderen Vorschlägen aus. Vor allem das alternative System mit Reverse-Grid-Rennen kam bei vielen Beteiligten nicht gut an. Der Konsens war klar: Ein solches System wäre ein zu künstlicher Eingriff in den Sport.

"Für uns ist einfach wichtig - und das haben wir immer klar so kommuniziert -, dass Experimente mit dem Format am Wochenende nicht dahin gehen, dass sich die Reihenfolge zwischen den Team künstlich verändert", sagt Seidl. "Reverse-Grid war ganz klar eine Idee, die wir definitiv nicht unterstützt haben."

Capito: Fans wollen keinen künstlichen Eingriff

Ähnlich sieht es auch der neue Williams-Geschäftsführer Jost Capito, obwohl sein Team wohl der größte Profiteur von umgekehrten Startaufstellungen wäre. Doch er sagt: "Die Formel 1 sollte attraktiv sein, weil sie ein attraktiver Sport ist, und nicht, weil sie ein Glücksspiel ist", stellt er klar.

"An der Formel 1 mag ich wirklich, dass sie ein reiner Sport ist. Und sie sollte ein reiner Sport bleiben, ohne sie künstlich interessant zu machen. Ich glaube nicht, dass es das ist, was die Fans sehen wollen", so der Deutsche.

Die Diskussionen waren in den vergangenen Jahren aufgekommen, weil mit Mercedes ein Team die Formel 1 seit sieben Jahren dominiert. Diesen Umstand findet Capito allerdings nicht schlimm: "Wenn jemand jahrelang dominiert, dann dominiert er jahrelang, weil er der Beste ist", sagt der Williams-Chef und fühlt sich an seine Zeit bei Volkswagen zurückerinnert.

Konter auf Jean Todts "Vorwurf"

Unter seiner Ägide dominierte der deutsche Hersteller die Rallye-Weltmeisterschaft und fuhr mit Sebastian Ogier von 2013 bis 2016 vier Titel in Folge ein, bevor man aus der WRC ausstieg. Er erinnert sich: "Jean Todt kam bei einer Rallye zu mir und sagte: 'Hey Jost, ihr gewinnt zu viel.' Ich sagte zu ihm: 'Geh mal zu den anderen und sag ihnen, dass sie zu viel verlieren.'"

Seiner Meinung nach sollte man niemanden dafür beschuldigen, dass er die beste Leistung bringt. Daher sollte es im Motorsport - und vor allem in der Formel 1 - keine Balance of Performance oder einen sonstigen künstlichen Eingriff geben.

"Wer die beste Leistung abliefert, sollte gewinnen. Und wenn sie zehn Jahre lang gewinnen, gewinnen sie halt zehn Jahre lang", so Capito. "Dann müssen alle anderen halt aufholen und eine bessere Leistung zeigen."

Aero-Handicap sorgt für etwas Ausgleich

Doch wie steht der neue Williams-Geschäftsführer dann zum neuen Aerodynamik-Handicap, das seinen Rennstall durch den letzten Platz in der Konstrukteurs-WM mit der meisten Windkanalzeit belohnt?

"Ich denke, man muss auf die aktuelle Situation schauen, in der sich die Formel 1 gerade befindet", sagt er und verweist auf die ungleichen Voraussetzungen, die sich vor der Budgetgrenze zwischen reichen und weniger reichen Teams ergeben haben. "Es muss jetzt eine Phase geben, in der sich wieder alle angleichen", findet er.

"Da geht es im Moment um mehr als eine Budgetgrenze. Man kann etwas über eine gewisse Zeit machen, um alles wieder enger beisammen zu haben. Aber wenn es dann wieder eng zusammen ist, dann kann man diese Maßnahmen wieder abschaffen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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