Für Charly Lamm: BMW gewinnt GTLM-Chaos in Daytona

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Für Charly Lamm: BMW gewinnt GTLM-Chaos in Daytona
Autor:
Co-Autor: Jamie Klein
28.01.2019, 13:55

BMW hat bei den 24 Stunden von Daytona den Klassensieg in der GTLM-Wertung geholt - Der Hersteller widmet den Sieg dem kürzlich verstorbenen Charly Lamm

Es war ein chaotisches 24-Stunden-Rennen am Daytona International Speedway. Das Wetter zwang die Rennleitung dazu, den Saisonauftakt der IMSA-Serie frühzeitig abzubrechen. BMW sicherte sich mit seinen Fahrern Connor De Phillippi, Augusto Farfus, Philipp Eng und Colton Herta den Sieg in der GTLM-Klasse. Den Triumph in Florida widmet das Team dem kürzlich verstorbenen Ex-Chef von Schnitzer, Charly Lamm.

Es war das dritte Mal, dass der BMW M8 GTE in der GTLM-Wertung der IMSA-Serie auf Platz eins gelandet ist. Für das Team von RLL war es der erste Sieg überhaupt am Daytona International Speedway. De Phillippi, Farfus, Eng und Herta profitierten von einem über weite Strecken problemlosen Rennen. Als die Wetterbedingungen immer schlechter wurden, bewies das Quartett starke Nerven und ein gutes Timing, denn das Rennen wurde genau dann abgebrochen, als das BMW-Team in Führung lag.

"Was für ein Rennen, was für ein emotionaler Triumph - und das in diesen für die ganze BMW-Motorsport-Familie schwierigen Tagen", sagt BMW-Motorsportchef Jens Marquardt. "Nach so turbulenten und unberechenbaren 24 Stunden unter schwierigsten Bedingungen hier in Daytona ganz oben zu stehen, das ist einfach fantastisch." BMW widme den Erfolg Lamm. Marquardt betont: "Er hätte gewollt, dass wir hier für ihn bis zur letzten Runde kämpfen. Das haben wir getan - und für ihn gewonnen."

Eng kommentiert den Sieg in der GTLM-Wertung: "Die Spannung in den letzten Stunden war kaum auszuhalten. Wir haben über 24 Stunden keine Fehler gemacht - und das ist das Ergebnis." Das Auto habe zu jedem Zeitpunkt des Rennens eine gute Performance geboten, so der Deutsche weiter. Außerdem lobt er die Leistung von Farfus, der eine "unbeschreibliche" Fahrt im Regen abgeliefert habe. Auch Eng betont: "Dieser Sieg gehört Charly."

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Charly Lamm

Charly Lamm
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Foto: : XPB Images

Charly Lamm war seit 1971 bei Schnitzer angestellt. In diesem Zeitraum prägte er das Team bis zu seinem überraschenden Rückzug Ende 2018 wie kein Zweiter. Am 24. Januar 2019 verstarb er völlig überraschend im Alter von 63 Jahren. Ein Blick zurück auf seine größten Erfolge.

1975 Formel 2: Jacques Laffite

1975 Formel 2: Jacques Laffite
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Foto: : Sutton Images

Den ersten großen internationalen Titelgewinn, den Lamm miterleben durfte, erringt Schnitzer nicht als Team, sondern als Motorenlieferant: Jacques Laffite holt 1975 auf einem Martini Mk.16 mit BMW-Schnitzer-Motor den Titel in der Formel 2.

1978 DRM: Harald Ertl

1978 DRM: Harald Ertl
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Foto: : BMW

1978 gewinnt Harald Ertl die Deutsche Rennsport Meisterschaft (DRM) und ist damit erster Titelträger mit einem Turbo-Fahrzeug, doch zum Feiern steht es Schnitzer nicht: Teamgründer Josef Schnitzer verstirbt im selben Jahr bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall auf dem Weg nach Zolder.

1983 ETCC: Dieter Quester

1983 ETCC: Dieter Quester
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Foto: : LAT Images

In den 1980er-Jahren steigt Schnitzer zum dominanten Tourenwagen-Team auf. Den Anfang macht Dieter Quester, der 1983 auf einem BMW 635 CSi den Europameisterschaftstitel holt.

