Analyse: Wieso Di Grassi die Schlüsselfigur auf dem Formel-E-Fahrermarkt ist

Mit der Rückkehr der Formel E nach Europa beginnt die „Silly Season“, denn das Rennen um die Cockpits für die nächste Saison nimmt Fahrt auf. Sam Smith analysiert den aktuellen Stand.

Paris war am vergangenen Wochenende äußerst geschäftig und mehr als ein Fahrer wollte von Motorsport.com etwas über die jüngsten Entwicklungen auf dem Fahrermarkt wissen.

Ein Teamchef fasste es zusammen: „Man weiß, dass die „Silly Season“ offiziell begonnen hat, denn Julian [Jakobi, Manager von Jean-Eric Vergne und Sebastien Buemi] ist im Fahrerlager!“

Bildergalerie: Lucas di Grassi

Die Fragen flogen zwischen den engen Fahrerlagerwänden, die die Avenue des Invalides teilte, hin und her: Wie viele Angebote hat Antonio Felix da Costa? Würde Jaguar in der Woche nach Paris testen? Wer war der britische Fahrer, der noch nicht in der Formel E gefahren ist und mehrere Angebote hat?

Wann würde der Andretti-BMW-Deal offiziell? Hat DS Virgin schon beschlossen, Vergne zu ersetzen? Waren Neel Jani und Pipo Derani wirklich nur als Touristen vor Ort? Welches weitere Team würde Magneti Marelli in Saison drei beliefern?

Natürlich gab es auch noch weitere Fragen.

 

Die größte Überraschung war aber, als Motorsport.com sich am Freitagnachmittag mit Lucas di Grassi unterhielt, der bei Audi unter Vertrag ist, und der Meisterschaftsführende gestand, dass er für nächste Saison noch keine bestimmten Pläne hätte.

Einige werden sich nur schwer vorstellen können, dass Di Grassi in der nächsten Saison in der Formel E für ein anderes Team fährt als ABT. Der Brasilianer ist aber der beständigste Fahrer im Feld und steht daher hoch im Kurs.

Außerdem könnte er am Ende der Saison wieder ohne Titel dastehen, weil sein Team einen Fehler gemacht hat.

Bildergalerie: Formel E in Paris

Sollten wir in der kompromisslosen Welt also wirklich überrascht sein, dass er seine Optionen auslotet?

Nach der Disqualifikation von Mexiko reagierte Di Grassi völlig cool und professionell, im Geheimen kochte er aber, dass er wieder einmal um 25 Punkte beraubt wurde.

Nachdem Sebastien Buemi und das Renault-e.dams-Team in Buenos Aires und Long Beach viele Punkte weggeworfen hatten, musste Di Grassi das Eisen schmieden, solange es heiß war, um dem Leistungsvorsprung vorzubauen, den Renault auf den meisten Strecken hat.

Was am späten Abend in Mexiko passierte, könnte daher – wie vergangenes Jahr in Berlin – ein entscheidender Moment in Saison zwei gewesen sein.

Natürlich haben das Team von ABT Schaeffler Audi Sport und Di Grassi zumindest einen Teil des Alptraums von Mexiko wiedergutgemacht, als sie sich im Titelkampf vergangenes Wochenende in Berlin um elf Punkte von Buemi absetzten.

 

Das ABT-Team gehört zu den besten der Meisterschaft und das hat es schon bei vielen Gelegenheiten bewiesen. Was sollte man also aus Di Grassis Kommentaren machen? Ein Wink mit dem Zaunpfahl an sein Team, oder ein Aufruf an die Rivalen, ihn an Bord zu holen?

Die „Silly Season“ in der Formel E ist in vollem Gange. Vorher war es Felix da Costa, um den sich auf dem Fahrermarkt alles drehte und der für 2016/17 mehrere Angebote hatte.

Nun sieht sich aber Di Grassi nach Alternativen um und das Fahrerkarussell könnte noch mehr an Fahrt aufnehmen.

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