Scott Dixon siegt beim IndyCar-Comeback in Phoenix

Nach Reifenproblemen zweier Penske-Piloten gibt sich Ganassi-Pilot Scott Dixon in Phoenix keine Blöße und gewinnt vor den beiden anderen Penske-Piloten.

Die Piloten der IndyCar-Serie haben das Comeback-Rennen auf dem Phoenix International Raceway erfolgreich hinter sich gebracht. Nach dem turbulenten Freitag, an dem es im Freien Training und im Qualifying drei heftige Crashs gegeben hatte, verlief das 250-Runden-Rennen am Samstagabend Ortszeit vergleichsweise ruhig.

Zwar gab es sechs Gelbphasen, heftige Crashs blieben jedoch glücklicherweise aus. Weil die sechste und letzte Gelbphase in der 248. Runde aufgrund von Kleinteilen (Debris) ausgerufen wurde, ging das Rennen unter Gelb zu Ende. Eine Overtime-Regel à la NASCAR gibt es in der IndyCar-Serie nicht.

Den Sieg holte sich der amtierende IndyCar-Champion Scott Dixon (Ganassi-Chevrolet) nach einer gewohnt abgeklärten Vorstellung, die ihn 155 Runden lang an der Spitze liegen sah. Vom sechsten Startplatz aus ins Rennen gegangen hielt sich Dixon in der Anfangsphase des Rennens zunächst an dieser Stelle auf. Das Tempo machten zu Beginn zwei Penske-Piloten, konnten dieses aber nicht über die Distanz bringen.

Reifenprobleme bei Penske

Polesitter Helio Castroneves führte die ersten 39 Runden an, doch in Turn 1 der 40. Runde verabschiedete sich an seinem Penske-Chevy der rechte Vorderreifen. Der Brasilianer konnte einen Abflug in die Mauer gerade so vermeiden, musste aber unter Grün die Box ansteuern und fiel vom ersten auf den letzten (22.) Platz zurück. Nach vorübergehend zwei Runden Rückstand reichte es immerhin noch zu Platz elf in der Führungsrunde.

Im Zuge des Plattens am Auto von Castroneves übernahm Penske-Teamkollege Juan Pablo Montoya die Führung. In Runde 97 allerdings erwischte es aus dem gleichen Grund auch den Kolumbianer in Führung liegend. Wie Castroneves zuvor, so konnte auch Montoya einen Abflug vermeiden.

Beim notwendigen Reifenwechsel unter Grün verlor aber auch Montoya zwei Runden. Dank der Gelbphasen holte er genau wie Castroneves einen Großteil des Rückstands wieder auf und schloss in der Führungsrunde als Neunter ab. „Es war kein klassischer Reifenschaden, sondern eine Vibration“, so Montoyas Erklärung zum Reifenproblem kurz vor der 100-Runden-Marke.

Bildergalerie: IndyCar in Phoenix

Nachdem die beiden schnellsten Penske-Piloten aus der Entscheidung um den Sieg draußen waren, übernahm Ganassi-Pilot Dixon das Kommando und gab es bis ins Ziel nicht mehr ab. Nach seinem insgesamt 39. IndyCar-Sieg sprach der Neuseeländer in der Victory Lane dennoch von einem schwierigen Rennen: „Das war nicht ohne.“ Zwar war Dixon einer von nur vier Fahrern im Feld, die schon 2005 beim bisher letzten Phoenix-Rennen am Start waren, gewonnen hatte er auf dem Ein-Meilen-Oval aber bislang noch nie.

Nach seinem Sieg denkt Dixon aber nicht nur an das persönliche Erfolgserlebnis, sondern blickt bereits in die Zukunft. „Das war jetzt unser erstes Rennen seit langer Zeit hier. Ich glaube, was die Aero-Konfiguration betrifft, können wir durchaus noch etwas tun“, so der amtierende IndyCar-Champion in Anspielung auf den hohen Abtrieb, der die Dallara DW12 mit den 2016er Aero-Kits mit Vollgas um das Phoenix-Oval fliegen lässt. Entsprechend hoch sind die Fliehkräfte und damit die Belastungen für die Fahrer.

Will Power beim Saisondebüt auf dem Podium

Hinter Dixon kamen die beiden problemlos über die Distanz gekommenen Penske-Piloten Simon Pagenaud und Will Power auf den Plätzen zwei und drei ins Ziel. Für Pagenaud ist es beim zweiten Saisonrennen der zweite zweite Platz. Damit hat der Franzose in der IndyCar-Gesamtwertung die Führung von Teamkollege und St.-Petersburg-Sieger Juan Pablo Montoya übernommen.

