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Kolumne von Louis Delétraz: "Keine Punkte, aber viele offene Fragen"

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Kolumne von Louis Delétraz:
Autor: Louis Déletraz
17.09.2018, 10:05

In seiner neuen Kolumne für Motorsport.com Schweiz blickt der Pilot aus Genf auf die letzten beiden Rennwochenenden der Formel 2 in Spa-Francorchamps und Monza zurück, bei denen er punktelos blieb.

Louis Deletraz, Charouz Racing System,Nyck De Vries, PREMA Racing
Arjun Maini, Trident, Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System, Alessio Lorandi, Trident
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System, Roy Nissany, Campos Racing
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Nyck De Vries, PREMA Racing, Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Arjun Maini, Trident, Louis Deletraz, Charouz Racing System

Liebe Leser, die letzten beiden Wochenenden verliefen für mich nicht überragend. Es ist sehr enttäuschend, dass ich nach einer wirklich soliden Phase zu Saisonmitte nun zwei Mal in Serie nicht einen einzigen Punkt nach Hause nehmen konnte. Wir haben wohl eine Menge Arbeit vor uns, um die Ursachen für diese Schlappe zu verstehen.

Im Qualifying waren wir zwei Mal in den Top 10 – als Neunter in Belgien und als Zehnter in Italien. Das war zwar nicht schlecht, entspricht aber nicht unserem Ziel, den Top 5. In Belgien fehlte es uns vor allem an Top-Speed, und deswegen verloren wir viel Zeit im ersten Sektor, wo es mehr oder weniger nur eine Kurve gibt. Wir beschlossen, das Wochenende in Monza abzuwarten, um mehr darüber zu erfahren, anstatt einen neuen Motor zu fordern, doch leider bestätigte sich das Problem im sogenannten Temple of Speed. Das war natürlich ein ernsthaftes Handicap.

 

Das ist aber nicht die einzige Erklärung für unsere enttäuschenden Ergebnisse. Es war sehr kalt in den belgischen Ardennen und wir hatten Mühe, die Reifen zum Arbeiten zu bringen, vor allem am Samstag. Wir waren auf der Strategie Soft/Medium, verloren aber beinahe zwei Sekunden pro Runde mit den gelbmarkierten Reifen, da das Temperaturfenster der Pirelli-Reifen unheimlich schmal ist. Ich hatte enormes Untersteuern, und das lag nicht mal am Reifenabbau. Die Reifen funktionierten schlicht nicht. Ich verlor also einen Platz nach dem anderen. Mein Teamkollege Antonio Fuoco hatte dasselbe Problem, doch da es in der Formel 2 keine Temperatursensoren in den Reifen gibt, ist es nicht einfach, eine Lösung zu finden.

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Wir veränderten danach die Abstimmung für das Sprint-Rennen ... und hatten plötzlich eine verrückte Vorderachse, aber kein Heck mehr! Das zeigt, wie kritisch das Reifenmanagement ist. Oftmals sind es wenige Grad, die den Unterschied machen. In Monza, wo es viel wärmer war, hatten wir das Problem nämlich plötzlich nicht mehr.

 

Überraschender Besuch bei den Kommissaren

Kleine Anekdote am Rande: Nach dem Hauptrennen in Spa wurde ich zu meiner grossen Überraschung von den Kommissaren vorgeladen! Ein Safety Car hatte während des Rennens das Feld wieder zusammengeführt, und alle Piloten, die auf die Strategie Medium/Soft gesetzt hatten, waren auf neuen Reifen unterwegs. Im Gegensatz zu mir gehörte auch mein Teamkollege Antonio Fuoco dazu, also liess ich ihn in Rivage vorbei, da ich keinen Sinn darin sah, Widerstand zu leisten.

Dann startete Alessio Lorandi ein Ausbremsmanöver gegen Antonio – wir waren zu dritt nebeneinander – und die beiden berührten sich. Antonio drehte sich direkt vor mir und ich verlor eine Menge Zeit. Als ich nach dem Rennen aus meinem Auto kletterte, erklärte man mir, dass eine Untersuchung der Kommissare gegen mich laufe. Ich erklärte ihnen dann, dass sie sich den falschen Fahrer ausgesucht hätten und sie entschuldigten sich bei mir. Das war schon ziemlich witzig.

Das Problem war, dass im Fernsehen nur das Ende der Aktion gezeigt worden war, nämlich der Moment, als sich die beiden Charouz-Renner Nase zu Nase gegenüberstanden. In der Folge wurde ich von allen gefragt, was denn passiert sei und wie nun die Stimmung im Team sei, nachdem wir uns gegenseitig ins Auto gefahren seien!

