Ein Jahr nach Horrorcrash: James Hinchcliffe beim Indy 500 auf Pole-Position!

Ein Jahr nach seinem lebensbedrohlichen Unfall gewinnt der Kanadier James Hinchcliffe das Top-9-Shootout am Pole-Day in Indianapolis vor drei US-Boys – Top 3 nach vier Runden innerhalb von 0,076 Sekunden!

James Hinchcliffe ist der Polesitter für die Jubiläumsauflage des "Greatest Spectacle in Racing", der 100. Ausgabe der berühmten 500 Meilen von Indianapolis. Am Steuer seines Schmidt-Honda setzte sich Hinchcliffe am Pole-Day auf dem Indianapolis Motor Speedway im abschließenden Top-9-Shootout gegen seine acht Konkurrenten durch. "Hinch" absolvierte seine vier Qualifikationsrunden in 2:36,006 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von exakt 230,760 Meilen pro Stunde (371,293 km/h) entspricht.

Für Hinchcliffe ist damit eine beinahe unglaubliche Geschichte wahr geworden. Am 18. Mai 2015 crashte der Kanadier eben in Indianapolis schwer und schwebte aufgrund des massiven Blutverlusts infolge seiner Beinverletzungen kurzzeitig sogar in Lebensgefahr. Im Zuge einer monatelangen Rehaphase erholte er sich von seinen schweren Verletzungen und gab zu Beginn der laufenden IndyCar-Saison 2016 sein Renn-Comeback. Nun hat der 29-jährige Kanadier die Pole-Position für das 100. Indy 500 in der Tasche.

"Ich wollte in diesem Monat einfach nur eines, nämlich eine andere Geschichte als die, die wir im vergangenen Jahr geschrieben haben", so die ersten Worte des überglücklichen James Hinchcliffe, der dank seiner Samstagsbestzeit als Letzter in das entscheidende Top-9-Shootout um die Pole-Position ging. In diesem fuhr "Hinch" abermals Bestzeit und hat damit nicht nur die erste Indy-500-Pole seiner seit 2011 laufenden IndyCar-Karriere eingefahren, sondern auch seine erste Pole-Position überhaupt.

Bildergalerie: 100. Indy 500

Erfolg auf ganzer Linie für Sam Schmidt

Das im Besitz des seit seinem schweren IndyCar-Unfalls in Orlando 2000 querschnittsgelähmten Sam Schmidt befindliche Team Schmidt/Peterson Motorsports brachte neben Hinchcliffe auch die anderen beiden Fahrer in die Top 10 der Startaufstellung.

Mikhail Aleshin fuhr am seinem 29. Geburtstag auf Startplatz sieben. Routinier Oriol Servia, der für die IndyCar-Saison 2016 kein Stammcockpit erhalten hat, steuerte den dritten Schmidt-Honda als Schnellster in Reihen der 24 Fahrer, die am Samstag den Einzug in die Top 9 verpasst hatten, auf den für ihn bestmöglichen zehnten Startplatz.

Die komplette Startaufstellung für das 100. Indy 500

Top 3 der Startaufstellung innerhalb von 0,076 Sekunden!

Zweitschnellster im Top-9-Shootout und damit Zweiter in der Startaufstellung am kommenden Sonntag: Josef Newgarden (Carpenter-Chevrolet). Der Youngster im Team von Ed Carpenter war bis zum Quali-Run von Hinchcliffe der virtuelle Polesitter.

Unterm Strich musste sich Newgarden aber Hinchcliffe um 0,060 Meilen pro Stunde geschlagen geben. In Sekunden ausgedrückt: 41 Tausendstelsekunden auf vier Runden! Auf Motorenseite ging somit der Kampf um die prestigeträchtige Indy-500-Pole knapp zugunsten von Honda aus.

Die erste Startreihe komplett macht Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda) dank des drittbesten 4-Runden-Schnitts im Top-9-Shootout. Der Indy-500-Sieger von 2014 benötigte 2:36,082 Minuten. Somit lagen die Top 3 in der Gesamtzeit ihrer vier Qualifikationsrunden innerhalb von 0,076 Sekunden. Wahnsinn!

