Der Tag, an dem Ayrton Senna ein Penske IndyCar testete

Im Dezember 1992 testete Formel-1-Legende Ayrton Senna ein Penske IndyCar. Der Ingenieur des Brasilianers an dem Tag, Dave Beresford, erzählte Rene Fagnan die Geschichte, als zwei Größen des Motorsports kurz zusammenarbeiteten.

Ayrton Senna wusste, dass die Formel-1-Saison 1993 wahrscheinlich sehr enttäuschend verlaufen würde.

Sein McLaren-Team hatte die Honda-Motoren verloren und der dreimalige Weltmeister wusste, dass er mit den Ford-Motoren gegen den Williams seines Erzrivalen Alain Prost nichts würde ausrichten können.

Senna hielt Ausschau nach anderen Optionen und wollte herausfinden, wie sich ein IndyCar wirklich anfühlt – ein Auto ohne die ganzen elektronischen Spielereien, die die Formel-1-Autos in den 1990er-Jahren hatten.

Nigel Beresford, heute Technischer Direktor bei Dragon Racing in der Formel E, war an diesem Tag Sennas Ingenieur und erinnerte sich an jenen 10. Dezember 1992.

„Wir hatten geplant, den neuen Penske PC22 drei Tage lang zu testen“, erzählte Beresford Motorsport.com.

„Der erste Tag fand auf dem Firebird Raceway West statt, einem sehr kurzen 1,1-Meilen Straßenkurs. Wir hatten einen 1992er-Penske als Basis und zum Vergleich.“

In letzter Minute

Ein paar Tage vor dem Test wurde durch Emerson Fittipaldi und Marlboro ein Deal geschlossen, dass Senna das 92er-Auto fahren würde.

„Das war ein Deal in letzter Minute“, erinnerte sich Beresford. „Senna kam fast alleine an, nur mit John Hogan von Marlboro.“

„Ich hatte ihn zuletzt beim Grand Prix von Australien in Adelaide 1991 gesehen. Jemand wie ihn ein Jahr später an einem so normalen Ort wie diesem zu sehen, schien irgendwie surreal.“

Emerson Fittipaldi fuhr den 92er-Penske an diesem Tag als erster. „Es war kalt und die Strecke war rutschig“, sagte Beresford. „Emmo hat sich auf den kalten Reifen gedreht, fand aber, dass das Auto ganz gut ausbalanciert wäre und es nur an Grip mangelte.“

„Er kam rein, wir wechselten die Reifen und verstellten die Bremsbalance etwas mehr nach hinten. Er fuhr noch einmal zwölf und dann weitere 13 Runden. Seine schnellste Zeit war zwei Mal 49,7 Sekunden.

Sennas Versuch

Nach einer kurzen Pause kletterte Senna in das enge Cockpit des Penske IndyCars.

„Normalerweise fahren Formel-1-Piloten sofort recht schnell“, sagte Beresford. „Ayrton fuhr erst mal ein paar ziemlich langsame Runden, das war eine Überraschung.“

„Dieses Auto hatte ein sequentielles Getriebe und Senna musste sich erst wieder daran gewöhnen, die Gänge zu schalten. Hin und wieder verschaltete er sich auch mal. Dann hielt er komplett an, legte den ersten Gang ein und fuhr weiter.“

Ayrton Senna musste sich auch an die Charakteristika des Turbo-Autos gewöhnen. Nach 14 Runden kam er zurück in die Box und hatte eine schnellste Zeit von 49,5 Sekunden gefahren.

„Er sagte mir, dass der Motor sehr gut zu fahren war und, dass er das Auto als sehr schwer empfand, nicht so wendig wie das viel leichtere Formel-1-Auto. Außerdem wüsste er nicht, wie hoch er den Motor drehte, weil er sich völlig anders anhörte“, so Beresford.

„Firebird hat eine relativ schnelle Kurve und Senna fing gerade erst an, schnell durch diese Kurve zu fahren. Er konnte das Gewicht des Autos fühlen und wollte nicht bis ans Limit gehen. Dazu war es weder der richtige Ort noch der richtige Zeitpunkt.“

„Er wollte sehen, wie sensibel das Auto reagierte, also montierten wir weichere Federn ins Heck, machten den Überrollbügel ab und füllten 20 Gallonen Methanol ein.“

„Erstaunlich schnell“

Der dreimalige Weltmeister fuhr noch einmal 10 Runden auf demselben Satz Reifen und fuhr dieses Mal eine Bestzeit von 49,09 Sekunden.

„Er kam in die Box zurück und sagte 'Vielen Dank. Ich habe erfahren, was ich wissen wollte.' Er stieg aus dem Auto und das war's“, sagte Beresford.

„Senna hat mich auf keine Weise enttäuscht. Er war erstaunlich schnell. Emmos schnellste Runde war eine 49,7, Sennas eine 49,09.

„Am Ende des Tages fuhr Emerson in einem neuen Penske eine 48,5 und das war nur 0,6 Sekunden schneller als Senna. Das war sehr gut, wenn man bedenkt, dass Ayrton ein ein Jahr altes Auto auf alten Reifen fuhr.“

„Für mich zeigt das, wie außergewöhnlich schnell er sich anpassen und konkurrenzfähige Zeiten fahren konnte.“

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