 

In Monza bestätigte sich der fehlende Top-Speed und gerade auf dieser Strecke macht das einen massiven Unterschied. Das ist schade, denn wir hatten eigentlich eine gute Abstimmung gefunden und hatten das Reifenmanagement im Griff. Über weite Strecken des Rennens musste ich mich aber verteidigen, anstatt angreifen zu können. Beispielsweise versuchte ich aus dem Windschatten heraus mit offenem DRS Arjun Maini zu überholen, schaffte es aber nicht einmal, mich auf gleiche Höhe zu setzen. Nyck de Vries hingegen, der hinter mir lag, konnte mich locker angreifen.

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Im Hauptrennen hatte ich schon früh einen Zwischenfall mit Roy Nissany. Der Campos-Pilot startet momentan unheimlich gut – er hat bei den letzten vier Rennen in der ersten Runde insgesamt 17 Plätze gutgemacht – und das war in Monza nicht anders. In der zweiten Runde stieg er bei der Anfahrt zur Variante della Roggia allerdings sehr spät auf die Bremse, um innen an mir vorbeizugehen, doch er war viel zu spät dran, hob über die Randsteinen ab und beförderte mich ins Kiesbett, wobei ich mir den rechten Hinterreifen beschädigte. Das war auch der Grund dafür, wieso ich vom zehnten auf den neunzehnten Platz zurückfiel: Ich verlor 32 Sekunden und drehte lediglich 1:48er-Runden, während die Führenden 1:36er-Zeiten fuhren. Ich musste allerdings darauf warten, dass sich das Boxenstopp-Fenster öffnete. Danach waren die Top 10 längst ausser Reichweite.

 

Bei diesem Rennen sahen wir den erstaunlichen Sieg von Tadasuke Makino, der vom extremen Abbau der Supersoft-Reifen profitieren konnte, um innerhalb weniger Runden in Führung zu gehen. Wir erinnern uns, dass Pirelli vor einem Jahr die Mischungen Soft und Medium nach Monza gebracht hatte. In dieser Saison wurden die Soft-Reifen durch die Supersoft ersetzt, doch sie hielten kaum zwei Runden, bevor sie komplett einbrachen. Es war grenzwertig, denn zu diesem Zeitpunkt fuhren wir in etwa auf dem Level der GP3. Natürlich gehört das zum Spiel der F2, aber es wäre trotzdem besser, in Zukunft wieder auf die Soft zu setzen, denn die sieben Kurven dieser Strecke beanspruchen die Reifen doch sehr stark.

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Am nächsten Tag kämpfte ich mit Fuoco und Nissany um den zehnten Platz. Ich bremste für die erste Schikane auf der letzten Rille, ein Rad blockierte, doch Nissany kam von aussen wie eine Rakete angeschossen, und wir beide mussten den Notausgang nehmen. Ich versuchte natürlich, die aus Sagex-Blöcken aufgebaute Schikane korrekt zu umfahren, doch der Campos von Nissany war neben mir, also entschloss ich mich, geradeaus zu fahren. Ich wusste, dass das zwar spektakulär aussieht, das Auto allerdings durch das Sagex nicht beschädigt wird. Ich beendete das Rennen auf Rang 11, direkt hinter Antonio Fuoco.

Der Sieg bleibt das Ziel

Für uns steht zurzeit im Vordergrund, uns so weit vorne wie möglich zu qualifizieren, um all den Zwischenfällen im Mittelfeld entgehen zu können. Was den fehlenden Top-Speed betrifft: Wir wissen, dass wir zu wenig Performance haben; wieviel, warum und wieso, das weiss ich hingegen nicht. Das Team und ich haben darüber mit Mecachrome gesprochen, und sie nehmen das Problem sehr ernst. Es ist natürlich nicht einfach, das Ausbleiben von Top-Resultaten zu akzeptieren, doch bei Charouz bleiben alle hoch motiviert und arbeiten sehr hart.

 

Ich bin nicht in der Formel 2, um ausserhalb der Top 2 ins Ziel zu kommen. Wir haben in dieser Saison immerhin schon bewiesen, dass wir ganz vorne mitmischen können, und mein Ziel bleibt weiterhin der Sieg: Ich habe nun noch vier Rennen, um das zu erreichen! Die nächste Station ist Sotchi – eine Strecke, die nur wenige Fahrer im Starterfeld kennen: Artem Markelov, Nicholas Latifi und Sean Gelael sind bereits in der GP2 dort gefahren, Luca Ghiotto, Antonio Fuoco und Ralph Boschung in der GP3. Das Team Charouz allerdings war überhaupt noch nie in Sotchi – das wird von daher eine sehr interessante Herausforderung!

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Rennserie Formel 2
Fahrer Louis Délétraz
Teams Charouz Racing System
Autor Louis Déletraz
Artikelsorte Kolumne