IndyCar 2018

Carlin: IndyCar statt Formel 1 wegen "wahnwitziger Kosten"

Endlich ist es soweit: Das Carlin-Team, das schon im Winter 2017 als Einstiegskandidat in die IndyCar-Serie galt, hat seinen Einstieg zur IndyCar-Saison 2018 verkündet.

Die Ganassi-Flüchtlinge Charlie Kimball und Max Chilton werden kommendes Jahr Carlin in der Debütsaison repräsentieren. Es ist das erste Mal, dass der britische Rennstall in einer Top-Formelklasse antritt, nachdem er sich bisher stets auf Nachwuchsformelserien konzentriert hat.

Trevor Carlin ist froh, nicht gleich eine eigene Designabteilung aufziehen zu müssen, wie es ein Formel-1-Engagement erfordert hätte. "Es ist für ein Juniorklassen-fokussiertes Team schlicht unmöglich, in die Formel 1 einzusteigen, weil die Kosten und Einstiegshürden schlicht und einfach wahnwitzig sind", findet er im Gespräch mit 'Motorsport.com' klare Worte. "Aber IndyCar war im Bereich des Möglichen und - yeah! - wir haben es geschafft!"

"Als Juniorenteam verfügen wir über keine eigene Designabteilung", legt er eine der größten Hürden dar, wenn es um den Formel-1-Aufstieg geht. "Also, wir haben schon eine, aber das sind nur ein bis zwei Leute. Damit ist ein Aufstieg in die Formel 1 oder LMP1 undenkbar. Wir verfügen zwar über eine ganz gute Entwicklungsabteilung, aber wir sind einfach nicht groß genug und haben nicht die finanziellen Mittel, um ein eigenes, konkurrenzfähiges Fahrzeug zu designen. Aber mit einem mehr oder weniger vorgegebenen Spec-Fahrzeug zu arbeiten, ist das, was wir können. Das machen wir seit 20 Jahren."

Fahrer endlich dauerhaft binden

Doch auch IndyCar ist finanziell noch einmal eine ganz andere Kategorie als Formel 2, Formel 3 oder Indy Lights. Und zwischenzeitlich sah es für Carlin gar nicht rosig aus. Das Ergebnis ist ein aus den Fugen geratener Zeitplan: "Es hat etwas länger als geplant gedauert, die Verträge zu unterschreiben und die Finanzierung zu sichern. Wir haben zwischenzeitlich trotzdem die Fahrzeuge und das Equipment gekauft und Leute angeheuert. Das alles hat uns etwa sechs Wochen gekostet und wir tun jetzt alles, um das wieder aufzuholen."

Carlin hatte sich eine Deadline für August gesetzt, um die endgültige Entscheidung zu treffen und mit der Vorbereitung zu beginnen. Doch es ging nicht wirklich vorwärts. Bis Chip Ganassi mit der Ankündigung, sein Team auf zwei Fahrzeuge zu verkleinern, ein Erdbeben im Fahrerlager auslöste. "Plötzlich waren zwei Fahrer auf dem Markt. Von da an ging alles ganz schnell und zum Ende der vergangenen Saison waren wir bereit, mit dem Prozess loszulegen." Nicht nur Fahrer, sondern auch Teampersonal wurde Ganassis Verschlankungskur frei.

 

Für Trevor Carlin ist die Teilnahme an einer Topklasse des Formelsports eine besondere Erfüllung, da so eine langfristige Zusammenarbeit mit Fahrern möglich wird. "Das war immer unser Plan", sagt er. "Endlich können wir die Fahrer behalten. Wir haben sie sonst immer an die Formel 1 verloren." Oder eben nach einer Indy-Lights-Teilnahme an die IndyCar-Serie. Die prominentesten Carlin-Absolventen sind übrigens Nico Rosberg und Sebastian Vettel.

Die Motorenfrage

Bei der Motorenwahl legte sich Carlin auf Chevrolet fest, obwohl der US-amerikanische Konzern seine Trumpfkarte - das überlegene High-Downforce-Aerokit - in der IndyCar-Saison 2018 verlieren wird. "Wir haben mit beiden Herstellern gesprochen. Honda mag die Lösung gewesen sein, die in Mode wäre, weil alle gesagt haben, dass der Honda-Motor so viel Leistung hat", so der 54-Jährige über die Triebwerkswahl.

"Meines Erachtens vergessen diese Leute, dass Chevrolet die Meister der vergangenen Jahre gestellt hat" fügt er hinzu. Außerdem werde es ein Konzern wie Chevrolet garantiert nicht auf sich sitzen lassen, dass alle Welt erzählt, der Honda-Motor sei der kraftvollere. "Mir wurde gesagt, dass Chevrolet über den Winter viel Arbeit investiert und Honda mindestens ebenbürtig sein wird. Ich bin gespannt."

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