24h Le Mans 2017: Die 10 wichtigsten Fragen

Sam Smith und Jamie Klein haben sich mit 10 Dingen beschäftigt, die bei den 24h von Le Mans im Jahr 2017 unbedingt beachtet werden müssen.

Wird Toyota weiterhin das Tempo angeben?

Das Tempo des Toyota TS050 Hybrid beim Test muss für Porsche sehr ernüchtern gewesen sein. Dabei hatte Kamui Kobayashi auf seiner besten Runde mit viel Verkehr auf der Strecke zu kämpfen.

Toyotas verbessertes Paket für das Jahr 2017 hat eine große Schlagkraft und der 8 Megajoule starke 2,4-Liter-Twin-Turbo-V6-Motor scheint den Vorteil, den er zu Beginn der Saison hatte, weiter beizubehalten.

Trotzdem wird das Qualifying-Resultat sicher nicht so deutlich ausfallen, wie die Ergebnisse vom Test. Trotzdem ist es nur schwierig vorstellbar, dass die schnellen Toyotas von Porsche getrennt oder gar geschlagen werden, wenn es ins entscheidende Qualifying geht.

Die Wettervorhersagen sagen Temperaturen von rund 30 Grad Celsius voraus. Daher könnte das Team einen Vorteil haben, das die Hitze der Motoren am besten managen kann.

#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin

Foto von: Marc Fleury

Hat Porsche noch Asse im Ärmel?

Porsche scheint sich in diesem Jahr nicht auf das Qualifying zu konzentrieren. Der deutsche Hersteller fokussiert sich hauptsächlich auf das Renntempo des relativ alten 919 Hybrids.

Aber nur ein Idiot würde Porsche unterschätzen, denn das Team gilt weiterhin als Kandidat für seinen 19. Le-Mans-Sieg. Die Fahrertrios sind im Jahr 2017 stärker als im vergangenen Rennen. Zudem hat Porsche auch bei den Boxenstopps einen Vorteil, da es das bewährte Radnuss-Gerät nutzt und über eine effizientere Tankanlage verfügt.

Zudem liegen Timo Bernhard, Brendon Hartley und Earl Bamber in der Gesamtwertung der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) nur 17 Punkte hinter Sebastien Bumie, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima.

Nach Le Mans wird auf Strecken gefahren, auf denen mehr Abtrieb gebraucht wird. Selbst wenn in Frankreich nur Schadensbegrenzung betrieben wird, könnte Porsche anschließend seine Chancen auf den 3. Titel in der WEC wahren.  

#1 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Neel Jani, Andre Lotterer, Nick Tandy
#1 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Neel Jani, Andre Lotterer, Nick Tandy

Foto von: JEP / LAT Images

Wird es einen neuen Qualifying-Rundenrekord geben?

In seiner besten Runde im Test, umrundete Kobayashi den Kurs in 3:18,132 Minuten. Ihm fehlten also nur 1,3 Sekunden auf den Rekord von Neel Jani aus dem Jahr 2015 (3:16,887 Minuten). Kann Toyota diesen Rundenrekord in diesem Jahr knacken?

Laut Wettervorhersage wird es das heißeste 24-Stunden-Rennen der vergangenen Jahre, weshalb Janis Zeit unterschritten werden könnte. Wenn mehr Gummi in der finalen Qualifyingsession auf der Strecke liegt, besteht die Möglichkeit, eine Runde von 3:15 Minuten zu fahren, sagen einige qualifizierte Beobachter.

#8 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Anthony Davidson, Sébastien Buemi, Kazuki Nakajima
#8 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Anthony Davidson, Sébastien Buemi, Kazuki Nakajima

Foto von: Marc Fleury

Wird sich der Fahrertausch von Toyota auszahlen?

Jose Maria Lopez hatte einen unglücklichen Start in seine WEC-Karriere. In seinem einzigen Rennen in Silvertone war der Argentinier in einen Unfall verwickelt. Folge war, dass Lopez das WEC-Rennen in Spa verpasste. Deshalb gab es auch einen Tausch mit Le-Mans-Veteran Stephane Sarrazin.

Lopez wird hingegen mit Nicolas Lapierre und Yuji Kunimoto im Toyota TS050 Hybrid mit der Startnummer 9 starten.

Man sollte es nicht falsch verstehen: Lopez ist ein herausragender Fahrer, aber für Langstreckenrennen benötigt man Erfahrung. Daher war der Fahrertausch die einzige logische Entscheidung seitens Toyota.

Sarrazin wurde unglücklicherweise degradiert, weshalb er seine Vollzeit-Rolle in der WEC verlor. Daher wird er umso motivierter sein, in Le Mans zu überzeugen. Er will sicher beweisen, dass er eine perfekte Ergänzung für Kobayashi und Mike Conway ist und als Pilot auf Abruf fungieren kann.  

Jose Maria Lopez, Toyota Gazoo Racing
Jose Maria Lopez, Toyota Gazoo Racing

Foto von: Rainier Ehrhardt

Kann ein LMP2-Fahrzeug auf dem Podium landen?

