Die Exoten am Ring: Farbtupfer mit Sympathiefaktor

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Die Exoten am Ring: Farbtupfer mit Sympathiefaktor
Autor:
Co-Autor: Roman Wittemeier
09.05.2018, 06:02

Power aus Großbritannien, Italien und Frankreich: Aston Martin, Wochenspiegel-Ferrari, dkr-Renault und Konrad-Lamborghini versuchen sich an der Sensation

Natürlich sind die großen Autokonzerne aus Deutschland und die Glickenhaus-SCGs Topfavoriten bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring, doch weiterhin schwimmt eine Schar Teams gegen den Strom des großen Porsche-/Mercedes-/Audi-/BMW-Einerleis. Aston Martin hat sogar Gesamtsiegambitionen, Wochenspiegel stellt mit dem Ferrari 488 GT3 einen Publikumsliebling, Konrad hofft, mit dem Lamborghini die Reifenprobleme aussortiert zu haben und der Renault R.S.01 von mcchip-dkr gehört längst zum Nordschleifen-Inventar. Ein Blick auf die Exoten aus SP9 und SP-X.

Aston Martin: Gelingt der V12-Coup?

Aston Martin Racing (AMR) kann nur mit einer Ausnahmegenehmigung beim 24-Stunden-Rennen 2018 starten. Sollte man einen Sieg einfahren - und das ist das Ziel - könnte es politisch richtig ungemütlich werden. Die Fans hätten sicher nichts dagegen, doch verglichen mit den großen Engagements der deutschen Hersteller ist die Prodrive-Mannschaft eher ein kleiner Zwerg. Mit Marco Sörensen, Nicki Thiim, Darren Turner und Maxime Martin ist das Fahrzeug aber potent besetzt - vor allem von Martin, dem herausragenden Fahrer im Regenrennen von 2013, erwartet sich AMR einiges.

"Engländer kommen nach Deutschland, das ist immer ein Nachteil", scherzt Nicki Thiim. "Deutschland ist für mich eine zweite Heimat, weil ich dort aufgewachsen bin. Mir bedeutet es immer viel, dorthin zu kommen und dort zu fahren. Und die 24 Stunden auf dem Nürburgring sind das härteste und beste Rennen, das es gibt. Deshalb freue ich mich riesig. Favorit sind für mich aber die deutschen Hersteller. Ich bin 2015 den Audi gefahren. Glaubt mir, der geht wie die Hölle!"

Aston Martin hat es schon in der Vergangenheit häufig verstanden, in der Anfangsphase des Rennens vorne mitzumischen, bis dann meist irgendein technisches Problem alles zunichte machte. Und das bedeutet bei nur einem Fahrzeug gleich, dass man alles vergessen kann. Sörensen hat eine Strategie: "Der Schlüssel ist, auf der Strecke zu bleiben und immer in den Top 6 zu liegen. Vielleicht können wir von dem einen oder anderen Fehler profitieren." Es wird wohl das vorerst letzte Mal sein, dass ein Zwölfzylinder mit Gesamtsiegambitionen beim Rennen des Jahres in der Eifel an den Start geht.

 

#22 Wochenspiegel Team Monschau Ferrari 488 GT3: Georg Weiss, Oliver Kainz, Jochen Krumbach
#22 Wochenspiegel Team Monschau Ferrari 488 GT3: Georg Weiss, Oliver Kainz, Jochen Krumbach

Foto Jan Brucke/VLN

Ferrari: Favorit auf den Pro-Am-Sieg

Das Wochenspiegel Team Monschau rund um Georg Weiss nimmt das 24-Stunden-Rennen zum zweiten Mal mit einem Ferrari 488 GT3 in Angriff. Fiel die Vorbereitung bei der Premiere vergangenes Jahr mit zwei Unfällen in zwei VLN-Rennen noch chaotisch aus, ist man diesmal ohne größere Blessuren durch die ersten drei Rennen der Saison gekommen. "Da lief es dieses Jahr eher positiv", sagt Weiss gegenüber 'Motorsport.com'. "Dieses Jahr sind wir gut für das Rennen aufgestellt."

Der Druckerei-Besitzer wird nicht müde zu betonen, wie wohl er sich bei Ferrari und Rinaldi Racing fühlt: "Die lassen keine Wünsche offen. Was wir gerne hätten, wird versucht umzusetzen. Das ist ein wirklich gutes Zusammenspiel. Da muss man gar nicht mehr nachdenken, ob man nicht zu einem anderen Team gehen möchte. Bei Ferrari ist der Kunde noch Kunde. Die versuchen, mit dem Kunden zu gehen und nicht, ihm etwas vorzusetzen. Hier ist man buchstäblich Teil der Ferrari-Familie." Weiss hatte beim spektakulären Wechsel zu Ferrari Anfang 2017 nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm die Behandlung durch Porsche zuletzt nicht mehr gefallen hatte.

"Bei Ferrari ist der Kunde noch Kunde." - Georg Weiss

Den Michelotto-Boliden hat WTM mittlerweile optimal auf die Nordschleife abstimmen können. Fast neutral, mit einer ganz winzigen Tendenz zum Untersteuern, was bei schwierigen Bedingungen von Vorteil ist. "Wir sehen in den Kurven nicht schlecht aus. Nur auf der Geraden ziehen andere wegen der BoP an uns vorbei. Mit dem Auto sind wir total glücklich. Es tut genau, was es machen soll. Das Auto ist konstant schnell, was wir mit anderen Marken nicht immer hatten." In der jüngten BoP-Anpassung wurde die Tendenz noch verstärkt: 20 Kilo raus, Leistung bleibt gleich.

