"Zurück im Geschäft": Hamilton nah dran an der Wohlfühl-Oase

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Norman Fischer
Autor: Norman Fischer
13.05.2018, 17:44

Mercedes hat in Barcelona den ersten verdienten Sieg eingefahren, was Lewis Hamiltons Stimmung wieder deutlich ins Positive umschwenken lässt

Race winner Lewis Hamilton, Mercedes-AMG F1 W09 crosses the line
Bonnington, Mercedes AMG F1 Race Engineer, Valtteri Bottas, Mercedes-AMG F1, Lewis Hamilton, Mercedes-AMG F1 and Max Verstappen, Red Bull Racing on the podium
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09, takes the chequered flag at the finish
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, celebrates victory on the podium with Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09, celebrates victory in parc ferme
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, celebrates victory in parc ferme
Start: Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09, leads Sebastian Vettel, Ferrari SF71H, Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 W09, Kimi Raikkonen, Ferrari SF71H, Max Verstappen, Red Bull Racing RB14 and the rest of the pack
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, raises his trophy in celebration on the podium
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 and Max Verstappen, Red Bull Racing, celebrate on the podium in front of fans
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09, celebrates victory in parc ferme
The safety car leads Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09, Sebastian Vettel, Ferrari SF71H and Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 W09
Kevin Magnussen, Haas F1 Team VF-18, Sebastian Vettel, Ferrari SF71H and Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 W09
Victor Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, sprays champagne on the podium
Toto Wolff, Executive Director (Business), Mercedes AMG, Niki Lauda, Non-Executive Chairman, Mercedes AMG, Dr Dieter Zetsche, CEO, Mercedes Benz, and others celebrate after their drivers secure the front row

"Es fühlt sich so an, als seien wir wieder zurück im Geschäft", freut sich Motorsportchef Toto Wolff. Sein Mercedes-Team hat sich beim Rennen in Spanien eindrucksvoll zurückgemeldet und den ersten Doppelsieg der aktuellen Formel-1-Saison geholt. Lewis Hamilton feierte in Barcelona den zweiten Sieg in Folge vor Teamkollege Valtteri Bottas und rückte die Welt für die Silberpfeile damit wieder gerade.

Denn kam der Sieg in Baku vor allem durch glückliche Umstände zustande, war am Erfolg am heutigen Sonntag nicht zu rütteln. Der Weltmeister führte - mit einer kurzen Ausnahme - jede Runde des Rennens an und hatte im Ziel schließlich mehr als 20 Sekunden Vorsprung. "Ich habe mich heute wirklich gut gefühlt. Ich weiß nicht, wie es von außen aussah, aber es hat sich besonders, es hat sich stark angefühlt", freut Hamilton sich.

Vor dem Wochenende war Mercedes eher mit einem mulmigen Gefühl angereist. Der Rennstall war als Favorit in die Saison gegangen, doch vor allem Ferrari schien den Silberpfeilen den Rang abgelaufen zu haben. Im Qualifying am Samstag konnte man die Kräfteverhältnisse wieder geraderücken, doch über dem Sonntag schwebten noch Fragezeichen, weil der Longrun im Training nicht berauschend aussah.

Hamilton von Pace überrascht

Zudem wusste man nicht, wie sich die Strecke und das Wetter heute entwickeln würden. "Die Temperaturen spielten verrückt, Wolken kamen und wir wussten nicht, ob es regnen wird oder nicht", erzählt Hamilton. Auch der Start sei für ihn in den vergangenen Jahren immer ein Problem hier gewesen, doch als er diesen erfolgreich umgesetzt hatte, wurde es bei Mercedes entspannter.

"Ich war überrascht, dass niemand die Pace hatte, um mit mir mitzuhalten", beschreibt Hamilton die folgenden Runden, in denen Sebastian Vettel hinter ihm nicht herankam. "Ich konnte fast eine Sekunde pro Runde wegziehen und dachte: 'Yes, lasst uns das beibehalten.' So blieb es für den Rest des Rennens." Und selbst der sonst so überskeptische Toto Wolff fing an, den Sieg kommen zu sehen: "Es war für den Lewis ein kontrolliertes Rennen", sagt er.

Zweifel am Sieg habe er keine gehabt, auch wenn er zugibt, dass man doch immer mit einem Reifenschaden, einem Defekt oder dem Safety-Car rechnen muss - und das hat Mercedes ja schon in Australien und China den vermeintlichen Sieg weggeschnappt. "Wir sind alles gewöhnt", lacht der Österreicher.

Bottas kämpft mit Bremsplatten

Entspannt war das Rennen für die Mercedes-Crew trotzdem nicht, weil man sich vor allem Sorgen um Valtteri Bottas machte. Der Finne hatte den Start gegen Sebastian Vettel verloren und fuhr lange Zeit hinter dem Deutschen her. Weil Mercedes beim Boxenstopp mit 3,9 Sekunden zu lange brauchte, kam er auch mit einem Overcut nicht am Ferrari-Piloten dabei. Zudem fing er sich einen Bremsplatten ein, der Mercedes zittern ließ.

Fotos: Die Formel 1 in Barcelona

"Wir wussten nicht, ob wir ihn reinholen sollten oder nicht", erklärt Wolff. Die Silberpfeile zockten und ließen Bottas auf seinen Mediums draußen. Ferrari holte derweil Vettel unter dem Virtuellen Safety-Car zum zweiten Reifenwechsel - ein Fehler. Vettel fiel am Ende auf den vierten Rang zurück, während Bottas kampflos Platz zwei erbte und auch behielt. "Das war die richtige Entscheidung", lobt er sein Team.

Zwar ist er überzeugt, dass er Vettel auch auf der Strecke hätte schlagen können, doch der Finne gibt zu, dass er am Ende große Probleme mit den Reifen hatte. "Wir mussten die Reifen enorm managen", sagt er. "Vor dem Rennen haben wir erwartet, dass ein Stopp nicht möglich sein würde - zumindest nicht schnell."

Hamilton kommt in den Groove

Mit dem zweiten Platz hinter seinem Teamkollegen kann er sich heute anfreunden. Zwar wäre der Racer in ihm lieber Erster geworden, doch er kann anerkennen, dass heute nicht mehr drin war. Und wenn er Zweiter hinter seinem Stallgefährten wird, dann heißt das, dass das Team gewonnen hat und wieder auf Kurs ist. "Das bedeutet, dass wir als Team stark sind und die Ergebnisse holen, die wir wollen", nickt er.

Auf jeden Fall ist die Freude bei den Silberpfeilen heute groß. "Eins und zwei ist super", strahlt Motorsportchef Wolff. Doch vor allem Lewis Hamilton ist glücklich. Vor dem Wochenende sagte er noch, dass er sich nicht wie der WM-Führende fühle, weil man noch keinen verdienten Sieg herausgefahren habe. Doch heute ist für ihn genau das passiert. "Die Jungs in der Fabrik und hier haben so hart gearbeitet, und es ist schön zu sehen", strahlt er.

Damit fühlt auch er sich so langsam in seiner Komfortzone angekommen. Heute sei er so nah dran gewesen, wie in der ganzen Saison noch nicht, auch wenn es immer noch Bereiche gebe, in denen er sich verbessern müsse. "Je wohler ich mich fühle, desto mehr sieht man es an der Pace", betont er. Doch heute ist erst einmal Erleichterung angesagt: "Ja, auf jeden Fall", sagt Wolff. "Eins und zwei hatten wir schon lange nicht mehr."

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