BMW-Vorschau 24h: Mit Upgrade-Kit endlich zum GT3-Sieg?

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BMW-Vorschau 24h: Mit Upgrade-Kit endlich zum GT3-Sieg?
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08.05.2018, 06:02

BMW rückt mit einer radikal verkleinerten Abordnung zum 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2018 aus - Sticht das Evo-Paket oder stolpert man über zu wenig Autos?

Aus sechs mach zwei: Die Anzahl werksunterstützter BMW M6 GT3 ist beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring in diesem Jahr deutlich reduziert worden. Nachdem Schubert sich Honda zugewandt hat und Schnitzer komplett degradiert worden ist, ist nur noch Rowe als Nürburgring-Einsatzteam übrig geblieben. Hinzu kommen der bekannte Falken-BMW und noch ein potent besetzter M6 aus dem Walkenhorst-Team, der zum erweiterten Favoritenkreis gezählt werden darf.

Auf den ersten Blick mag das überraschen: Eigentlich ist BMW wie Porsche auch zum Siegen verdammt, denn im SP9-Zeitalter hat man noch keinen Sieg landen können. Der letzte Triumph stammt aus dem Jahre 2010 von Schnitzer - ausgerechnet jenem Team, das derzeit nur noch mit einem Engagement im GT Masters anzutreffen ist.

Die Gründe für das geringere Aufgebot dürften finanzieller Natur sein: BMW beackert in Europa in diesem Jahr mit der Vorbereitung auf den werksseitigen Formel-E-Einstieg, dem neuen WEC-Engagement und der DTM bereits drei Baustellen. Und Rowe Racing bringt einen potenten Sponsor mit, was man von Schnitzer nicht behaupten kann. Dass mit dem deutlich verkleinerten Engagement die Siegchancen nicht unbedingt gestiegen sind, versteht sich von selbst. Glickenhaus 2017 lässt grüßen - hier waren zwei Autos trotz bärenstarker Performance einfach nicht genug.

Mehr Einlenk-Komfort dank Evo-Kit

Dafür bringt der Münchner Hersteller eine neue Geheimwaffe mit: Ein Upgrade-Paket bringt dem BMW M6 GT3 bessere Fahrmanieren bei. Das bisherige Modell neigte zu einem nervösen Fahrverhalten beim Bremsen. Das daraus folgende Einlenkübersteuern ("Turn-in-Oversteer") wurde vor allem von Amateurfahrern bemängelt - und die sollen bekanntlich GT3-Fahrzeuge kaufen. Mit Updates in vier Bereichen ist man dem Problem Herr geworden. Der M6 ist mittlerweile lammfromm.

Ex-GT-Masters-Pilot Jeroen den Boer, Chefingenieur im GT3-Projekt von BMW, erklärt im Gespräch mit 'Motorsport.com': "Das Fahrzeug ist ein bisschen mehr in Richtung Untersteuern ausgelegt worden, um den Gentlemen-Fahrern mehr entgegen zu kommen. Es ist immer noch möglich, das Auto wieder so abzustimmen, wie es vorher war." Das ist vor allem für die Profi-Fahrer wichtig. "Es ging nicht darum, das Auto schneller zu machen, weil man ja dann ohnehin von der BoP wieder eingefangen wird. Es ging lediglich um eine bessere Fahrbarkeit."

 

#3 Falken Motorsport BMW M6 GT3: Peter Dumbreck, Jens Klingmann
#3 Falken Motorsport BMW M6 GT3: Peter Dumbreck, Jens Klingmann

Foto Jan Brucke/VLN

Dem unruhigen Bremsverhalten ist man mit zwei Maßnahmen entgegen getreten: Kleinere Bremsscheiben an der Hinterachse und ein Differenzial mit kleineren Rampenwinkeln für den Schubbetrieb. Dadurch sperrt das Differenzial mehr, wenn der Motor im Schubbetrieb ist, also kein Benzin eingespritzt wird. Das wiederum bewirkt, dass das Fahrzeug beim Bremsen ruhiger liegt und etwas weniger bissig einlenkt.

"Bislang hat das Auto auf der Hinterachse zu viel Bremsleistung gehabt. Die vordere Bremsscheibe konnten wir wegen der Felge nicht vergrößern, deshalb haben wir sie hinten kleiner gemacht", sagt der Niederländer. Die Kombination dieser zwei Faktoren hat auch Veränderungen an der Aufhängungsgeometrie erforderlich gemacht. "Es sind nicht viele neue Teile, sondern einfach neue kinematische Einstellungen."

Aufgrund des geänderten Fahrverhaltens musste auch die Aerodynamik überarbeitet werden. So hat der M6 GT3 aerodynamische Anpassungen vorne vor den Vorderrädern erhalten und einen modifizierten Kofferraumdeckel. Auch hier lautete die Devise: Nicht schneller, sondern angenehmer sollte es werden. "Es ist eine kleine Repositionierung, um wieder ins Fenster zu kommen. Es ist ein Ausgleich für die anderen Maßnahmen", sagt der 30-Jährige. Die Amateurfahrer haben sich - sehr zur Erleichterung von den Boer und seinem Team - sofort positiv geäußert.

