Delphine Biscaye (Venturi): "Der VBB-3 demonstriert die Stärke von Elektrofahrzeugen“

Im September 2016 hatte Venturi in der Bonneville-Wüste mit 549,43 km/h einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Elektrofahrzeuge aufgestellt, ein weiterer Versuch musste aufgrund der äusseren Bedingungen abgebrochen werden.

Roger Schroer, der Pilot des Prototypen, war zum Nichtstun verdammt, nachdem heftige Regenfälle die Piste in der Sazwüste am Rande des Salt Lake in Utah für den Ventrui VBB-3 nahezu unbefahrbar gemacht hatten. 

 

Journalistin Chiara Rainis und Delphine Biscayne, Team Venturi
Journalistin Chiara Rainis und Delphine Biscayne, Team Venturi

Foto Lorenzo Senna

Gegenüber Motorsport.com erläuterte Delphine Biscaye, Chefin des in Monaco ansässigen Team Venturi, exklusiv die Hintergründe des Versuchs – ein Versuch, der an sich nur wenige Sekunden dauert, allerdings etliche Stunden Arbeit zwischen der Basis in Monaco und dem Team vor Ort in Utah mit sich bringt.

Ein solcher Rekordversuch, ist mit viel Arbeit und Mühe verbunden. Wie viele Leute sind am Projekt VBB-3 beteiligt?
"Zunächst muss erwähnt werden, dass es sich dabei um ein Brückenprojekt zwischen Monte Carlo und den USA handelt, das uns bereits seit 2013 beschäftigt. Insgesamt sind rund 20 Personen daran beteiligt – vier oder fünf im Fürstentum, der Rest sind Universitätsstudenten aus Ohio, die sich zwischen April und September während jeweils zwei Nachmittagen pro Woche plus etlichen Wochenenden dem Projekt widmen. Da der Antriebsstrang bei uns in Monaco entwickelt wurde, hatten wir in der Frühphase des Projekts den Löwenanteil der Arbeit zu erledigen. Nun allerdings passiert die Hauptarbeit in Amerika, da in erster Linie am Design, den Batterien und der Elektronik gearbeitet wird. Allerdings stehen wir natürlich in ständigem Kontakt mit der anderen Seite.“

Wie läuft die Vorbereitung vor Ort ab?
"Vor der eigentlichen Durchführung des Rekordversuchs machen wir mehrere Testläufe – den letzten irgendwann in den frühen Morgenstunden am Tag des Rekordlaufs, so dass uns genügend Zeit bleibt, die Batterien bei noch relativ kühlen Bedingungen neu zu laden.“

Worauf habt ihr euch in diesem Jahr am meisten konzentriert?
"Der Fokus lag in erster Linie auf dem Getriebe und dem Inverter, also dem Wechselrichter. Wir testeten die Komponenten zuerst einzeln auf dem Prüfstand, und dann auch als gesamten Antriebsstrang. Daneben ging es in der Vorbereitung auch um die Verringerung des Lärms und um eine Verbesserung der Kommunikation zwischen dem Piloten im Cockpit und dem Team ausserhalb.“

Was sind die kritischen Punkte bei der Realisierung eines solchen Projekts?
"Da ist einerseits die ungeheure Power – mehr als 3000 PS, und die müssen wir mit dem Gewicht in Einklang bringen. Die acht Akkupacks alleine überschreiten ein Gesamtgewicht von einer Tonne. Wenn man bedenkt, dass wir einen Allradantrieb im Auto haben, der aus einem Frontmotor und einem Heckpropeller besteht, wird ersichtlich, wie komplex es ist, die beiden Achsen, die Motoren und die beiden Getriebe aufeinander abzustimmen.“ 

Ihren ersten Versuch auf dem Bonneville Salzsee starteten Sie im Jahre 2010. Was habt ihr seither gelernt?
"Wir haben einiges über die Aerodynamik, das Design, die Stossdämpfer und die Aufhängungen gelernt. Daneben sammelten wir viele Erfahrungen mit den Reifen und der Art und Weise, wie sie auf der speziellen Salz-Oberfläche funktionieren.“

Welche Faktoren entscheiden schlussendlich über Erfolg oder Misserfolg?
"Im Grunde sind es zwei Aspekte: Die Fähigkeiten des Autos und des Teams auf der einen Seite, und die äusseren Bedingungen auf der anderen Seite. Normalerweise regnet es in dieser Region im Winter sehr viel und sobald die schöne Jahreszeit kommt, verdunstet das Wasser und das Salz bleibt zurück. Das wiederum kann zu Vibrationen führen, die beispielsweise die Batterie oder die Elektronik beeinträchtigen könnten...“ 

 

Gab es von daher je die Überlegung, den Rekordversuch an einen anderen Ort zu verlegen?
"Ja, wir hatten in Erwägung gezogen, den Rekordversuch in Australien durchzuführen, die Idee schlussendlich allerdings verworfen, weil das Gebiet, das in Betracht gekommen wäre, schlecht zugänglich ist. Eine weitere interessante Möglichkeit wäre Bolivien. Wir müssen mal schauen, wie sich die Sache entwickelt.“

Worin liegt der Anreiz, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen?
"Wir wollen aufzeigen, dass auch Elektrofahrzeuge in der Lage sind, sehr hohe Geschwindigkeiten zu erreichen, und dass sie durchaus mit Autos mit Verbrennungsmotoren mithalten können. Wir haben nun die Messlatte von 500 km/h überschritten, doch damit sind wir noch nicht am Ende unserer Reise angelangt. Allerdings müssen wir zunächst ein neues Auto konstruieren und einen neuen Antriebsstrang entwickeln, denn der VBB-3 ist nahezu ausgereizt. Das Gute ist, dass alles, was wir für dieses Projekt entwickeln, für die Formel E und später sogar die Serie übernommen werden kann. Die Technologie ist im Grunde dieselbe...“

 

 

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Über diesen Artikel
Rennserien Formel E , ALLGEMEINES
Veranstaltung Zu Besuch beim Venturi-Team
Fahrer Roger Schroer
Teams Venturi
Artikelsorte Interview
Tags bonneville, monaco, utah