Chronologie: Der Pole-Day zum 100. Indy 500

Alexander Rossi bester Rookie

Die zweite Startreihe wird angeführt von Townsend Bell (Andretti-Honda), der damit für drei US-Boys auf den Startplätzen zwei bis vier sorgt. Bells Andretti-Teamkollege Carlos Munoz (5.) und Will Power (Penske-Chevrolet; 6.) machen die zweite Reihe komplett.

Die dritte Startreihe bilden neben Mikhail Aleshin im zweiten Schmidt-Honda der aktuelle IndyCar-Tabellenführer Simon Pagenaud (Penske-Chevrolet; 8.) und dessen Teamkollege, der dreimalige Indy-500-Sieger Helio Castroneves (9.).

Neben dem zehntplatzierten Oriol Servia (10.) startet Alexander Rossi (Herta/Andretti-Honda) als schnellster Rookie von Position elf. Takuma Sato (Foyt-Honda; 12.) macht die vierte Startreihe komplett.

Scott Dixon nach Motorwechsel auf Startplatz 13

Die stärkste Leistung vollbrachte in der ersten Qualifying-Gruppe die Truppe von Chip Ganassi Racing, die am Samstag überraschend keinen ihrer vier Piloten in die Top 9 gebracht hatte. Am Auto von Scott Dixon musste ausgerechnet am entscheidenden Qualifying-Tag kurzfristig der Motor gewechselt werden. Dies erledigten die Ganassi-Mechaniker in nur 64 Minuten.

Ohne Installationsrunde fuhr Dixon mit dem neuen Triebwerk auf Startplatz 13 vor Marco Andretti (Andretti-Honda; 14.). Dixon gewann das Indy 500 im Jahr 2008. Andretti verpasste zwei Jahre zuvor den Sieg denkbar knapp und wartet bis heute auf seinen ersten Indy-500-Triumph. Der gesamte Andretti-Clan hat das Indy 500 erst einmal gewonnen: 1969 dank Clan-Oberhaupt Mario Andretti.

Fotostrecke: Alle 99 Sieger des Indy 500 seit 1911

Juan Pablo Montoya als einziger Fahrer mit zwei Quali-Runs

Juan Pablo Montoya (Penske-Chevrolet) macht sich von Startposition 17 auf die Jagd nach einem dritten Indy-500-Sieg nach 2000 und 2015. Der Kolumbianer legte als einziger Fahrer zwei komplette Quali-Runs zurück.

Warum? Beim ersten Versuch überfuhr Montoya eine schwarze Plastiktüte und nahm daraufhin sofort Tempo heraus. Die Plastiktüte war den IndyCar-Offiziellen nicht rechtzeitig aufgefallen, weshalb sie ausnahmsweise einen zweiten Versuch genehmigten. Das Setup durfte von der Penske-Crew natürlich nicht verändert werden.

Die übrigen Indy-500-Sieger im diesjährigen Feld nehmen wie folgt Aufstellung: Tony Kanaan (Ganassi-Chevrolet) auf Platz 18 und Buddy Lazier (Lazier-Chevrolet) auf Platz 32.

Alex Tagliani nach Crash ganz hinten

Pippa Mann, die einzige Frau im Starterfeld zum 100. Indy 500, qualifizierte sich für Startposition 25 – vor Graham Rahal, der mit dem Qualifying-Setup seines Rahal-Honda überhaupt nicht glücklich war und nur Startplatz 26 an Land ziehen konnte.

Ohne Qualifying-Zeit von ganz hinten (Startposition 33) muss Alex Tagliani (Foyt-Honda) starten. Der Kanadier hatte auf seiner Aufwärmrunde ausgangs Turn 4 einen Crash, den er unverletzt überstanden hat.

Fotostrecke: Die besten Bilder Indy-500-Trainingswoche

An den kommenden Tagen stehen noch zwei weitere Freie Trainings (Indy-500-Zeitplan) an, bevor es am Sonntag, den 29. Mai, um den Sieg bei der 100. Auflage des "Greatest Spectacle in Racing" geht.

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Über diesen Artikel
Rennserien IndyCar
Veranstaltung Indy 500
Unterveranstaltung Pole-Day, Sonntag
Rennstrecke Indianapolis Motor Speedway
Fahrer James Hinchcliffe
Teams Schmidt Peterson Motorsports
Artikelsorte Qualifyingbericht