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Louis Delétraz

Kolumne von Louis Delétraz: "Mein erster Test in der F1 und ich hab meine Superlizenz!"

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Kolumne von Louis Delétraz: "Mein erster Test in der F1 und ich hab meine Superlizenz!"
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22.12.2018, 19:29

In seiner letzten Kolumne in diesem Jahr blickt der junge Genfer auf das letzte Rennwochenende der Formel 2, seinen Test für das Team Haas F1 und auf die Formel-2-Testfahrten mit Carlin zurück.

Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Lando Norris, Carlin And Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Nyck De Vries, PREMA Racing, Louis Deletraz, Charouz Racing System
Nyck De Vries, PREMA Racing, Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Lando Norris, Carlin, Dorian Boccolacci, MP Motorsport, Alexander Albon, DAMS, Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Roberto Merhi, Campos Racing, Alessio Lorandi, Trident, Louis Deletraz, Charouz Racing System, Nirei Fukuzumi, BWT Arden, au départ
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin
Louis Deletraz, Carlin

Liebe Leser! Die letzten Wochen waren für mich ausgesprochen ereignisreich. Ich verbrachte neun Tage in Abu Dhabi, und an sieben davon sass ich im Cockpit eines Rennwagens – an einem davon sogar in einem Formel 1! Eine Premiere für mich!

Ermöglicht wurde mir dieser Test vom Haas. Im Vorfeld hatte ich bereits den Grand Prix von Brasilien besucht, um das Wochenende zusammen mit dem amerikanischen Team zu verbringen. Das gab mir die Gelegenheit, die Ingenieure und Mechaniker bereits kennenzulernen. Mit einigen davon hatte ich allerdings schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet, beispielsweise bei Fortec Motorsports, als ich Vize-Meister der Formel V8 3.5 wurde. Ich bekam zudem einen Sitz angepasst, durfte an den Meetings teilnehmen und die einzelnen Sessions von der Boxenmauer aus verfolgen.

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Das Komplizierteste war wohl, alle Funktionen auf dem Lenkrad des VF-18 zu lernen: Man hatte mir eine zehnseitige Anleitung gegeben, die ich sehr aufmerksam studierte! Es gibt da doch etliche Unterschiede zu einem F2, beispielsweise das Hybrid-System und die Energie-Rückgewinnung.

 

Vor meiner Abreise nach Abu Dhabi fuhr ich nach Maranello, um mich im Simulator, der ja auch von Haas genutzt wird, auf die Testfahrten vorzubereiten. Mit dem Simulator, den wir in der Formel 2 benutzen, können wir in erster Linie eine grundlegende Aerodynamik-Abstimmung und eine passende Getriebeübersetzung erarbeiten. Der Simulator in der Formel 1 hingegen reagiert bereits, wenn man den Flügel um 1° verstellt. Man spürt einen wirklichen Unterschied im Fahrverhalten – das nenne ich Streben nach Perfektion!

Zwei Top-6-Resultate in der F2

Zunächst hatte ich allerdings noch die letzten beiden Formel-2-Rennen zu absolvieren. Ich wollte die Saison unbedingt mit einem starken Resultat abschliessen, und das ist mir gar nicht schlecht gelungen. Es hatte bereits mit dem sechsten Platz im Qualifying begonnen, auch wenn man es natürlich immer noch besser machen könnte. Im Hauptrennen gelang mir dann ein sehr guter Start, und das Safety Car, das nach dem heftigen Unfall zwischen Nicholas Latifi und Arjun Maini auf die Strecke kam, ermöglichte es uns gar, den ersten Stint auf den Supersoft-Reifen noch zu verlängern. Am Ende wurde ich Sechster und holte damit wichtige Punkte.

