Kommentar zur FIM Endurance: Termin-Chaos sorgt für Unmut

Alle Läufe der Langstrecken-Weltmeisterschaft überschneiden sich mit der Superbike-WM. Oschersleben versucht das Chaos zu retten. Unmut ist dennoch vorprogrammiert.

Seit Eurosport-Events die Vermarktung der FIM Endurance World Championship, der Langstrecken-Weltmeisterschaft, übernommen hat, ist 2016 ein neues, Saisonübergreifendes Format eingeführt worden, bei dem nun das Finale im Juli in Suzuka steigt. Die erste Saison mit diesem Format ist passe, doch für das zweite Jahr zeichnet sich nun ein wahres Desaster ab.

Alle Termine, die nun 2018 anstehen, überschneiden sich mit der MotoGP- und der Superbike-Weltmeisterschaft – oder beiden. Die MotoGP-Überschneidungen können dabei sicher vernachlässigt werden, die Stars aus diesen Klassen gehen, wenn dann, in Suzuka an den Start – und diese legendären 8 Stunden liegen in der Sommerpause beider Sprint-Weltmeisterschaften.

Wenn das neue Jahr im April in Le Mans mit den 24-Stunden eingeläutet wird, fährt die MotoGP in Texas und die Superbike-WM in Assen. An allen drei Terminen gibt es nichts mehr zu rütteln.

In der Woche vom 12./13. Mai gastiert die Langstrecke auf dem Slovakiaring, die Superbiker fahren in Imola. Am Himmelfahrtswochenende fehlen also wieder die Stars der WorldSBK.

Oschersleben verschiebt!

Die traditionelle Speedweek von Oschersleben hat nun aber reagiert. Ursprünglich war der Termin auf das Wochenende vom 09./10. Juni angesetzt. Ein Problem für viele, denn am 08. Juni fehlen die meisten Road Racer wie Horst Saiger oder das Team von Rico Penzkofer, da an diesem Tag mit der Senior TT das Highlight der Isle of Man Road Races stattfindet. Zeitgleich kehrt die Superbike-Weltmeisterschaft nach Brünn zurück.

Oschersleben hat reagiert und die Speedweek daher eine Woche nach hinten verschoben, neu finden die 8 Stunden von Deutschland am 16. Juni statt.

"Wir haben jetzt noch mal verschoben, weil bei uns am gleichen Wochenende die Superbike-WM in Brünn reingekommen war", so Speedweek-Organisator Ottmar Bange zu Motorsport.com. "Der Termin ist jetzt zu 99 Prozent sicher, weil es fast gar nicht anders geht."

Wo liegen die Probleme bei Überschneidungen?

Wie Eingangs schon erwähnt, kann das Problem der MotoGP-Überschneidungen vernachlässigt werden. Allerdings bedienen sich viele Teams der Langstrecke im Fahrerlager der Superbike-Weltmeisterschaft.

Mit dem – derzeit anzunehmenden – Wegfall der IDM, beziehungsweise der vielen Ungereimtheiten und Unsicherheiten, ob diese stattfinden wird, sind viele Spitzen-Teams und Fahrer in den FIM Superstock 1000 Cup abgewandert. Darunter zählen Fahrer wie Markus Reiterberger, Jan Bühn und Julian Puffe. Alle drei sind leidenschaftliche Langstrecken-Sportler und wenigstens Bühn und Puffe hatten sichere Verträge für die Endurance in der Tasche.

Doch an zwei Rennstrecken gleichzeitig können nicht mal die schnellsten der Schnellen fahren.

Die Teammanager von GERT56 – Karsten Wolf – und Völpker NRT48 – Ingo Nowacyzk – haben daher seit Wochen die Köpfe voll, geeigneten Ersatz zu finden.

Zumindest die Terminverschiebung von Oschersleben macht nun aber den Weg frei, dort richtig angreifen zu können.

Machtlose Veranstalter?

Die Probleme der Terminüberschneidungen sind hausgemacht. Durch das Jahresübergreifende Saison-Format, sind Eurosport-Events die Hände gebunden, was die Beachtung der Terminierung in anderen Rennserien angeht.

Wenn im Juli in Suzuka das Finale steigt, muss der Kalender für die neue Saison fest stehen. Damit sind die einstigen Ziele von "keine Überschneidung mit MotoGP und WorldSBK" nicht mehr stemmbar – denn diese Kalender werden erst im Oktober oder November publik gemacht. Und bei der Dorna schaut man gewiss nicht auf die Termine der Endurance.

Aber auch von den einstigen Zielen, die Langstrecken-Weltmeisterschaft auch in Wintermonaten zwischen November und Februar irgendwo auf der Welt fahren zu lassen, wo es warm ist, haben sich bislang nicht in die Tat umsetzen lassen.

Keine Frage, das Finale in Suzuka 2017 war ein mehr als würdiges – doch als Rand-Rand-Sportart in einem ganzen Randsportart-Konstrukt, welches der Motorradrennsport nun einmal ist, wird es schwer, noch irgendjemanden von einer Saison in zwei Jahren zu begeistern.

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