1985 24h Spa: Gerhard Berger, Roberto Ravaglia, Marc Surer

1985 24h Spa: Gerhard Berger, Roberto Ravaglia, Marc Surer
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Foto: : Sutton Images

1985 triumphiert Schnitzer das erste mal bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps mit Roberto Ravaglia, Marc Surer und Gerhard Berger.

1986 ETCC: Roberto Ravaglia, Gerhard Berger

1986 ETCC: Roberto Ravaglia, Gerhard Berger
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Foto: : Sutton Images

Ein Jahr später beginnt Roberto Ravaglia mit einer der bemerkenswertesten Titelserien aller Zeiten im Tourenwagensport: 1986 gewinnt er im letzten Jahr des BMW 635 CSi die Tourenwagen-Europameisterschaft...

1987 WTCC: Roberto Ravaglia, Ivan Capelli

1987 WTCC: Roberto Ravaglia, Ivan Capelli
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Foto: : Sutton Images

...1987 mit dem brandneuen BMW M3 E30 die Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Er behielt diesen Titel für 18 Jahre, da eine WTCC erst wieder ab dem Jahr 2005 ausgetragen wurde.

1988 ETCC: Roberto Ravaglia

1988 ETCC: Roberto Ravaglia
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Foto: : BMW

1988 folgt ein weiterer Europameisterschaftstitel. Mangels Bildern aus 1988 hier eine erneute Aufnahme des WM-Autos von 1987.

1989 DTM: Roberto Ravaglia

1989 DTM: Roberto Ravaglia
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Foto: : BMW

1989 gelingt der ganz große Coup: Roberto Ravaglia gewinnt mit Schnitzer die DTM, die härteste Tourenwagenserie der Welt. Gleichzeitig gewinnt Schnitzer erstmalig bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring mit Ravaglia, Emanuele Pirro und Fabien Giroix. Ravaglia lässt 1990 den Titel im italienischen Championat folgen.

1991 24h Nürburgring: Kris Nissen, Joachim Winkelhock, Armin Hahne

1991 24h Nürburgring: Kris Nissen, Joachim Winkelhock, Armin Hahne
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Erst 1991 hat sich Roberto Ravaglia nach fünf Titeln in Folge ausgesiegt. Doch Charly Lamm und Schnitzer machten weiter: Bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring setzt es den zweiten Sieg mit den Fahrern Kris Nissen, Joachim Winkelhock und Armin Hahne.

1993 BTCC: Joachim Winkelhock

1993 BTCC: Joachim Winkelhock
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Auf der britischen Insel beginnt sich Anfang der 90er-Jahre ein weiteres Reglement durchzusetzen: Das 2-Liter-Super-Touring-Reglement sollte die 1990er-Jahre bestimmen. 1993 zerlegt Jockel Winkelhock in Großbritannien die hart umkämpfte BTCC und holt sich den Titel. Zwei Jahre später wiederholt er das Kunststück im deutschen STW-Cup.

1998 STW: Johnny Cecotto

1998 STW: Johnny Cecotto
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Foto: : Sutton Images

1998 darf Charly Lamm wieder jubeln: Johnny Cecotto besiegt in der deutschen STW-Meisterschaft Laurent Aiello. Der Venezolaner sollte der einzige Fahrer bleiben, der die deutsche Super-Touring-Meisterschaft zweimal gewinnen konnte.

1999 24h Le Mans: Joachim Winkelhock, Pierluigi Martin, Yannick Dalmas

1999 24h Le Mans: Joachim Winkelhock, Pierluigi Martin, Yannick Dalmas
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Foto: : Jean-Philippe Legrand

2001 ALMS: Jörg Müller

2001 ALMS: Jörg Müller
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Foto: : Richard Sloop

Im neuen Jahrtausend bricht Lamm mit Schnitzer zu neuen Ufern auf und wechselt in den GT-Sport. 2001 lehrt Jörg Müller im BMW M3 GTR des US-Amerikanern in der ALMS das Fürchten und gewinnt die GT-Klasse.

