Aegerter: "Mein Rezept? Keine Panik und Vollgas!"

Drei Jahre nach seinem ersten GP-Triumph auf dem Sachsenring gestaltete sich das Regenrennen in Misano am Sonntag zur Domi-Show. Diese hatte er nie erwartet: "Als ich den Regen sah, traute ich meinen Augen nicht…"

Diesen 10. September 2017, der in die Geschichte des Schweizer Motorsports eingeht, wird Dominique Aegerter wohl nie mehr vergessen. Wenn ein Spiel schwierig wird… dann beginnen die Schweizer scheinbar zu spielen. Wenn die anhaltenden Niederschläge die Pläne und Strategien der meisten Moto2-Piloten durchkreuzt haben, dann haben sie sich für Dominique Aegerter und Tom Lüthi auf dem Misano World Circuit geradezu als Glücksfall erwiesen.

Der dritte Platz in der ersten Startreihe neben Mattia Pasini und Franco Morbidelli war für "Domi" bereits eine hervorragende Ausgangslage, die er nach dem Sturz des WM-Leaders auch optimal ausnutzte. Der die ganze Saison lang im Schatten seines Kantonskollegen gestandene Berner übernahm die Spitze und gab sie nicht mehr ab.

Um seinen zweiten Triumph in der zweithöchsten Motorradklasse sicherzustellen, musste der Rohrbacher allerdings ständig seine Verfolger Tom Lüthi und Hafizh Syahrin im Auge behalten. Lüthi gab sich schliesslich mit dem zweiten Platz hinter seinem Landsmann zufrieden, der historische Schweizer Doppelsieg war damit aber Tatsache.

"Fantastisch, was für eine Sensation! Auf diesen süssen Moment hatte ich drei Jahre lang warten müssen. Ich bin überglücklich, für mich und das ganze Team. Ich widme diesen Sieg allen, die an mich geglaubt und mich auch in schwierigen Zeiten nicht haben fallen lassen", äusserte sich Aegerter sichtlich gerührt.

Trotz des grandioses Ausgangs dieses Regenrennens verheimlicht der Pilot von Kiefer Racing seine Sorgen nicht, die ihn am Sonntagmorgen beim Blick aus dem Fenster befielen. "Zuerst habe ich meinen Augen nicht getraut. Die dritte Startposition war auf eine optimale Strategie und eine richtig gute Pace im Trockenen zurückzuführen. Daher habe ich gedacht, das unser Plan heute nicht aufgehen würde. Nein, am Regen hatte ich gar keine Freude."

Was war das für ein Gefühl ganz oben auf dem Podium? "Wunderbar. Aber die letzten Runden dauerten eine gefühlte Ewigkeit…"

Die Bedingungen, betont Aegerter, seien wirklich schwierig gewesen. "An manchen Stellen stand das Wasser auf der Strecke. Nachdem Franco vor mir gestürzt war, zwang ich mich, ruhig zu bleiben und nicht allzu sehr zu pushen. Ich wollte dieses Rennen unbedingt gewinnen und hätte mich auch sehr breit gemacht, falls Tom zum Schluss noch eine Attacke geritten hätte. Ich denke jedoch, dass er keine unnötigen Risiken eingehen und lieber seinen zweiten Platz sicher nach Hause bringen wollte", rapportierte der Sieger des 13. WM-Laufs von 2017.

 

Aegerter ist sich durchaus bewusst, was für ein spezieller Tag dies für den Schweizer Sport war. "Ich und Tom habe heute sicher Geschichte geschrieben. Zwei Schweizer auf den obersten Stufen eines GP-Podiums ist etwas Aussergewöhnliches. Für eine kleine Nation wie die Schweiz, die nicht einmal über eine eigene Rundstrecke verfügt, ist das ein Moment, der lange in Erinnerung bleiben wird."

Schliesslich bringt der nun zweifache GP-Sieger, der im WM-Zwischenklassement den achten Rang belegt, einen weiteren Gedanken ins Spiel: "Das Ganze ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, wie viele Italiener in der Moto2 am Start sind. Sie hatten am vergangenen Wochenende gegenüber uns sicher einen Heimvorteil."

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Über diesen Artikel
Rennserien Moto2
Veranstaltung Misano
Rennstrecke Misano World Circuit Marco Simoncelli
Fahrer Dominique Aegerter
Artikelsorte Interview
Tags dominique aegerter, moto2, schweiz