Louis Deletraz, Haas F1 Team VF-18

Louis Deletraz, Haas F1 Team VF-18

Photo de: Zak Mauger / LAT Images

Beim Sprintrennen hingegen produzierte ich den wahrscheinlich schlechtesten Start der gesamten Saison. Einerseits hatte ich stark durchdrehende Räder, was klar mein Fehler war, daneben stieg aber auch die Öltemperatur auf 127°C – die optimale Temperatur liegt bei 116°C! Dem Motor schmeckt so etwas natürlich überhaupt nicht. Er schaltete sich in eine Art Sicherheitsmodus, und plötzlich funktionierte nichts mehr so wie vorgesehen. Die Ingenieure haben mir allerdings gesagt, dass das nicht mein Fehler gewesen sei. Trotzdem fiel ich vom dritten auf den sechsten Platz zurück – wobei ich noch von Glück sprechen kann, denn normalerweise überlebt ein Motor diese Temperaturen nicht!

Zusätzlich fiel bei allen Piloten das DRS-System aus. Gegen Ende des Rennens lief ich auf Nyck de Vries und George Russell auf, konnte sie allerdings nicht mehr überholen; überhaupt gelang niemandem mehr ein Überholmanöver. 

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Im Grossen und Ganzen war es ein solides Wochenende mit zwei Resultaten in den Punkterängen, auch wenn ich eigentlich gehofft hatte, zum Schluss der Saison nochmals auf dem Podest stehen zu können.

Am Ende meiner zweiten Formel-2-Saison stehe ich also auf Gesamtrang 10. Auf dem Papier bin ich damit nicht so richtig zufrieden, doch wenn man die Umstände berücksichtigt, kann ich mich nicht beklagen. Unser Saisonstart war furchtbar: Wir verloren bei den Hauptrennen viele Punkte aufgrund technischer Probleme, und damit war aufgrund der umgedrehten Startreihenfolge im Sprintrennen jeweils gleich das ganze Wochenende im Eimer. Am Red Bull Ring beispielsweise war ich auf Podium-Kurs, als mein Motor den Geist aufgab. Im Gegenzug dazu konnten wir in Circuit de Monaco, in Circuit Paul Ricard und in Silverstone Circuit unseren Speed in entsprechende Resultate ummünzen, auch wenn es uns ab und zu ein wenig an Konstanz fehlte. 

 

Vor meiner Zeit in der Formel 2 stand ich jedes zweite Wochenende auf dem Podest und gewann regelmässig Rennen, sowohl in der Formel Renault 2.0, als auch in der Formel V8 3.5. Mein letzter Sieg ist nun aber doch schon eine Weile her, aber für mich ist das noch kein Grund, mich selbst zu bemitleiden. Ich sehe das eher als zusätzliche Motivation; schliesslich war meine erste Saison in der F2 mit Racing Engineering wirklich katastrophal und für mich ein verlorenes Jahr. Die Formel 2 ist eine der härtesten Kategorien überhaupt, und ich bin bereit, hart zu arbeiten, damit ich in der kommenden Saison wieder ganz vorne bin.

Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung

Drei Tage später, am Mittwoch, erfüllte sich ein Kindheitstraum für mich: Ich durfte einen Tag lang für das Haas testen! Es gibt keine Worte, welche die Performance eines F1-Autos beschreiben. Es ist schlicht unglaublich, sei es die Beschleunigung, die Gangwechsel, die Verzögerung oder die Aerodynamik – alles ist im Vergleich zum Formel 2 bis ans Limit ausgereizt. Es ist extrem beeindruckend und ich hatte von meiner ersten Runde an ein Lächeln im Gesicht!

Louis Deletraz, Haas F1 Team VF-18

Louis Deletraz, Haas F1 Team VF-18

Photo de: Mark Sutton / Sutton Images

Bei dem Test ging es darum, für Pirelli die 2018er Reifen mit denen für 2019 zu vergleichen. Der Tag war ausgesprochen intensiv – ich probierte 16 neue Reifensätze und legte dabei insgesamt 117 Runden zurück, was in etwa einer Distanz von 650 Kilometern entspricht. Von den neun Stunden an der Strecke sass ich insgesamt deren acht im Cockpit, unterbrochen von drei Pausen à je 20 Minuten. Erst um 15.30 Uhr konnte ich etwas essen – vorher kam ich schlicht nicht dazu, denn ich war die ganze Zeit am Fahren! 