2004 24h Nürburgring: Pedro Lamy, Dirk Müller, Jörg Müller, Hans-Joachim Stuck

2004 24h Nürburgring: Pedro Lamy, Dirk Müller, Jörg Müller, Hans-Joachim Stuck
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Foto: : BMW AG

Mit demselben Fahrzeug tritt BMW von 2003 bis 2005 bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring an. 2004 und 2005 besiegt Schnitzer mehrere Werks- und zahlreiche, zu jener Zeit noch siegfähige Privatteams. Der BMW M3 GTR ist zu diesem Zeitpunkt bereits eine lebende Legende.

WTCC: Jorg Müller

WTCC: Jorg Müller
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Foto: : XPB Images

Der einzige Titel, der einfach nicht gelingen wollte: Zwischen 2002 und 2009 tritt Schnitzer in der zweiten Auflage von Tourenwagen-Europameisterschaft und -Weltmeisterschaft an. Jörg und Dirk Müller holen zahlreiche Einzelsiege, aber es reicht nie für den Titel. In der Regel scheitern sie an Andy Priaulx aus dem RBM-Team. Das tut weh.

2010 24h Nürburgring: Jörg Müller, Augusto Farfus, Uwe Alzen, Pedro Lamy

2010 24h Nürburgring: Jörg Müller, Augusto Farfus, Uwe Alzen, Pedro Lamy
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Foto: : Julie Sueur

Zurück auf die Nordschleife: Mit dem BMW M3 GT2 holt Schnitzer Motorsport 2010 den bisher letzte Sieg von BMW bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring und setzt sich dabei gegen die aufstrebende GT3-Klasse durch.

2012 DTM: Bruno Spengler

2012 DTM: Bruno Spengler
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Foto: : LAT Images

Nach 20 Jahren Abstinenz kehren BMW und Schnitzer 2012 in die DTM zurück. Mit Bruno Spengler schafft man den Coup: Titel gleich im ersten Anlauf. Erinnerungen an Ravaglia 1989 werden wach. Die darauf folgenden Jahre in der DTM sollten allerdings schwieriger werden.

2018 FIA GT-Weltcup: Augusto Farfus

2018 FIA GT-Weltcup: Augusto Farfus
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Foto: : Alexander Trienitz

Charly Lamms letzter Coup: Beim FIA GT-Weltcup in Macau 2018 setzt sich Augusto Farfus auf einem BMW M6 GT3 durch. Es stand bereits im Vorfeld fest, dass es Lamms letztes Rennen als Schnitzer-Teammanager sein würde. Etwas mehr als zwei Monate später verstirbt er im Alter von 63 Jahren.

Ein weiteres Highlight war der Start von Alex Zanardi für im zweiten RLL-BMW. Jedoch hatte das Team rund um den Italiener mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Als das Speziallenkrad angebracht werden musste, - Zanardi hat beim ChampCar-Rennen in Deutschland im Jahr 2001 beide Beine verloren - wurde das Auto zu früh vom Wagenheber gelassen, weshalb die Lenksäule beschädigt wurde. Trotz der Schwierigkeiten gaben Zanardi und seine Teamkollegen nicht auf. Schlussendlich landete der BMW auf Platz neun.

 

"Hinter uns liegt ein unglaublich intensives Rennen - das BMW gewonnen hat", so Zanardi. "Aus sportlicher Sicht haben wir mit der Startnummer 24 unsere Ziele nicht erreicht. Es tut mir unglaublich Leid für alle, die in München und hier in den USA so hart für dieses Projekt gearbeitet haben." Der Fahrerwechsel sei im Vorfeld mehrmals geübt worden und dass genau beim ersten Stopp etwas schiefläuft, sei Schade, so der Italiener. Er sagt: "Aber so ist der Motorsport, das müssen wir akzeptieren. Unabhängig davon war mein Auftritt hier in Daytona mit all den fantastischen Reaktionen von Fans, Kollegen und auch Gegnern wie ein Märchen."

Mit Bildmaterial von LAT.

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Artikel-Info

Rennserie IMSA
Event 24h Daytona
Autor André Wiegold