Pocono: Power-Sieg und Pagenaud-Ausfall machen IndyCar-Titelkampf spannend

Während IndyCar-Tabellenführer Simon Pagenaud in Pocono crasht, fährt Verfolger Will Power zum vierten Saisonsieg – Wilder Crash in der Boxengasse endet glimpflich.

Nach der wetterbedingten Verschiebung um einen Tag ging das ABC Supply 500 der IndyCar-Serie auf dem Pocono Raceway am Montag bei perfekten äußeren Bedingungen über die Bühne. Nach der Tragödie des vergangenen Jahres mit dem tödlichen Unfall von Justin Wilson blieben Crashs diesmal zwar nicht aus, endeten aber glücklicherweise allesamt glimpflich.

Fotos: IndyCar in Pocono

Den Sieg holte sich nach 200 Runden Will Power (Penske-Chevrolet). Beim gleichzeitigen Ausfall seines in der Gesamtwertung führenden Teamkollegen Simon Pagenaud ist der Kampf um den IndyCar-Titel 2016 wieder spannend geworden. Aus 58 Punkten Rückstand hat Power mit seinem vierten Saisonsieg 20 Punkte Rückstand gemacht. In der Anfangsphase des Rennens kam der Australier aber zunächst nicht gut zurecht.

"Wir haben den Abtrieb im Verlauf des Rennens sukzessive erhöht, denn anfangs lag das Auto im Verkehr gar nicht gut. Ein tolles Comeback! Ich freue mich dermaßen, hier gewonnen zu haben", so der Jubel von Sieger Will Power in der Victory Lane. Angesprochen auf den Titelkampf, den er mit dem Handicap des verpassten Saisonauftakts in St. Petersburg bestreiten muss, entgegnet Power: "Es ist noch ein weiter Weg, aber nach diesem schwierigen Auftakt in das Jahr werde ich natürlich alles geben."

"Seltsamer" Crash von Tabellenführer Simon Pagenaud

Tabellenführer Pagenaud war einer von zwei Fahrern, die ihr Auto an die Mauer setzten. Für den ersten Crash sorgte Takuma Sato (Foyt-Honda) direkt in der ersten Runde des Rennens in Turn 3. Pagenaud crashte in Runde 159 in Turn 1, als sein neongelber Penske-Chevy mit vollem Tank auf einer Bodenwelle aufsetzte und aus der Spur geriet.

"Seltsam. Meine Auto setzte an dieser Stelle auch vorher schon auf, aber nicht so extrem. Es wäre wichtig gewesen, hier gute Punkte einzufahren", so das ernüchternde Fazit des Tabellenführers. Auf seinen ersten Ovalsieg wartet Pagenaud weiter. Für diesen wäre er aber auch ohne den Crash nicht in Frage gekommen. "Ich denke, ich hatte heute ein Auto für Platz fünf oder sechs", so der Franzose.

Hinter Sieger Will Power kam der von der Pole-Position gestartete Mikhail Aleshin (Schmidt-Honda) auf Platz zwei ins Ziel. Nachdem er die erste Rennhälfte dominiert hatte, ging dem Russen aufgrund einer falschen Setup-Anpassung die Balance seines Boliden verloren. In der Schlussphase konnte Aleshin keinen Angriff mehr setzen und wartet somit weiter auf seinen ersten IndyCar-Sieg.

Ryan Hunter-Reay der Mann des Rennens

Platz drei ging an den Mann des Rennens: Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda). Der Vorjahressieger hatte im ersten Freien Training am Samstag einen heftigen Crash und konnte am Qualifying nicht teilnehmen. Vom 22. Startplatz kämpfte sich Hunter-Reay aber zügig nach vorn und übernahm in Runde 49 erstmals die Führung. Anschließend hielt er sich lange Zeit ganz bewusst im Windschatten von Spitzenreiter Aleshin, um Sprit zu sparen.

Hunter-Reays Taktik schien voll aufzugehen. Beim Restart nach der von Pagenaud ausgelösten dritten Gelbphase übernahm der Andretti-Pilot wieder die Führung. Doch bevor die Runde abgeschlossen war, fand er sich in langsamer Fahrt in der Boxengasse wieder. Ein kurzzeitiger Ausfall der Elektronik hatte die Motorleistung weggenommen.

