Track Limits Red Bull Ring: Die Würde des Pollers ist unantastbar

Das ADAC GT Masters geht einen neuen Weg bei den Tracklimits-Regeln in Spielberg: Ein neuer Poller weist den richtigen Weg - Er darf nicht berührt werden

Track Limits Red Bull Ring: Die Würde des Pollers ist unantastbar

Das ADAC GT Masters hat nicht gerade die besten Erinnerungen an den Red Bull Ring beim Thema Track Limits. So kam es 2020 zu der unrühmlichen Situation, dass der Rennleiter das gesamte Feld bestrafte - mit einer Extra-Fahrerbesprechung am Sonntagmorgen.

Damit sich das nicht wiederholt, ist nun eine neue Regelung in den Kurven 1 (Lauda), 9 (Rindt) und 10 (Zieleingangskurve) in Kraft getreten. Die Regeln sind diesmal so weit freigestellt, allerdings müssen die Fahrer sich ab einer bestimmten Stelle wieder auf dem Kurs befinden. Diese wird durch einen Poller markiert. Dieser darf nicht berührt, geschweige denn umgefahren werden.

Im Qualifying droht die Aberkennung gleich zweier Rundenzeiten, da Vergehen in der letzten Kurve sich auf beide Runden auswirken können. Für das Rennen gibt es keinen einheitlichen Strafenkatalog. Sachrichter bewerten jeden Fall einzeln.

Wer etwa den Poller berührt, aber deutlich hörbar vom Gas geht (und dadurch auf der Geraden eher einen Nachteil hat), wird keine Strafe befürchten müssen. So werden Ereignisse wie bei der DTM/ITC in Helsinki 1995 vermieden, als es großen Ärger für das Berühren von Reifenstapel-Schikanen hagelte.

Die Regelung kommt überwiegend gut bei den Fahrern an. "Ich denke, dass die Rennleitung eine sehr gute Lösung gefunden hat. Das ist eine gute Methode für eine Strecke, auf der es beim Thema Track Limits grundsätzlich schwer ist", sagt Maro Engel gegenüber 'Motorsport.com Deutschland'.

Klaus Bachler, Simona de Silvestro

Es war nur eine Frage der Zeit ...

Foto: Alexander Trienitz

Schwarze Schafe im ersten Training

Vorjahressieger Nick Yelloly ergänzt: "Mir persönlich gefällt dieser Weg sehr gut, vor allem im Vergleich zum Vorjahr. Es ist hart, aber fair. Wenn man sauber bleibt und keine Fehler macht, kriegt man Positionen geschenkt. Im Vergleich zum Vorjahr ist es also ein Schritt nach vorn und es erlaubt uns Fahrern, wirklich bis ans Limit zu gehen, ohne zu sehr bestraft zu werden."

Natürlich musste es im ersten Training passieren, dass Poller umgefahren wurden. Die Rennleitung beließ es noch bei Verwarnungen. "Wir sind alle Rennfahrer und gehen an die Grenzen der Strecke, des Autos und unseres Talents. Es war klar, dass die Poller früher oder später über den Haufen gefahren werden", sagt Thomas Preining, der für das Team von Timo Bernhard an den Start geht.

Deshalb lief es auch 2021 am Spielberg nicht ohne Extra-Briefing ab: Nach dem ersten Freien Training zitierte Stoppe alle Fahrer zu sich, um die Fahrer noch einmal für die Regeln zu sensibilisieren. Informationen von 'Motorsport-Total.com' zufolge soll es sich um einen Pool aus etwa sechs bis sieben Fahrern gehandelt haben, die immer wieder dem Poller an die Wäsche gegangen sind. Das zweite Training überlebten dann alle Poller.

Corvette-Pilot Jeffrey Schmidt spricht von einer deutlichen Verbesserung: "Die Regelungen lassen jetzt viel mehr Racing zu. Vergangenes Jahr war das sehr, sehr kleinlich. Da wurden Dinge untersucht, die überhaupt nicht notwendig waren."

Lob für Rennleiter Sven Stoppe

Er spricht dem neuen Rennleiter Sven Stoppe ein großes Lob aus: "Er macht einen super Job und geht sehr stark auf die Fahrer ein. Das ist wichtig, denn letztendlich sitzen wir im selben Boot und wollen eine coole Show liefern."

Sven Stoppe

Rennleiter Sven Stoppe zitierte nach dem FT1 alle Fahrer zu sich

Foto: Alexander Trienitz

Preining bestätigt: "Ich finde die Richtung sehr gut, die Sven da einschlägt. Sicher [ist diese Lösung] noch nicht hundertprozentig optimal, was die langfristige Perspektive betrifft. Aber da müssen wir weiter dran arbeiten, weil eben die Streckenarchitektur es zulässt, dass man über die weiße Linie hinausfährt. Das ist für die Rennleiter immer ein Chaos. Ich finde, da macht er wirklich gute Arbeit."

Es war Stoppe selbst, der eine solche Lösung bereits angekündigte. "Der Ansatz könnte sein: Ich schreibe eine Zone vor, in der du wieder zurück [auf der Strecke] sein musst. Du hast dann gar nicht die Chance, die Strecke weit zu verlassen und kannst als Fahrer beeinflussen, ob du innerhalb des vorgegebenen Limits bleibst", sagte er Anfang April bei 'PS On Air'.

"Vielleicht könnte das der Ansatz sein, sich [in Spielberg] in Kurve 1 oder Kurve 9 von der weißen Linie zu verabschieden und Zonen zu definieren, wo man nicht hinfahren darf", sagt Stoppe. "Das ist auch für eine Rennleitung einfacher, weil sie den Fokus auf das pure Racing legen kann und nicht auf die Überwachung von weißen Linien."

Die große Bewährungsprobe für den unantastbaren Poller steht dann im Rennen bevor, wenn das Feld im Pulk fährt und sie erst im letzten Moment sichtbar werden. Da mangels Bentleys alle Fahrzeuge Linkssitzer sind, besteht zumindest Chancengleichheit für alle.

Mit Bildmaterial von Alexander Trienitz.

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