Sébastien Buemi

Kolumne von Buemi: Mit Le Mans verbindet mich eine Hassliebe

In seiner ersten Kolumne für Motorsport.com spricht der Schweizer über die Enttäuschung bei den 24 Stunden von Le Mans und seine Situation in der WEC und Formel E.

Es freut mich, ab sofort für Motorsport.com über meine Erlebnisse in der FIA WEC mit Toyota und in der FIA Formel E mit Renault zu berichten und an dieser Stelle auch persönliche Gedanken zu äussern.

Mittlerweile sind mehr als zwei Wochen seit den 24 Stunden von Le Mans vergangenen. Trotz der optimalen Ausgangslage verlief dieses Rennen für Toyota und mich wieder nicht so, wie wir es uns gewünscht hatten. 

Wenn man die ersten zwei Rennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft gewonnen und dann in Le Mans die Pole Position mit mehr als zwei Sekunden Vorsprung geholt hat, dann fühlt man sich irgendwie als Favorit. Aus diesem Grund bin ich natürlich enttäuscht, dass wieder nichts aus dem Sieg geworden ist. 

 

Unsere Aufholjagd hat sich gelohnt

Mindestens ein Auto hatten wir bis zum Ende ganz vorne erwartet. Dass gleich alle drei Teams Probleme hatten, war schwierig zu akzeptieren. Wir sind daran, alles zu analysieren, was man noch besser machen kann. Damit wir aus diesen Fehlern lernen, falls wir 2018 nach Le Mans zurückkehren. 

 

Mein Auto #8 fiel leider sehr früh aus der Entscheidung um den Gesamtsieg. Es gab ein Problem mit dem E-Motor für die Vorderachse, das zuvor noch nie aufgetreten ist. Am Toyota TS050 ist der Wechsel des Elektromotors, bei dem auch die Batterie entfernt werden muss, sehr zeitaufwändig.

Der siegreiche Porsche benötigte zur Behebung eines ähnlichen Problems nur etwa eine Stunde, also die Hälfte unserer Zeit. Man kann nicht das Konzept des Autos ändern, nur um den E-Motor in einer halben Stunde zu wechseln. Wir waren sicher, dass dies im Rennen nicht nötig sein wird. Das an unserem Auto aufgetretene Problem war wirklich nicht vorauszusehen und sollte sich auch nie mehr wiederholen... 

 

Nach der Reparatur lief unser Toyota einwandfrei. Wir haben alles aus dem Auto herausgeholt, aber ohne unnötige Risiken einzugehen. Denn nach unserer langen Standzeit in der Garage war klar, dass wir das Rennen nicht mehr gewinnen, aber noch weit vorne beenden konnten. 

Wir haben als Führende in der Weltmeisterschaft daher nur noch daran gedacht, möglichst viele Punkte mitzunehmen. Wir kamen als Achte ins Ziel und rückten nach der Disqualifikation des drittplatzierten Vaillante Rebellion noch auf P7 auf. Das ergab im Endeffekt 16 wichtige Punkte.

 

Vor drei Jahren erging es uns ähnlich

Trotz unseres schlechten Resultats in Le Mans liegen wir in der WM somit nur 17 Punkte hinter dem Siegertrio von Porsche. Wenn wir in den nächsten 6-Stunden-Rennen wieder genauso schnell sind wie in Silverstone und Spa, sind unsere WM-Titelchancen weiterhin absolut intakt.

2014 erging es uns übrigens ähnlich. Wir gewannen die ersten beiden Saisonrennen und kamen als Favoriten nach Le Mans. In der Anfangsphase des Rennens hatte Nicolas Lapierre mit unserem Auto im Regen einen Unfall, worauf wir auf P56 zurückfielen. 

 

Weil wir damals nur 40 Minuten für die Reparaturarbeit in der Garage benötigten, konnten wir uns bis zur Zielflagge an die dritte Stelle verbessern und sind am Jahresende Weltmeister geworden.

Meine Hassliebe zu Le Mans bleibt also bestehen. Schon dreimal hatte ich die Chance, dieses Rennen mit Toyota zu gewinnen und habe dabei als Fahrer nie einen Fehler gemacht. Das ist schwierig zu akzeptieren. Aber gerade deswegen ist dieses Rennen so schön, weil es so schwierig zu gewinnen ist.

Ich werde sicher auf dem Nürburgring starten

Ich schaue jetzt nur noch nach vorne. Nach Le Mans gilt die ganze Konzentration der Weltmeisterschaft, um für Toyota den Titel bei den Herstellern zu sichern und mit unserer Nummer #8 auch die Fahrer-WM zu holen. 

Dazu werde ich natürlich gebraucht, und ich selbst möchte ja ebenfalls nochmals Weltmeister werden, wenn es mit dem Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans schon nicht geklappt hat.

Trotz der Terminüberschneidung mit der Formel E in New York werde ich daher am 16. Juli sicher für Toyota bei der WEC auf dem Nürburgring an den Start gehen. Ich hoffe, dass mein Vorsprung von 32 Punkten auf Lucas di Grassi durch meine Abwesenheit in den USA nicht vollständig schrumpfen wird...

 

  

 

 
 

 

 
 

Jetzt ein Teil von etwas Großem werden!

Einen Kommentar schreiben
Kommentare anzeigen
Über diesen Artikel
Rennserien Le Mans , Formel E , WEC
Veranstaltung 24h Le Mans
Unterveranstaltung Nach dem Rennen, Sonntag
Rennstrecke Le Mans
Fahrer Sébastien Buemi
Teams Toyota Racing , DAMS
Artikelsorte Kolumne
Tags schweiz
Topic Sébastien Buemi