Es gibt eine einfache Antwort: Ja, es ist möglich. Da nur 6 LMP1-Fahrzeuge (und nur 5 Hybride) am Rennen teilnehmen, müssen die LMP2-Teams keinen großen Aufwand betreiben, um die Chance auf ein historisches Ergebnis in Le Mans zu erhalten.

Die Komplexität der LMP1-Fahrzeuge kann den Teams einige böse Überraschungen bereiten. Diese Probleme können jederzeit auftreten und das Aus eines Fahrzeugs bedeuten.

Aber auch die neue LMP2-Generation hat einige Probleme mit der Haltbarkeit, denn es ist schwieriger an einigen Bereichen des Autos zu arbeiten als in der Vergangenheit.

Trotzdem ist es nicht unmöglich, dass ein Alpine-, Jota-Sport-, TDS- oder DragonSpeed-Fahrzeug einen der Topplätze neben den größeren LMP1-Brüdern einnimmt.

#36 Signatech Alpine A470 Gibson: Gustavo Menezes, Romain Dumas, Matt Rao
#36 Signatech Alpine A470 Gibson: Gustavo Menezes, Romain Dumas, Matt Rao

Foto von: JEP / LAT Images

Werden die neuen LMP2-Fahrzeuge das Überholen im Verkehr beeinflussen?

Das Feedback der Fahrer ist nicht eindeutig. Während einige sagen, die schnelleren LMP2-Autos würden dazu führen, dass mehr Platz entsteht, um die GTE-Autos zu überholen, sagen andere Piloten, dass es durch die neuen Autos zu mehr Missverständnissen kommen könnte.

Laut Rebellion-Fahrer Nicolas Prost wird es in diesem Jahr zu keinem signifikanten Einfluss und damit zu keinen Problemen kommen.

"Für mich ist die Situation, bezogen auf die LMP1-Fahrzeuge, besser als im vergangenen Jahr", sagte er gegenüber Motorsport.com. "Als sie damals vor uns waren, wurden wir schneller, weshalb wir wieder überholen oder etwas von Gas gehen mussten. Das war nicht ungefährlich und nicht so toll."

"In diesem Jahr überholen sie uns und wenn ihr Geschwindigkeitsüberschuss weg ist, stabilisieren sich unsere Autos. Daher ist die Situation nun viel besser."

"Im Bezug auf die GTE-Autos und andere LMP2-Fahrzeuge ist es etwas komplizierter. Es wird in diesem Jahr viel Verkehr geben. Es gibt in der LMP2-Kategorie viele Einschreibungen und manche Teams sind noch nicht auf einem wettbewerbsfähigen Level. Das kann zu einigen Problemen führen."

#31 Vaillante Rebellion Racing Oreca 07 Gibson: Nicolas Prost, Julien Canal, Bruno Senna
#31 Vaillante Rebellion Racing Oreca 07 Gibson: Nicolas Prost, Julien Canal, Bruno Senna

Foto von: JEP / LAT Images

Kann ByKolles die LMP2-Fahrzeuge schlagen?

Der einzige private LMP1-Bolide im Feld wird sich eher im Kampf mit den 25 LMP2-Fahrzeugen wiederfinden, als sich mit den anderen LMP1-Autos zu messen. Die Frage ist, ob Oliver Webb, Dominik Krailhamer und Marco Bonanomi die Peinlichkeit verhindern können, von den LMP2-Fahrzeugen geschlagen zu werden.

Im vergangenen WEC-Rennen in Spa lief es für ByKolles gut. Das Team fuhr ein sauberes Rennen und landete auf Platz 6 mit einer Runde Vorsprung auf den besten LMP2-Rennstall. Trotzdem war das Fahrzeug im mittleren Sektor langsamer als die LMP2.

Der Vorteil auf den Geraden von Le Mans, den man erwartet hatte, war bei den Tests in Frankreich nicht existent. Webb machte jedoch klar, dass die theoretisch schnellste Runde des Teams, die aus den schnellsten Sektorenzeiten der verschiedenen Runden zusammengestellt wurde, 2,5 Sekunden schneller war als die des besten LMP2-Teams.

Der wichtigste Faktor wird aber wieder die Haltbarkeit sein, ein Punkt, der noch nie zu den Stärken des Teams gehörte. Der Wechsel zu einem Nissan-Motor im Winter hat die Haltbarkeit des Fahrzeugs aber enorm gesteigert. Sollten die Piloten keine Fehler machen und das Team ein fehlerfreies Rennen erleben, könnte ByKolles eine oder 2 Runden Vorsprung auf das beste LMP2-Fahrzeug herausfahren.  

#4 ByKolles Racing CLM P1/01: Oliver Webb, Dominik Kraihamer, Marco Bonanomi
#4 ByKolles Racing CLM P1/01: Oliver Webb, Dominik Kraihamer, Marco Bonanomi

Foto von: JEP / LAT Images

Wer wird sich in der GTE-Pro-Wertung durchsetzen?

