Kolumne zu Grasser-Aufreger: ADAC GT Masters wirklich teuer wie DTM?

Gottfried Grassers Behauptung, das ADAC GT Masters sei insgesamt so teuer wie die DTM, sorgt für Aufsehen - Wie die Situation wirklich ist

Kolumne zu Grasser-Aufreger: ADAC GT Masters wirklich teuer wie DTM?

"Am Anfang hieß es, die DTM wäre so viel teurer als andere GT3-Serien, aber es kostet im Endeffekt das Gleiche." Mit diesen Worten hat Gottfried Grasser im November kurz nach Verkündung des Wechsels in die DTM für Furore gesorgt. Doch so einfach, wie Grasser das sagt, ist die Lage auch wieder nicht.

Fakt ist: Die DTM ist in vielen Punkten teurer als das ADAC GT Masters. Das geht bereits bei den Einschreibgebühren los, die bei der ITR bei 99.000 Euro pro Fahrzeug liegen. Für Frühbucher gibt es einen Rabatt auf 69.000 Euro.

Im ADAC GT Masters lag die Gebühr für 2021 bei 39.000 Euro, die Früheinschreiber kamen für 29.000 Euro davon. Für 2022 hat der ADAC die Gebühr um 5.000 Euro erhöht, nachdem sie drei Jahre lang konstant war. Kosten für Lumirank und GPS sind hier bereits enthalten.

Beim Benzin hingegen ist die DTM günstiger. 2,50 Euro werden pro Liter fällig, im ADAC GT Masters sind es 3,30 Euro. Der Pirelli-Reifensatz im ADAC GT Masters schlug 2021 mit 1.820 Euro zu Buche, Michelin ließ sich vier Gummis 2.000 Euro kosten.

Bislang wurden in der Deutschen GT-Meisterschaft 22 Reifensätze benutzt, im kommenden Jahr wird es allerdings einen Satz pro Wochenende mehr geben - auf Wunsch der Teams. In der DTM, die 2022 acht Rennwochenenden bestreiten wird, wären es nach jetzigem Reglement 26 Sätze. Allerdings sind Reifen und Sprit kleinere Punkte im Budget.

Hinzu kommen in der DTM das Equipment und das Personal für die Boxenstopps. Während im ADAC GT Masters zwei Mechaniker für die Boxenarbeit reichen, braucht es in der DTM sieben (sechs plus Lollipopmann). Gleich sind hingegen die Einsatzkosten für das Auto, da es sich in beiden Fällen um GT3-Autos handelt. Die Logistikkosten liegen in der DTM aufgrund des weit entfernten Portugal-Rennens leicht höher.

Timo Bernhard, der mit seinem Team 2022 in die DTM wechselt, gibt im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' zu: "Die DTM ist allein schon wegen Einschreibung teurer." Und auch Christian Land vom Meisterteam Land-Motorsport sagt: "Die Budgets in der DTM sind um einiges höher."

Wie kommt Grasser auf seine Rechnung?

Grasser selbst sprach noch im September davon, dass die DTM mit einem Rennen mehr etwa 20 Prozent teurer sei. Eine Saison in der Deutschen GT-Meisterschaft kostet ein Team, das ernsthaft um den Titel mitreden will, ab 600.000 Euro aufwärts. 20 Prozent darauf würden 720.000 Euro für die DTM machen. Grasser spricht von "weniger als einer Million Euro" pro Auto. Irgendwo zwischen diesen beiden Zahlen wird die Wahrheit liegen.

Wie aber kommt es dann, dass Grasser von gleichen Kosten spricht? "Der hat die Rennserie gewechselt und braucht Fahrer. Klar rührt er da die Werbetrommel", heißt es von einer Stimme aus dem ADAC-Fahrerlager.

Natürlich kommt GRT Grasser entgegen, dass das Team bereits in der IMSA-Sportscar-Championship aktiv gewesen ist und daher über Boxenstopp-Equipment und -Personal verfügt. Und im ADAC GT Masters zählte man nicht gerade zum Armenhaus. Grasser konnte sich also Extras wie Testfahrten leisten.

Letztlich ist nach oben hin natürlich immer alles möglich. Theoretisch könnte man sogar ein WEC-Budget mit zusätzlichen Testfahrten für das ADAC GT Masters verpulvern. Wenn Grasser finanziell gut dastand, wird der Sprung zur DTM nicht so groß ausfallen wie für andere Teams, die nur in begrenztem Maß getestet haben.

Wie das Budget zustande kommt

Einen konzeptbedingten Nachteil hat die DTM. Denn es gibt nur einen Fahrer, während die Kosten im ADAC GT Masters auf zwei verteilt werden können. Allerdings betont Bernhard: "Über die Fahrer [allein] kann man die Budgets ohnehin nie covern. Das macht es schwierig."

Deshalb generieren die Teams Einnahmen auch über eigene Sponsoren. Das zeigt sich dann meist an unübersichtlichen Teamnamen, in denen der Hauptsponsor genannt wird. Auch hierbei unterscheiden sich die Rennserien nur wenig voneinander.

Auf der anderen Seite hat die DTM bei der Generierung des Budgets einen entscheidenden Vorteil. In vielen Fällen sind die Hersteller direkt involviert. Das gilt zwar nicht für alle Mannschaften, aber viele Fahrzeuge, die in der DTM an den Start gehen, sind vom Hersteller subventioniert. Damit müssen die Teams nicht den vollen Betrag selbst stemmen.

Das ADAC GT Masters hingegen ist reiner Kundensport. Die Teams bezahlen für ihre Autos, Verschleißteile und gegebenenfalls für einen oder gar zwei Werksfahrer (hier gibt es einzelne Ausnahmen). Deshalb hätte es eine Situation, dass sich verschiedene Teams eines Herstellers im Titelkampf zusammenschließen, um einem von ihnen zum Titel zu verhelfen, in der deutschen GT-Meisterschaft auch nicht gegeben.

Je nach Hersteller-Engagement können die Kosten für das Team in der DTM also tatsächlich geringer sein als im ADAC GT Masters, obwohl die Serie teurer ist. Bernhard beschreibt das so: "Es ist die Frage, für welche Serie man welches Budget generieren kann. Für eine teurere Rennserie kann man mehr Möglichkeiten haben, ein Budget zu generieren. Da kann die teure Serie für ein Team sogar besser sein."

Das stimmt auch noch auf einer anderen Ebene: Schließlich geht es für potenzielle Geldgeber in erster Linie um den Werbegegenwert. 100.000 Euro für das ADAC GT Masters oder die DTM zu finden, dürfte schwieriger sein, als 500.000 Euro für die Formel 1 aufzutreiben. Denn der Werbegegenwert ist ein anderer.

Nur sind 100.000 Euro im ADAC GT Masters schon einmal ein Sechstel des Budgets, während eine halbe Million in der Formel 1 nur im Promillebereich dessen liegt.

"Im Endeffekt muss man sehen, welche Ressourcen man mit seinen Partnern generieren kann", sagt Bernhard. "Und da muss man sehen, wie viel einen die Serie kostet. Letztlich muss man sich für die Serie entscheiden, wo es passt, und wo man die Ressourcen bestmöglich einsetzen kann. Geld ist immer schnell ausgegeben. Aber für mich ist die Kunst, das Maximum aus dem rauszuholen, was man hat."

Mit Bildmaterial von Alexander Trienitz.

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