"Vertraue deinem Hintern": Kristensens Ratschlag für Le-Mans-Rookies

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Mario Fritzsche
Autor: Mario Fritzsche , Redakteur
16.06.2017, 14:03

Le-Mans-Rekordsieger Tom Kristensen erinnert sich an die Anfänge seiner Erfolgsserie beim 24-Stunden-Rennen an der Sarthe und gibt nun Ratschläge weiter – 53 Rookies im Feld der 180 Le-Mans-Teilnehmer 2017.

LMP1-Podium: 1. Allan McNish, Tom Kristensen und Loic Duval mit Wolfgang Ullrich
Tom Kristensen, FIA-Rennkommissar
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Tom Kristensen, FIA-Rennkommissar
#24 CEFC Manor Oreca 07 Gibson: Tor Graves, Jonathan Hirschi, Jean-Eric Vergne
#7 Joest Racing TWR, Porsche WSC 95: Michele Alboreto, Stefan Johansson, Tom Kristensen
Podium: 1. Tom Kristensen, Stefan Johansson, Michele Alboreto, Joest Racing, TWR Porsche
Jose Maria Lopez, Toyota Gazoo Racing
Yuji Kunimoto, Toyota Gazoo Racing
Rubens Barrichello, Racing Team Nederland
Jean-Eric Vergne, CEFC Manor
Tony Kanaan, Chip Ganassi Racing Chevrolet
Davide Rigon, Sam Bird, Miguel Molina, AF Corse
Dirk Werner, Porsche Team
Dries Vanthoor, JMW Motorsport

Seit seinem Rücktritt vom aktiven Rennsport Ende 2014 verfolgt Tom Kristensen diverse Rennserien aus einer anderen Perspektive. Dabei beschränkt sich der Däne jedoch nicht nur auf gemütliches Zuschauen.

Für seinen langjährigen Arbeitgeber Audi trat Kristensen als Botschafter auf, als die Marke noch in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) und damit bei den 24 Stunden von Le Mans am Start war.

In der Startaufstellung für die 85. Auflage der 24 Stunden von Le Mans, die am Samstag um 15:00 gestartet wird, sucht man einen Audi vergeblich. Kristensen ist trotzdem in Le Mans und tritt als TV-Experte für Eurosport auf.

Zudem war der 49-Jährige in den vergangenen Jahren mehrfach bei Formel-1-Rennen vor Ort, um die Rennkommissare mit seiner fahrerischen Expertise zu unterstützen.

Schmaler Grat in Le Mans

Ein weiterer großer Aspekt, dem sich Kristensen seit seinem Rücktritt widmet, ist das Thema Nachwuchsförderung. Dabei lässt der neunmalige Le-Mans-Sieger seine ganze Erfahrung einfließen und gibt Ratschläge, die ihm einst selbst mit auf den Weg gegeben wurden, weiter.

"Zunächst einmal musst du die Leidenschaft mitbringen. Und es muss dir klar sein, dass Le Mans ein unglaublich anspruchsvolles Rennen ist", sagt Kristensen kurz vor der 85. Auflage des Langstreckenklassikers.

Bildergalerie: 24h Le Mans 2017

Worum es in Le Mans unterm Strich geht? "Es geht um den schmalen Grat zwischen Attacke und Respekt und darum, deine Wohlfühlzone zu finden", weiß "Mister Le Mans".

"Trust your butt"

Den 1. seiner 9 Le-Mans-Siege holte Kristensen als Rookie im Jahr 1997 im TWR-Porsche von Joest Racing. Die Teamkollegen des Dänen waren damals Stefan Johansson und Michele Alboreto. Sowohl von Alboreto, der 4 Jahre später bei Testfahrten am Lausitzring tödlich verunglückte, als auch von Teamchef Reinhold Joest hat Kristensen wichtige Lektionen gelernt, wie er sagt.

"Im Team geht es um das Gefühl, dass alle an einem Strang ziehen. Wenn du aber ins Auto steigst, wird dir nur noch ein Ratschlag mit auf den Weg gegeben", bemerkt Kristensen und formuliert diesen Ratschlag mit Nachdruck: "Trust your butt".

Die Empfehlung, im Cockpit seinem eigenen Hintern zu vertrauen, sei "der beste Ratschlag, den man bekommen kann", so Kristensen. "Man kann noch so viel reden und man kann sich noch so gut vorbereiten. Im Auto aber bist du auf dich allein gestellt. Dann musst du es einfach umsetzen."

Diesen Ratschlag hat Kristensen auch nach seinem Sieg als Le-Mans-Rookie bestens umgesetzt. Nach 1997 gelangen ihm in den Jahren 2000 bis 2005 sage und schreibe 6 Le-Mans-Siege in Folge.

Dabei fuhr der Däne für das Audi-Team von Joest, für Bentley sowie für die Audi-Kundenteams Team Goh und Champion Racing.

Le-Mans-Sieg Nummer 8 gelang Kristensen im Jahr 2008 mit Audi, den 9. holte sich "Mister Le Mans" im Jahr 2013 ebenfalls mit Audi.

Le Mans 2017: Fast ein Drittel des Feldes sind Rookies

Im diesjährigen Starterfeld für die 24 Stunden von Le Mans, das insgesamt 180 Fahrer umfasst, gibt es nicht weniger als 53 Rookies, die sich Kristensens Ratschlag zu Herzen nehmen werden.

In der Topklasse LMP1 sind es 2 Rookies: Jose Maria Lopez und Yuji Kunimoto, die beide für den #9 Toyota gemeldet sind. In der LMP2-Klasse treten sage und schreibe 32 Rookies an, darunter Formel-1-Rekordstarter Rubens Barrichello (#29 Dallara vom Racing Team Nederland) und der ebenfalls ehemalige Formel-1-Pilot Jean-Eric Vergne (#24 Oreca von Manor).

In der GTE-Pro-Klasse fahren 3 Rookies mit: IndyCar-Star Tony Kanaan (#69 Ford), Ex-DTM-Pilot Miguel Molina (#71 Ferrari) und Dirk Werner (#92 Porsche). In der GTE-Am-Klasse gibt es 16 Rookies, darunter Dries Vanthoor. Der 19-jährige Bruder von Laurens Vanthoor fährt den #84 JMW-Ferrari.

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