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Meine schnellste Rundenzeit von 1’39’’069 war die neuntschnellste Zeit insgesamt, doch schnelle Rundenzeiten standen bei diesem Test nie im Vordergrund. Der Motor war eh nicht voll aufgedreht. Nach einem ersten Stint auf den Soft-Reifen testete ich die Ultrasoft und die Hypersoft ausgiebig, ehe ich versuchte, dem Team ein möglichst aussagekräftiges Feedback zu geben.

Man gab mir oft die Anweisung, möglichst ans Limit zu gehen, bis die Reifen komplett zerstört sind, um einen Vergleich zu den 2018er-Reifen ziehen zu können. Es gab also nicht wirklich eine Rennsimulation, denn es ging nicht darum, herauszufinden, wie man die Reifen möglichst lange am Leben behält, sondern darum, ihren Abbau zu analysieren.  

 

Man darf nicht vergessen, dass die Heizdecken in der kommenden Saison die Reifen nicht mehr auf 100°C, sondern bloss noch auf 80°C vorheizen werden. Dieser Faktor war einer der Schwerpunkte unserer Testarbeit. Die Reifen auf Temperatur zu bringen, ist in Abu Dhabi aufgrund der Hitze natürlich kein grosses Problem, doch wenn es in der kommenden Saison bei einigen Rennen vergleichsweise kühl ist, werden die Fahrer wohl zwei Aufwärmrunden brauchen, ehe sie die Reifen im richtigen Arbeitsfenster haben und auf eine schnelle Runde gehen können. Bislang ging es jeweils darum, die auf 100°C vorgeheizten Reifen mit einer sehr langsamen Aufwärmrunde leicht abzukühlen; in Zukunft ist es allerdings wichtig, von Beginn weg zu attackieren, um die Temperatur zu erhöhen. Das erfordert eine ganz andere Herangehensweise.

Das ganze Team war auf jeden Fall sehr zufrieden, nicht nur mit meiner Arbeit, sondern auch mit meiner körperlichen Verfassung: Sie erwarteten eigentlich, dass ein junger Pilot wie ich mehr unter den Fliehkräften leiden würde, aber ich hatte den ganzen Tag über keine Probleme. Ich fühlte mich wirklich gut, auch wenn ich am nächsten Morgen ein bisschen Nackenschmerzen hatte. Die Ingenieure und Günther Steiner waren jedenfalls zufrieden und ich auch.

 

Mein Ziel für 2019 ist natürlich, ein F2-Cockpit zu finden und einen Fuss in die Formel 1 zu bekommen, sei es als Ersatz- oder als Testfahrer. Daneben würde ich gerne den einen oder anderen Test absolvieren. In Abu Dhabi hatte ich ein Meeting mit Charlie Whiting, bei dem er mir meine Super-Lizenz gab. In anderen Worten: Ich darf nun Formel 1 fahren! Das sind grossartige Neuigkeiten, und ich bin sehr stolz darauf, es bis hier hin geschafft zu haben.

Ausgezeichnete Tests mit Carlin

Auch die Formel-2-Testfahrten verliefen sehr gut. Ich arbeitete mit Carlin zusammen, dem Meister-Team von 2018, und ich fuhr sowohl am ersten als auch am letzten Tag jeweils die schnellste Zeit. Über die drei Tage hinweg war ich sogar der absolut Schnellste mit fast drei Zehntelsekunden Vorsprung. Sowas macht natürlich Freude!  

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Es ist definitiv kein Zufall, dass Carlin den Titel gewonnen hat, das Auto läuft wirklich sehr gut. Die Stimmung innerhalb des Teams ist ausgezeichnet, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in der Zukunft entwickelt: Mein Ziel ist es auf jeden Fall, in einem Top-Team in der Formel 2 zu bleiben.

Vielen Dank, dass ihr das ganze Jahr über meine Kolumnen auf Motorsport.com gelesen habt, und ich freue mich, euch bald wieder hier anzutreffen!

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