Nachruf: Carl Haas ist gestorben

Trauer in der Motorsportwelt: Im Alter von 86 Jahren verstarb Carl Haas, der ehemalige Mitbesitzer von Newman/Haas Racing.

Die US-Motorsportwelt trauert um Carl Haas.

Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb der langjährige IndyCar-Teambesitzer am 29. Juni im Alter von 86 Jahren. Carl Haas litt seit einigen Jahren an einer Alzheimer-Erkrankung.

 

Zusammen mit dem US-Schauspieler Paul Newman feierte der bekennende Zigarrenraucher vor allem bei den IndyCars große Erfolge: Acht Fahrertitel und 107 Einzelerfolge schlagen für das Newman/Haas-Team zu Buche.

Dabei saß Haas in seinen Anfangszeiten noch selbst hinter dem Steuer einiger Sportwagen, fokussierte sich jedoch schnell auf die geschäftliche Seite.

1960 gründete er die Carl Haas Automobile Imports Inc., 1967 wurde er zum US-General-Importeur für die britische Marke Lola.

Seine Lola-Boliden hatten vor allem in der Formel 5000 und in der Can-Am-Serie so großen Erfolg, dass er sich 1983 bei den IndyCars mit der Schauspiel-Legende Paul Newman zusammenschloß.

Dies war der Startschuss für das legendäre Newman/Haas Team, das die IndyCar-Szene über zwei Jahrzehnte mitbestimmen sollte.

Gleich im zweiten Jahr holte Mario Andretti den damaligen CART-Titel, ab 1989 stieß Michael Andretti als zweiter Pilot hinzu und gewann 1991 ebenfalls eine Meisterschaft.

 

Als Michael Andretti Ende 1992 in Richtung Formel 1 abwanderte, sicherte sich das Newman/Haas-Team für die Saison 1993 prominenten Ersatz: Nigel Mansell wechselte als amtierender Formel-1-Weltmeister über den großen Teich und fuhr mit fünf Saisonsiegen auf Anhieb zum Titel.

Im Gegensatz zu Roger Penske, Chip Ganassi und Co. blieb das Newman/Haas-Team in den unsäglichen Zeiten des Splits im US-Formelsport der CART-Serie, die später als ChampCars firmierten, treu.

Die größten IndyCar-Erfolge feierte Newman/Haas genau in diesen Zeiten, als Sebastien Bourdais in den Jahren 2004 bis 2007 vier Titel am Stück holte.

Der krebskranke Paul Newman erlebte das Ende des Splits gerade noch mit: Er verstarb im September 2008, wenige Tage zuvor hatte Justin Wilson das IndyCar-Rennen von Detroit gewonnen.

Dieser Erfolg sollte der letzte Newman/Haas-Sieg im US-amerikanischen Formelsport bleiben.

Mike Lanigan, den Newman und Haas als neuen Teambesitzer aufbauen wollten, verlies im Anschluss die Mannschaft.

Haas setzte zwar noch einige Jahre lang auf die Dienste von Oriol Servia und den jungen Kanadier James Hinchcliffe, doch große Erfolge blieben aus.

 

Ende 2011 zog der damals bereits 81-jährige Haas die Mannschaft endgültig zurück und begründete dies mit dem "enorm schwierig gewordenen wirtschaftlichen Umfeld."

So lautet das IndyCar-Vermächtnis von Carl Haas auf stolze 107 Einzelsiege und insgesamt acht Fahrertitel, denn zwischenzeitlich hatte neben den Andrettis, Mansell und Bourdais auch Cristiano da Matta in der Saison 2002 noch eine IndyCar-Meisterschaft geholt.

Auch in der Formel 1 gab Carl Haas 1985 und 1986 als Teambesitzer ein Gastspiel: Zusammen mit dem ehemaligen McLaren-Boss Teddy Mayer holte er Ex-Weltmeister Alan Jones aus der Rente zurück. Im Konstruktionsteam arbeitete damals der junge Ross Brawn.

1986 expandierte das Team mit dem Franzosen Patrick Tambay auf zwei Autos. Es war das letzte Mal, dass ein US-amerikanisches Formel-1-Team (in Monza und Spa) Punkte holen konnte, bis 2016 Gene Haas auf der Bildfläche erschien.

NASCAR-Teambesitzer Gene Haas ist nicht verwandt oder verschwägert mit dem in Chicago geborenen Carl Haas.

Seine letzten Jahre verbrachte Haas zusammen mit seiner Ehefrau Bernadette auf dem familieneigenen Anwesen in Lake Forest im US-Bundesstaat Illinois.

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