In der Boxengasse gelang es Hunter-Reay mittels eines Resets der Elektronik, wieder Fahrt aufzunehmen. Er geriet zunächst in Rundenrückstand, holte diesen Rückstand aber auf und zeigte in der Schlussphase erneut eine spektakuläre Fahrt durch das Feld, die ihn schließlich auf Platz drei führte. "Das war schon hart. Ich lag in Führung, als der Motor einfach ausging. Mein Auto hätte den Sieg verdient gehabt. Das ist eine bittere Pille, aber was bleibt mir anders übrig als zu lächeln?", so Hunter-Reay.

Vierter wurde Josef Newgarden (Carpenter-Chevrolet) vor Sebastien Bourdais, der seinen KV-Chevrolet beim letzten Boxenstopp nur mit zwei frischen Reifen ausrüsten ließ und damit entscheidende Track-Position gutmachte. Platz sechs holte sich Scott Dixon, der im Qualifying aufgrund eines Fehlers seiner Ganassi-Crew mit falschem Setup unterwegs gewesen war. So musste sich Dixon vom 19. Startplatz nach vorn kämpfen. Dies gelang dem Pocono-Sieger von 2013 nicht ganz so gut wie Vorjahressieger Hunter-Reay.

Die Top 10 wurden abgerundet von Carlos Munoz (Andretti-Honda; 7.), Juan Pablo Montoya (Penske-Chevrolet; 8.), Tony Kanaan (Ganassi-Chevrolet; 9.) und James Hinchcliffe (Schmidt-Honda; 10.).

Rennergebnis: ABC Supply 500 in Pocono

Wilder Crash in Boxengasse endet glimpflich

Für den spektakulärsten Moment des Rennens sorgten Charlie Kimball (Ganassi-Chevrolet), Alexander Rossi (Herta/Andretti-Honda) und Helio Castroneves (Penske-Chevrolet). Beim zweiten Boxenstopp kam es in der Boxengasse zur Kollision. Kimball zog nach links, um bei seiner Crew vorzufahren. Dabei kam es zur Kollision mit dem links neben ihm herausfahrenden Rossi. Das Auto des Indy-500-Siegers stieg nach Verhaken der Räder mit Kimballs Bolide auf und flog über das Cockpit des Penske-Boliden von Castroneves. Der Brasilianer erhielt dabei einen Schlag am Helm, hatte aber Glück.

"Außer einem Auto auf mir drauf habe ich nichts gesehen", so Castroneves, der von gravierenden Verletzungen ebenso verschont geblieben ist wie "Überflieger" Rossi. "Ich habe mir ein wenig die Hand angeschlagen, aber kein Problem", so Castroneves. Brad Keselowski, der für die NASCAR-Abteilung des Penske-Teams fährt, reagierte via Twitter umgehend. Er wünscht die Einführung des Cockpitschutzes Halo:

 

Sowohl für Castroneves als auch für Rossi war das Rennen gelaufen. Kimball, der die Kollision mit seinem Linksschwenk in Richtung seiner Crew ausgelöst hatte, konnte das Rennen fortsetzen und kam schließlich auf Platz 15 ins Ziel.

Mit noch drei ausstehenden Rennen wird der Kampf um den IndyCar-Titel 2016 fortgesetzt. Will Power hat mit nur noch 20 Punkten Rückstand alle Chancen, Teamkollege Simon Pagenaud noch abzufangen. Zur Erinnerung: Beim Saisonfinale am 18. September in Sonoma gibt es doppelte Punkte.

Weiter geht es aber zunächst am kommenden Samstag mit der Fortsetzung des im Juni begonnenen Firestone 600 auf dem Texas Motor Speedway in Fort Worth. Josef Newgarden und Conor Daly werden dort nicht am Start sein, weil sie infolge ihres Crashs, bei dem sich Newgarden Knochenbrüche zugezogen hatte, bereits als Ausfall gewertet sind. Für diese beiden Fahrer ist das nächste Rennen erst das am 4. September auf dem Plan stehende Rundkurs-Rennen in Watkins Glen.

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Über diesen Artikel
Rennserien IndyCar
Veranstaltung Pocono
Rennstrecke Pocono Raceway
Fahrer Ryan Hunter-Reay , Will Power , Simon Pagenaud , Michail Aljoschin
Teams Team Penske
Artikelsorte Rennbericht
Tags boxengasse, crash, indycar, pagenaud, penske, pocono, titelkampf, tri-oval, tricky triangle, unfall, will power