Die Profi-Piloten jedoch rümpften erst einmal die Nase, denn Untersteuern ist der größte Feind schneller Rundenzeiten. Die Abstimmungen mussten den neuen Gegebenheiten erst wieder angepasst werden. Mit ein Grund (neben dem "etwas" zu fetten Gemisch), warum BMW bei VLN1 im Nirgendwo fuhr. Doch schon beim zweiten Lauf waren die M6 dabei und Rowe holte sich den Sieg. Den Set-up-Ausgleich für die Untersteuer-Tendenz bekam das Rowe-Team also sehr schnell hin.

 

Große Erleichterung in der BoP

Im Vorjahr hat das Team einen starken zweiten Platz in der Eifel nach Hause gebracht. Der erst 2011 gegründeten Mannschaft fehlt bislang noch ein Sieg beim 24-Stunden-Rennen, doch die Karriere ist beeindruckend: Innerhalb von sieben Jahren hat man es geschafft, vom einfachen Kundenteam zum einzigen offiziell von BMW unterstützten GT3-Team im ganzen Rennen aufzusteigen.

Das Team von Michael Zehe bekommt das volle Werksfahrerprogramm verordnet: Nick Catsburg, Richard Westbrook und John Edwards sitzen in der #98, das Schwesterfahrzeug #99 teilen sich Alexander Sims, Jesse Krohn, Connor de Phillippi und Martin Tomczyk. Sie werden auf Regen hoffen, denn dann sind ihre Michelin-Reifen in ihrem Element. Bei Falken greifen Peter Dumbreck, Stef Dusseldorp, Alexandre Imperatori und Jens Klingmann ins Lenkrad.

Außerdem starten drei Walkenhorst-BMW ins Rennen, darunter wieder der beliebte Z4 GT3 mit dem eindrucksvollsten Sound im ganzen GT3-Feld. Hinzu kommt noch ein stark besetzter M6: Augusto Farfus, Markus Palttala, Christian Krognes und Fabian Schiller sind eine weitere Fahrerpaarung, die man auf der Rechnung haben muss. Sofern die Yokohama-Reifen hier besser funktionieren als beim Lamborghini Huracan (mehr dazu am Mittwochmorgen).

"Es ging nicht darum, das Auto schneller zu machen, weil man ja dann ohnehin von der BoP wieder eingefangen wird. Es ging lediglich um eine bessere Fahrbarkeit." - Jeroen den Boer

Wie im Vorjahr versuchte BMW, beim ersten VLN-Lauf Performance mit einem zu fetten Motormapping zu verschleiern und eventuell einen größeren Tank für das 24-Stunden-Rennen herauszuschlagen. Der Versuch gong jedoch nach hinten los. Bei Christian Menzels Wutausbruch im VLN-Stream war sofort klar, wer gemeint war. Selbst BoP-Chef Norbert Kreyer machte BMW nach dem ersten Lauf eine klare Ansage. Vielleicht mit ein Grund dafür, dass Rowe gleich das folgende 4-Stunden-Rennen gewann.

Gegenüber dem Vorjahr hat der Turbo-Bajuware geringfügig mehr Leistung: 500 statt 495 PS auf dem Motorprüfstand und 0,015 bar mehr Ladedruck. Und bei der neuesten Anpassung hat man darüber hinaus noch 20 Kilogramm ausladen dürfen. Spätestens damit ist BMW für viele sogar Topfavorit, sofern man nicht über die geringe Mannstärke stolpert.

BMW-Teams beim 24-Stunden-Rennen 2018 und Reifen

  • Falken Motorsport #33 (Dumbreck/Dusseldorp/Imperatori/Klingmann)
  • Rowe Racing #98* (Catsburg/Westbrook/Edwards) - Michelin
  • Rowe Racing #99* (Sims/Krohn/de Phillippi/Tomczyk) - Michelin
  • Walkenhorst Motorsport #100 (Posavac/Adams/J. Müller/Lambertz) - Pirelli (Z4)
  • Walkenhorst Motorsport #101 (Walkenhorst/Tresson/Oeverhaus/Ziegler) - Yokohama
  • Walkenhorst Motorsport #102 (Farfus/Palttala/Krognes/Schiller) - Yokohama

*mit Werksunterstützung

Technische Daten BMW M6 GT3 - 24h Nürburgring

  • Länge: 4.944 mm
  • Breite: 2.046 mm
  • Radstand: 2.901 mm
  • Mindestgewicht: 1.325 kg
  • Leistung: 500 PS
  • Motor: 4.4l V8-Biturbo mit 2x33,4 mm Luftmengenbegrenzer & 1,730bar Ladedruck
  • Tankinhalt: 120l
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