Für Will Power markierte Phoenix derweil das Renndebüt in dieser Saison, nachdem er seinen Start in St. Pete auf Anraten der Ärzte kurzfristig hatte absagen müssen. Grund für Powers Startverzicht vor drei Wochen war eine Infektion des Innenohrs. Die ursprünglich von Penske abgegebene Erklärung, wonach eine Gehirnerschütterung der Grund gewesen sei, erwies sich nach erneuter ärztlicher Diagnose als falsch.

Platz vier ging beim Phoenix-Comeback an Tony Kanaan, den Ganassi-Teamkollegen von Sieger Scott Dixon. Graham Rahal (Rahal-Honda) war auf Platz fünf bester Vertreter aus dem Honda-Lager. „Ich habe getan, was ich konnte, aber leider hat die Konkurrenz einen Vorteil von fünf Meilen pro Stunde“, so Rahals enttäuschtes Fazit mit Blick auf die Chevy-Überlegenheit.

Ryan Hunter-Reay mit dem Manöver des Rennens

Neben Rahal schaffte lediglich ein weiterer Fahrer mit Motor und Aero-Kit von Honda den Sprung in die Top 10: Ryan Hunter-Reay auf Platz zehn. Immerhin sorgte der Andretti-Pilot für das Highlight des Rennens, als er mit einem Raketenstart binnen einer halben Runde von Startplatz zwölf bis auf Rang sieben nach vorn stürmte. Der IndyCar-Champion von 2012 nutzte für seinen Vorstoß die Außenbahn der Turns 1/2.

Platz sechs ging nach einem ereignisreichen Rennen an Josef Newgarden (Carpenter-Chevrolet). Beim ersten Boxenstopp parkte Newgarden etwas zu weit von der Boxenmauer entfernt, wodurch der Tankvorgang nicht wie geplant durchgeführt werden konnte.

In Runde 134 kollidierte er in Turn 1 mit Charlie Kimball. Der Ganassi-Pilot drehte sich und schloss nach Durchfahrtsstrafe auf Platz zwölf ab. Newgarden konnte weiterfahren, wurde in der Schlussphase aber in ein enges Duell mit Tony Kanaan verwickelt. Der Routinier aus Brasilien drängte Newgarden auf der Gegengerade weit nach unten ab. Um ein Haar wären die beiden dabei kollidiert.

Drei Fahrer bestritten am Samstagabend ihr erstes IndyCar-Ovalrennen. Den besten Eindruck hinterließ dabei wie schon am Freitag Max Chilton. Der Ex-Formel-1-Pilot brachte seinen Ganassi-Chevy nach einer starken Vorstellung auf Platz sieben vor Sebastien Bourdais (KV-Chevrolet; 8.) ins Ziel. Im vergangenen Jahr hatte Chilton beim Indy-Lights-Rennen auf dem Iowa Speedway den ersten Ovalsieg seiner US-Karriere eingefahren.

Die Platzierungen der weiteren Oval-Debütanten im IndyCar-Feld: Alexander Rossi (Herta/Andretti-Honda) auf Platz 14 und Luca Filippi (Coyne-Honda) auf Platz 20. Filippi zeigte in Runde 50 einen Dreher, konnte einen Einschlag in die Streckenbegrenzung aber vermeiden.

Das komplette Rennergebnis aus Phoenix

James Hinchcliffe (Schmidt-Honda) kam bei seinem ersten Oval-Auftritt seit dem Horrorcrash im Training zum Indy 500 des vergangenen Jahres auf Platz 18 ins Ziel. Dem Kanadier fehlte nach dem Crash im Freitagstraining wertvolle Zeit für die Abstimmungsarbeit. Gleiches gilt für Takuma Sato, der am Freitag ebenfalls crashte und seinen Foyt-Honda im Rennen auf Platz 15 ins Ziel brachte.

Auch Carlos Munoz war 24 Stunden nach seinem heftigen Qualifying-Crash wieder fit. Die Zielflagge sah der Kolumbianer aber nicht. In der 119. Runde setzte er seinen Andretti-Honda vergleichsweise harmlos an die Mauer von Turn 4. Die hintere Radaufhängung überstand den Kontakt aber nicht. Einziger weiterer Ausfall im Rennen: Ed Carpenter, der seinen Carpenter-Chevy in der 195. Runde nach einem missglückten Angriff auf Will Power in die Mauer von Turn 4 setzte.

Das dritte von 16 Rennen der IndyCar-Saison 2016 steigt in zwei Wochen in Long Beach.

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Über diesen Artikel
Rennserien IndyCar
Veranstaltung Phoenix
Rennstrecke Phoenix International Raceway
Fahrer Scott Dixon
Teams Chip Ganassi Racing
Artikelsorte Rennbericht