Teamchef schildert Angst um Sophia Flörsch nach Macau-Crash

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Teamchef schildert Angst um Sophia Flörsch nach Macau-Crash
Autor: Casper Bekking
Co-Autor: Mario Fritzsche
20.11.2018, 15:53

Wie Frits van Amersfoort am Sonntag in Macau die bangen Minuten nach dem Horrorcrash von Sophia Flörsch erlebte und welche Rückschlüsse er zieht

Sophia Flörsch hat ihren Horrorunfall vom Sonntag beim Formel-3-Grand-Prix von Macau den Umständen entsprechend glimpflich überstanden. Die 17-jährige Deutsche wurde in einem örtlichen Krankenhaus insgesamt elf Stunden lang operiert und hat im Anschluss daran am Dienstag via Social Media ein weiteres Update zu ihrem Gesundheitszustand herausgegeben.

Flörsch wird demnach "ein paar weitere Tage in Macau bleiben" müssen, bevor sie in ein Flugzeug steigen kann. Für ihren Teamchef Frits van Amersfoort waren die Minuten der Ungewissheit direkt nach dem Unfall am Sonntag die Hölle, wie er nun ausführlich darlegt.   

"Das Schlimmste waren die 20 Minuten, in denen wir gar nichts wussten. Das werde ich nie vergessen", sagt van Amersfoort im Gespräch mit 'Motorsport.com' und schildert: "Es war bizarr, denn während du auf Informationen von der Rennleitung wartest, kommen schon Nachrichten und Videos auf deinem Handy an. Das verstärkt deine Sorgen sogar noch und diese Erfahrung war neu für mich."

Fotostrecke: Der Unfall von Sophia Flörsch in Macau

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Was van Amersfoort damit anspricht: In der Live-Übertragung im Fernsehen gab es kaum Informationen, abgesehen von einer ganz kurzen Live-Sequenz, wie ein Rennwagen im Bildhintergrund mit unglaublicher Geschwindigkeit in den Fangzaun der Lisboa-Kurve fliegt, sowie einer kurzen Aufnahme der Unfallstelle mit dem Wrack im Fangzaun hängend. Konkrete Informationen darüber, wer verunfallt war, gab es aber nicht. Erst die auf Social Media geposteten Videos von Zuschauern an der Strecke vermittelten einen Eindruck dessen, was passiert war machten rückblickend deutlich, welches Glück alle Beteiligten hatten.

"Als Teamchef kann ich mich glücklich schätzen, dass ich solch schwere Unfälle bislang nicht erlebt habe. Nach diesem Unfall war das einzige, woran ich denke konnte: Wie geht es Sophia", sagt van Amersfoort und erinnert sich weiter: "Als wir wussten, dass keine Lebensgefahr mehr besteht, gingen wir über zur Analyse dessen, was passiert war."

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Van Amerfoorts Sorge in den ersten Momenten der Unfallanalyse war, dass ein technischer Defekt am Auto oder gar ein Mechanikerfehler den Crash ausgelöst haben könnten. "Anfangs gab es Gerüchte, dass die Bremsen nicht funktioniert hätten. Da zweifelst du dann natürlich an dir selber", sagt der erfahrene Teamchef, um anzufügen: "Schritt für Schritt erfuhren wir dann, was passiert war. Manchmal kann man Social Media verachten, aber in diesem Fall haben wir auf diese Weise viel erfahren, was wir anderenfalls nicht erfahren hätten."

Wie van Amersfoort anmerkt, werden die Onboard-Aufnahmen von Flörsch sowie von anderen Piloten, die kurz vor dem Unfall in ihrer Nähe fuhren, seitens der FIA unter Verschluss gehalten. "Deshalb erwarten wir von dieser Seite keine große Hilfe. Nachdem wir jetzt aber wissen, was genau passiert ist, können wir nur einen Rückschluss ziehen: Gott sei Dank hatten alle einen Engel auf ihren Schultern sitzen. Das Ganze hätte so viel schlimmer ausgehen können."

Callum Ilott, SJM Theodore Racing by Prema, Dallara Mercedes
Mick Schumacher, SJM Theodore Racing by PREMA

Mit Blick auf die hier im direkten Vergleich dargestellte Veränderung der Randsteine in der Lisboa-Kurve merkt van Amersfoort an: "Wäre dieser Unfall im vergangenen Jahr passiert, weiß ich nicht, wie er ausgegangen wäre." Und so regt der Niederländer ähnliche Veränderungen auch für andere Stadtkurse an. Denn von einem Macau-spezifischen Unfall will van Amersfoort nicht sprechen.

"Wenn wir nächstes Jahr nach Macau zurückkehren, werde ich ein wenig besorgt sein. Dieser Unfall könnte aber auch überall anderswo passieren. Wir fahren auch in Pau und die Formel 1 fährt auf einer ganzen Reihe von Stadtkursen. Dass Macau eine besondere Strecke ist, weiß jeder. Der Widerspruch besteht darin, dass die Gefahr allen bewusst ist, die meisten Fahrer aber trotzdem davon sprechen, dass Macau die schönste Strecke der Welt sei. Das zeigt, wie seltsam das manchmal ist", so van Amersfoort. 

 
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