Was es mit dem fehlenden McLaren-Lenkrad wirklich auf sich hatte

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Was es mit dem fehlenden McLaren-Lenkrad wirklich auf sich hatte
Autor:
Co-Autor: Jonathan Noble
25.05.2019, 07:44

Zak Brown rückt die Berichte um ein fehlendes Lenkrad beim Indy-500-Test gerade und erklärt, was wirklich los war - Doch die peinliche Vorbereitung bleibt

Es war McLaren-Chef Zak Brown höchstpersönlich, der die Geschichten ans Tageslicht beförderte: McLaren habe bei der Vorbereitung zum Indy 500 ein erbärmliches Bild abgegeben. Von fehlenden Lenkrädern über falsche Fahrzeuglackierungen bis hin zu einer zu kurzen Übersetzung am Qualifyingtag - die Geschichte liest sich wie ein "Grande Casino" zu Ferraris übelsten Zeiten in der Formel 1.

Natürlich waren seine offenen Worte ein gefundenes Fressen für alle Medien - manche Boulevardblätter dichteten hier und da noch etwas dazu. Grund genug für Brown, einige Dinge am Rande des Monaco-Grand-Prix der Formel 1 ins rechte Licht zu rücken. Was berichtete wurde, sei alles wahr gewesen, allerdings müsse teilweise der Kontext beachtet werden.

Schon in der von den Nachrichtenagenturen verbreiteten Version des Interviews stimmte demnach ein Fakt nur zur Hälfte: Dass McLaren zum Vortest angereist sei, ohne Lenkrad an ein Lenkrad gedacht zu haben. "Es ist nicht so, dass wir dahingegangen sind und plötzlich festgestellt haben, dass jemand das Lenkrad zu Hause vergessen hat", sagt der US-Amerikaner.

"Wir wollten unser eigenes Lenkrad kreieren und haben es nicht in der Zeit fertig bekommen. Dann hatte Cosworth keines im Regal. So musste ich bei Carlin um eine Gefälligkeit bitten und sie halfen mit einem Lenkrad aus. Es ist also nicht so, dass wir die Koffer ausgepackt hätten und uns dann plötzlich aufgefallen wäre, dass wir kein Lenkrad dabei hatten."

In der IndyCar-Serie dürfen Teams die Cosworth-Lenkräder nach eigenem Gusto modifizieren. Manche Teams fahren aber auch mit dem Standardprodukt.

Falsche Farbe, Grund unbekannt

Die zweite peinliche Story stimmt allerdings: Dass das Ersatzchassis im falschen Farbton angestrichen war und deshalb nicht zum Einsatz kam. "Aus irgendwelchen Gründen, die ich noch eruieren muss, ist es nicht pünktlich umlackiert worden", so der 47-Jährige. "Deshalb war das Ersatzauto nicht bereit, als es benötigt wurde. Das war ein großer Fehler."

McLaren hat Fehler von Anfang an gemacht - angefangen damit, dass man innerhalb kürzester Zeit ein Zwei-Wagen-Team zusammenbekommen wollte. Brown gesteht, dass er sich von einem großen Budget hat blenden lassen: "Wir hatten ein gesundes Budget und das Auto war gekauft. Es lag sicher nicht an zu wenig Ressourcen. Was uns das Resultat gekostet hat, war eine schlechte Ausführung."

Brown nimmt alle Verantwortung auf sich

Und dafür steht er selbst ein. "Ich habe gedacht, ich hätte alles beisammen, aber lag daneben. Ich bin verantwortlich für den mangelnden Erfolg in Indianapolis. Heute gäbe es Dinge, die ich anders anpacken würde."

So hätte er unter anderem Gil de Ferran früher an Bord geholt. Das Problem war, dass der der zweimalige CART-Champion im Formel-1-Projekt mit anpacken musste, weil Andreas Seidl als Teamchef erst ab Mai verfügbar war. "Als ich ihn zu Indy umlenken konnte, war es schon zu spät. Ich habe schon sehr früh Warnzeichen gesehen, wie bei der Sache mit dem ersten Test."

Ob es anders gelaufen wäre, wenn McLaren mit einem Team wie Ed Carpenter Racing zusammengearbeitet hätte, die drei Autos ins Pole-Shootout gebracht haben? "Ich will keine anderen Teams vergleichen. McLaren hat sich wegen McLaren-Problemen nicht qualifiziert. Ich denke, bei den Fehlern, die wir gemacht haben, hätte uns niemand durchbringen können."

Auch auf Bob Fernley, der nach der Pleite seinen Posten als IndyCar-Chef bei McLaren räumen musste, möchte Brown nicht schimpfen: "Es wäre unfair, Bob das ganze in die Schuhe zu schieben. Ich nehme das auf mich, weil ich dieses Team aufgestellt habe. Nächstes Mal wird es anders laufen. Gil hat bereits großen Einfluss gehabt." Und ob er seine eigene Position hinterfragt hat? "Nein!"

Mit Bildmaterial von LAT.

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Rennserie IndyCar
Autor Heiko Stritzke