Im vergangenen Jahr gab es in der LMGTE-Pro-Wertung ein erinnerungswürdiges aber auch kontroverses Finale. Das Jahr 2017 verspricht noch einen engeren Wettbewerb zwischen den 5 prestigeträchtigen Herstellern.

Die heißen Bedingungen sind für die LMGTE-Fahrzeuge nicht einfach und die Strategie wird ein signifikanter Faktor sein. Gerade die Vorderreifen haben großen Einfluss, weshalb sich vor allem Aston Martin mit seinen V8s und der Dunlop-Bereifung einen Vorteil verschaffen könnten.

Porsche kehrt mit einem vollwertigen Werksteam zurück und startet mit 2 brandneuen, durch Mittelmotoren angetriebenen 911 RSR ins Rennen. Auch die Pratt & Millner wird mit der Corvette um seinen 9. Klassensieg kämpfen.

Die Augen werden aber vermutlich auf einen 2. Kampf zwischen Ferrari und Ford liegen. Schon vorher gab es ein Wortgefecht, in dem sich Sam Bird zum Tempo von Ford äußerte.

Es ist natürlich zu hoffen, dass das Gefecht zwischen den beiden Herstellern auf der Strecke ausgetragen wird und nicht nur daneben.

#71 AF Corse Ferrari 488 GTE: Davide Rigon, Sam Bird, Miguel Molina
#71 AF Corse Ferrari 488 GTE: Davide Rigon, Sam Bird, Miguel Molina

Foto von: Marc Fleury

Rehabilitiert sich Aston Martin in der GTE-Am-Wertung?

Die Frage, ob sich Toyota vom Drama aus dem vergangenen Jahr erholt, ist in aller Munde. Aber auch in der GTE-Am-Kategorie könnte es zu einer romantischen Wendung kommen.

Vor 2 Jahren lag der Aston Martin von Pedro Lamy, Mathias Lauda und Paul Dalla Lana 4 Stunden vor Schluss klar in Führung. Der Traum vom Sieg platzte jedoch, als das Fahrzeug in der Ford Schikane in die Barriere knallte. Die verloren gegangenen Punkte hatten zudem einen Einfluss auf den Ausgang um den WEC-Titel, den das Team mit Leichtigkeit gewonnen hätte.

Nach dem Sieg beim vergangenen WEC-Rennen in Spa gilt Aston Martin als Favorit auf den Klassensieg. Zudem mausert sich Dalla Lana immer mehr zum besten Bronze-Pilot der Serie.

Druck erhält das Team jedoch von Porsche und Ferrari. Dempsey-Proton, Scuderia Corsa und JMW haben ebenfalls gute Chancen, ein Wörtchen um den Rennsieg mitzureden.

#98 Aston Martin Racing Aston Martin Vantage: Paul Dalla Lana, Pedro Lamy, Mathias Lauda
#98 Aston Martin Racing Aston Martin Vantage: Paul Dalla Lana, Pedro Lamy, Mathias Lauda

Foto von: JEP / LAT Images

Wie machen sich die Rookies im Feld?

In diesem Jahr werden viele Piloten ihr Debüt in Le Mans geben. Darunter sind jedoch einige hochkarätige Piloten, die ihr Können bereits in verschiedensten Motorsportkategorien unter Beweis gestellt haben.

Ganz vorne weg geht beispielsweise Rubens Barichello. Der sechsmalige F1-Sieger fährt für das Racing Team Niederlande in der LMP2-Kategorie. Bemerkenswert ist, dass Barichello sein Debüt auf der legendären Strecke in Le Mans erst im Alter von 45 Jahren geben wird. Zusammen mit seinen Teamkollegen Frits van Eerd und Jan Lammers kommt das Team auf ein kumuliertes Alter von 156 Jahren.

Es gibt weitere starke Debütanten, die vor allem in der LMP2-Kategorie zum Einsatz kommen. Darunter sind beispielsweise Ex-F1-Pilot Jean-Eric Vergne (Manor), F3-Champion Felix Rosenqvist (DragonSpeed) und Renault-F1-Testpilot Sergey Sirotkin (SMP Racing).

Aufgrund der Verletzung des Franzosen Sebastien Bourdais wird IndyCar-Kollege Tony Kanaan für Ford sein Le-Mans-Debüt geben. Der 42 Jährige fährt zusammen mit Joey Hand und Dirk Müller, die versuchen werden, den Titel zu verteidigen.

#68 Ford Chip Ganassi Racing Ford GT: Joey Hand, Dirk Müller, Tony Kanaan
#68 Ford Chip Ganassi Racing Ford GT: Joey Hand, Dirk Müller, Tony Kanaan

Foto von: JEP / LAT Images

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Rennserien Le Mans , WEC
Veranstaltung 24h Le Mans
Rennstrecke Le Mans
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Tags antworten, fragen, le mans