Neel Jani: „Wir hatten nun den Speed zum Sieg“

Mit der Poleposition zu den 12 Stunden von Sebring setzte Neel Jani einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere. Im Rennen spielte der Oreca-Gibson von Rebellion aber bald keine Rolle mehr.

Langstreckenrennen sind Teamsport, daher kann sich ein einzelner Fahrer nur mit der Bestzeit im Qualifying oder mit der schnellsten Rennrunde hervorheben. Neel Jani tat dies 2015 und 2016 mit seinen Rekordrunden in Le Mans, die für ihn eine spezielle Bedeutung haben.

Mit der Poleposition zu den 12 Stunden von Sebring stellte sich der Endurance-Weltmeister auf einer weiteren legendären Rennstrecke ins beste Licht. Mit der Qualifikationsbestzeit von 1:48.178 erreichte der Schweizer als erster Fahrer mit einem LMP2-Sportwagen der neuen Fahrzeug-Generation mehr als 200 km/h Schnitt über eine fliegende Runde. Dabei war er mit dem neuen Oreca-Gibson von Rebellion Racing um gute drei Sekunden schneller als Olivier Pla im Ligier-Judd 2015 und Ligier-Honda 2016.

„Ich wusste, dass ich nur eine einzige Chance habe, nachdem wir im Training nie ganz vorne lagen. Es hat dann alles gepasst, wobei ich in den schnellen Kurven von Sektor 1 und 3 etwas riskieren musste“, erklärt Jani gegenüber motorsport.com. 

Als bisher einziger Schweizer eroberte Marcel Fässler 2013 im Audi R18 e-tron quattro die prestigeträchtige Poleposition in Sebring. Anders als Jani konnte der Audi-Werksfahrer vor vier Jahren den besten Startplatz in den ersten Sieg eines gebürtigen Schweizers verwandeln, was zuvor nur Jo Siffert 1968 in einem Porsche 907 gelungen war.

Als Startfahrer legte Neel Jani bis zum ersten Tankstopp nach 18 Runden das Tempo vor. „Ich war etwas überrascht, denn ich ging nicht davon aus, dass ich so lange vor den DPi-Autos bleiben kann“, wunderte er sich selbst. Weil die Luftlanze nicht funktionierte, liessen sich die Reifen nicht wechseln, auch dauerte der Stopp dadurch länger. Weil noch ein Boxenstoppvergehen dazukam, musste Jani obendrein zu einer Durchfahrtsstrafe antreten. Trotzdem schaffte er dank Gelbphasen wieder den Anschluss ans Vorderfeld und kam so nochmals bis an die dritte Position hinter zwei Cadillac DPi vor. 

 

Als nach dem Fahrerwechsel zu Sébastien Buemi der Motor wegen eines Anlasserproblems nicht gleich ansprang, handelte sich das Team erneut einen grösseren Zeitverlust ein. Mit schnellsten Zeiten brachten Buemi und Nick Heidfeld den Rebellion-Oreca mit einer Runde Rückstand auf die Cadillac-Spitze wieder bis an die vierte Stelle vor, ehe zu Beginn der sechsten Stunde der Absturz ins Nirwana begann. Dreimal nacheinander musste in der Garage hinter den Boxen die Lichtmaschine ausgetauscht werden. Ohne Aussicht, das dafür verantwortliche Elektrikproblem zu lösen, zog Rebellion seinen Sportwagen in der elften Stunde nach nur 167 zurückgelegten Runden zurück. 

Wie schon in Daytona, wo das europäische Superteam wenigstens an 31. Position ins Ziel kam, gab es kein zählbares Ergebnis. „In Daytona waren wir im Rennen nicht auf Speed gekommen, den hatten wir nun in Sebring jedoch. Es fehlte einfach an der Zuverlässigkeit des Autos“, differenziert Jani. Einerseits führt er dies auf die unterschiedliche Streckencharakteristik zurück, andererseits auf die seiner Meinung nach ausgeglichene Balance of Performance zwischen DPi und LMP2. „In Daytona hatte uns der Topspeed der Cadillacs kaputt gemacht, jetzt gab es in dieser Beziehung keinen Unterschied mehr. Wegen ihres höheren Drehmoments hatten die Cadillacs nur noch aus den Kurven heraus einen Vorteil.“

Wer an den technischen Problemen Schuld ist, darauf will sich der Weltmeister nicht festlegen. „Für uns alle war vieles neu, daher gehört dies zum Lernprozess. Ich bin sicher, dass Rebellion aus diesen beiden Einsätzen für die WEC viel gelernt hat.“

In den nächsten paar Wochen werden Neel Jani und Sébastien Buemi nun wieder mit ihren LMP1-Teams Porsche und Toyota zu harten Konkurrenten in der WEC. Derweil trifft Nick Heidfeld schon am übernächsten Wochenende in der FIA Formel E in Mexico City auf den in der Meisterschaft überlegen führenden Buemi. 

Erst beim 6-Stunden-Rennen von Watkins Glen am 2. Juli fährt das Schweizer Supertrio (Nick Heidfeld wohnt seit etlichen Jahren in Stäfa) wieder für Rebellion in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship. In der Hoffnung, auf dem berüchtigten Berg-und-Tal-Kurs im US-Bundesstaat New York die fahrerischen Qualitäten zweier Weltmeister und eines achtmaligen GP-Zweiten im Kampf gegen die amerikanische Sportwagenelite endlich bis zum Rennende ausspielen zu können. 

 

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Über diesen Artikel
Rennserien IMSA
Veranstaltung 12h Sebring
Unterveranstaltung Nach dem Rennen, Samstag
Rennstrecke Sebring International Raceway
Fahrer Neel Jani
Teams Rebellion Racing
Artikelsorte Interview
Tags schweiz