"Noch nie so nervös": Stimmen der Nürburgring-Sieger von Phoenix-Audi

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"Noch nie so nervös": Stimmen der Nürburgring-Sieger von Phoenix-Audi
Autor:
Co-Autor: Mark Bremer
23.06.2019, 16:26

Was Schlussfahrer Dries Vanthoor sowie Pierre Kaffer, Frank Stippler und Frederic Vervisch nach ihrem Sieg bei den 24 Stunden am Nürburgring zu sagen haben

Die Piloten des Phoenix-Audi mit der Startnummer 4 - Pierre Kaffer, Frank Stippler, Frederic Vervisch und Dries Vanthoor - sind die großen Sieger des 24-Stunden-Rennens auf der Nürburgring-Nordschleife 2019. Der 21-jährige Belgier Vanthoor war es, der den Audi R8 LMS im letzten Stint des Rennens bewegte und somit als siegreiches Auto über die Linie brachte.

Vanthoor ist in Reihen des siegreichen Quartetts einer von drei Fahrern, die zum ersten Mal das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewonnen haben. "Es war schwierig, schnell und fehlerfrei zu sein. Ich wurde über den Abstand informiert und war sehr nervös, bevor ich ins Auto steigen musste", offenbart der junge Vanthoor im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

Warum? Eigentlich hatte Dries Vanthoor zu diesem Zeitpunkt mit einem finalen Bruderduell gerechnet, denn sein älterer Bruder Laurens Vanthoor gehörte zur Besetzung des lange Zeit führenden Manthey-Porsche mit der Startnummer 911, bevor sich dieser eben mit dem älteren Vanthoor am Steuer eine Zeitstrafe in Höhe von 5:32 Minuten einfing.

Kein finales Bruderduell, aber emotionale Begegnung

"Ich war noch nie so nervös", gesteht Sieger Dries Vanthoor mit Blick auf die Sekunden vor seinem Schluss-Stint. "Zuerst dachte ich, dass Laurens bis zum Ende fahren würde und ich hatte so den Gedanken: 'Okay, das kann lustig werden, wenn zwei Brüder gegeneinander antreten'" Dazu kam es letztlich aber nicht, weil Laurens Vanthoor den Manthey-Porsche für den letzten Stint an Kevin Estre übergab.

Fotos: 24h Nürburgring 2019

"Als ich meinen Helm aufsetzte, konnte ich einfach mein Ding machen", so der junge Dries Vanthoor, der sich freut, dass ihm das Phoenix-Team das Vertrauen für den letzten Stint gegeben hat: "Das war ein Zeichen für mich, dass sie an mich glauben. Ich habe versucht, während des Rennens so gut wie möglich zu fahren und das hat ziemlich gut funktioniert. Meine Teamkollegen waren auch sehr gut unterwegs. Alles war genau richtig."

Nachdem er selbst als Sieger im Ziel war kam es natürlich zur Begegnung mit Bruder Laurens, der bereits im Zielbereich wartete und sich maßlos über seinen Fehler ärgert. "Es war ziemlich emotional. Ich glaube, es ist sehr schlecht für ihn, dass er wegen eines so erbärmlichen Fehlers verloren hat. Das ist kein schönes Gefühl. Er war sehr glücklich für mich und ich war auch sehr glücklich für ihn, schließlich lag er lange Zeit im Rennen in Führung und war auch im Top-Qualifying sehr stark gewesen", so Dries Vanthoor.

Kaffer und Vervisch wie Vanthoor mit erstem Sieg

Neben Dries Vanthoor haben auch Pierre Kaffer und Frederic Vervisch erstmals in ihrer Karriere das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewonnen. "Dries hat eine fantastische Leistung gezeigt, genau wie alle anderen Fahrer auch auf diesem Auto", lobt Kaffer im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

Dries Vanthoor, Frank Stippler, Frederic Vervisch, Pierre Kaffer

Der Phoenix-Audi hatte über 24 Stunden das Glück des Tüchtigen, Fehlerlosen

Foto: Audi AG

In der Pressekonferenz führt Kaffer aus: "Wir standen ein bisschen mit dem Rücken zur Wand und haben eigentlich einfach nur versucht, aufrechtzuerhalten, was für uns möglich war. Wir wollten dann einfach schauen, wo wir rauskommen. Ich glaube, wir haben ein richtig tolles Rennen gesehen - auch mit unseren Schwesterautos. Wir waren immer in etwa auf dem gleichen Speed unterwegs und die Positionen haben mehrfach gewechselt. Das war auch für uns ein sehr heißes Rennen, aber es war immer fair."

Vervisch fügt hinzu: "Es war im Endeffekt ein 24-Stunden-Sprint. Jede Zehntelsekunde, die man verliert, lässt sich schwer wieder aufholen. Mit meinen drei Kollegen haben wir einen super Job gemacht und immer 200 Prozent gegeben. Wir hatten natürlich auch Glück, aber ich glaube, das Wichtigste war, dass wir keinen Fahrfehler gemacht haben und keinen Reifenschaden oder anderes mechanisches Probleme hatten."

Stippler nach Pechsträhne erleichtert: Zweiter Sieg in der Tasche

Und der vierte im Bunde - Frank Stippler - hat nun zwei Siege bei den 24 Stunden am Nürburgring auf dem Konto. "Für mich ist das fast nicht zu glauben, weil ich 2012 zum letzten Mal gewonnen hatte und seitdem persönlich eine ziemliche Saure-Gurken-Zeit durchgemacht habe. Wir haben auch heute wieder gesehen, dass man viel Glück braucht, um bei diesem Rennen heil durch zu kommen", so Stippler.

"Wenn man da nicht ein bisschen das Glück auf seiner Seite hat, fällt man eben aus. Das war bei mir von 2013 bis 2017 mehr oder weniger durchgängig der Fall. Irgendwann geht man dann schon mit einer Einstellung heran, dass man sich fragt: 'Kann das überhaupt noch anders laufen?'", gesteht der Routinier und merkt abschließend an: "Heute hatten wir uns Hoffnungen auf die Top 5 oder die Top 3 gemacht. Dass es aber bis zum Sieg reichen würde, ist kaum zu glauben und fast nicht in Worte zu fassen. Toll, das zu erleben!"

Für Schlussfahrer Dries Vanthoor ist es derweil nach dem Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Bathurst 2018 und dem Klassensieg in der GTE-Am bei den 24 Stunden von Le Mans 2017 nun im dritten Jahr hintereinander ein Triumph bei einem großen 24-Stunden-Rennen. "Darüber freue ich mich sehr. Es ist aber das erste Mal, dass ich ins Ziel gefahren bin. Sehr schön, dass das so geklappt hat", formuliert der junge Belgier nochmals seinen Dank an die Phoenix-Truppe für das Vertrauen, den Schluss-Stint fahren zu dürfen.

Weitere Co-Autoren: Heiko Stritzke. Mit Bildmaterial von Gruppe C.

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Autor Mario Fritzsche