Das WTM-Team geht in der SP9-Premium-Klasse an den Start, was gemeinhin als Pro-Am-Kategorie bekannt ist. Man wird also nicht den Gesamtsieg attackieren, gilt in der Subkategorie aber als Favorit. Wobei Georg Weiss eines nervt: "Warum trennt der ADAC nicht Pro und Pro-Am ganz deutlich voneinander? Es ist auf den Monitoren und den Ergebnislisten nicht ersichtlich. Da fragt man sich, wo das Ganze noch hinführt. Für die Privatteams ist das alles andere als ideal. Das ist meines Erachtens nicht der richtige Weg."

Mit einem Einzel-Highlight im Qualifying ist dieses Jahr eher nicht zu rechnen: Im Vorjahr fuhr noch Daniel Keilwitz die Trainingsbestzeit im Vorfeld des Top-30-Qualifyings. Der GT-Masters-Star ist allerdings dieses Jahr nicht bei WTM am Start. "Aufgrund seines US-Engagements war nicht ganz klar, wie es um ihn steht, deshalb haben wir uns auf eine sichere Bank festgelegt." Und die hieß Christian Menzel. Bekanntermaßen gibt dieser nichts auf schnelle Einzelzeiten, sondern legt Wert auf eine materialschonende Fahrweise.

 

Dieter Schmidtmann', Heiko Hammel, Renault R.S.01
Dieter Schmidtmann', Heiko Hammel, Renault R.S.01

Foto Jan Brucke/VLN

Renault: Geheimwaffe Agilität

Einer der buntesten Farbtupfer im Spitzenfeld ist der Renault R.S.01. Das Team mcchip-dkr hat sich mit diesem Projekt eine Mammutaufgabe gestellt, die man bis jetzt aber gut gelöst hat. Der Renault-Prototyp musste für die Nordschleife kräftig Gewicht zuladen und bekam reichlich Leistung gestrichen. Damit funktionierte natürlich kein bekanntes Set-up mehr vernünftig. Mittlerweile hat man den Boliden gut fahrbar bekommen, auch wenn er sicher nie so gutmütig werden wird wie ein Audi R8 LMS oder Mercedes-AMG GT3.

Heiko Hammel, der bereits im GT-Masters Erfahrung im GT3-Boliden sammeln konnte, bezeichnet die Flunder als "das agilste Auto, das ich je gefahren bin." Das bedeutet im Verkehr Vorteile gegenüber den GT3-Fahrzeugen, bringt aber ein leicht zickiges Fahrverhalten mit sich. Das kann sich gerade in Spätphase des Rennens als nachteilig erweisen. "Physisch verlangt es mehr Aufmerksamkeit als ein GT3-Auto", bestätigt Dieter Schmidtmann, der zweite Pilot im Team.

Zu Hammel und Schmidtmann, die als Fahrer bereits vergangenes Jahr bereits auf dem Auto gesessen haben, gesellt sich mit Kuno Wittmer ein ehemaliger BMW-Werksfahrer mit viel GT-Erfahrung. Und der hat gleich richtig was vor. Auf die Frage, was seine Ziele 2018 seien, antwortet er kurz und knapp: "Sieg beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring." Das sitzt. Natürlich muss dafür einiges passieren, nur eines darf es nicht: Regnen. Denn dann kommt der Nachteil bei der Traktionskontrolle zum Tragen, die noch immer auf die leichtere und stärkere Ursprungsversion des Renault R.S.01 programmiert ist.

 

Christopher Zoechling, Luca Stolz, Stefan Landmann, Konrad Motosport, Lamborghini Huracan GT3
Christopher Zoechling, Luca Stolz, Stefan Landmann, Konrad Motosport, Lamborghini Huracan GT3

Foto Jan Brucke/VLN

Lamborghini: Reifenprobleme durchkreuzen Vorbereitung

Der bislang nur sporadisch eingesetzte Konrad-Lamborghini wird 2018 dank des Engagements der ehemaligen Walkenhorst-Piloten Matias Henkola und Michele di Martino Stammgast auf der Nordschleife: Konrad Motorsport wird den Huracan GT3 in der gesamten VLN-Saison einsetzen. Das hilft beim 24-Stunden-Rennen 2018 noch nicht viel, da es nur zwei VLN-Läufe und das Qualifikationsrennen im Vorfeld des Rennens gab.

Und da lief es alles andere als optimal: Der neue Reifenpartner Yokohama hatte zum VLN-Auftakt völlig ungeeignete Mischungen mitgebracht, die eine Reihe von Reifenschäden nach sich zogen. Franz Konrad zog die Notbremse: Seit VLN2 läuft der Huracan auf Michelin-Reifen. So gab es bei diesem Rennen eine Zielankunft, beim Qualifikationsrennen hingegen war man nach vier Runden draußen. Das erinnerte an das 24-Stunden-Rennen im Vorjahr, als Konrad Motorsport nur 14 Runden weit kam.

Ziel ist im Rennen, es mit dem WTM-Ferrari im Kampf um den Sieg in der Premium-Kategorie aufzunehmen. Nordschleifenspezialist Christopher Brück ist darüber hinaus die eine oder andere Überraschung im Qualifying zuzutrauen. am wichtigsten ist es jedoch erst einmal, ohne Defekte durchzukommen. Daran scheiterte es bislang am häufigsten.

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