Argentinien: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

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Argentinien: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat
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01.04.2019, 05:31

Redakteur Sebastian Fränzschky befasst sich mit MotoGP-Pechvogel Maverick Vinales, dessen Neustart bisher noch keine Früchte trug

Liebe Motorradsportfreunde,

die aufmerksamen Leser unter Ihnen werden sich erinnern, dass Maverick Vinales in der Kolumne nach dem Saisonstart in Katar mit einem blauen Auge davonkam. Durch den Protest gegen Ducati rückte sein Fehlstart in das neue Jahr etwas in den Schatten. Doch beim Grand Prix von Argentinien bestätigte sich das, was ich bereits nach dem MotoGP-Auftakt auf dem Losail International Circuit ahnte: Es gibt keinen "neuen" Maverick Vinales. Es steht außer Frage, dass der hoch gehandelte Yamaha-Star nicht gut geschlafen haben kann.

Neue Crew, neue Startnummer, neuer Antrieb: Vinales erfand sich nach der enttäuschenden Saison im Vorjahr neu und wollte im dritten Anlauf mit Yamaha endlich nach der MotoGP-Krone greifen. Im Winter machte der 24-Jährige seinen Fans Mut, als er Yamahas neuen Motor und die allgemeine Entwicklungsrichtung lobte. Im Vergleich zu Teamkollege Valentino Rossi konnte Vinales regelrecht glänzen. Alles war besser. Vinales strotzte vor Motivation. Die neue Saison konnte kommen. 

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Schon 36 Punkte Rückstand auf Marc Marquez

Nach zwei Rennen steht der WM-Mitfavorit mit neun mageren Punkten da und liegt in der Fahrerwertung auf Position elf. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass Vinales' Rückstand beim kommenden Rennen in Austin weiter anwächst. Auf Marc Marquez' Paradestrecke wird es für Yamaha darum gehen, Schadensbegrenzung zu betreiben. Vinales wird also höchstwahrscheinlich mit einem ordentlichen Rückstand zum Europaauftakt nach Jerez reisen.

Maverick Vinales

Vor dem Saisonstart in Katar waren die Hoffnungen groß

Für den Ausfall in Argentinien konnte der Mann aus Figueres nichts. Am Ende der Saison fragt aber niemand, wer wie viel Schuld an solch einem Zwischenfall hatte. Und selbst ohne die Kollision wäre der Grand Prix in Termas de Rio Hondo für Vinales eine ordentliche Enttäuschung gewesen. Vor dem Sturz kämpfte der ehemalige Moto3-Weltmeister um Platz sieben.

Dabei zählt der Kurs zu den fünf Strecken, auf denen Vinales bereits ein MotoGP-Rennen gewinnen konnte. Schon nach dem siebten Platz auf der Yamaha-Paradestrecke in Katar vermutete ich, dass Vinales' Testzeiten nichts wert waren. Im Gegenteil: Es bestätigte sich genau das, was Teamkollege Rossi bei allen Wintertests ankündigte. Yamaha liegt wie in den vergangenen Jahren zurück.

Die Starnummer 12 bringt kein Glück in Argentinien

Mit Blick auf die WM-Wertung befürchte ich, dass der Zug für Vinales abgefahren ist. Es ist natürlich etwas leichtsinnig, nach nur zwei von 19 Rennen so zu denken. Aber im Moment spricht alles gegen die Startnummer 12. Apropos Startnummer: Tom Lüthi und Filip Salac brachte die Nummer 12 in der Moto2 und in der Moto3 ebenfalls kein Glück. Lüthi und Salac kamen wie Vinales zu Sturz und gingen leer aus.

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2. Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing

2. Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing
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Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing

Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing
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Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing

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Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing

Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing
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Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing

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Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing, mit Julian Simon

Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing, mit Julian Simon
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Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing

Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing
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Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing

Maverick Vinales, Yamaha Factory Racing
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Momentan fällt es mir nicht leicht, Argumente zu finden, mit denen ich den Vinales-Fans Mut machen könnte. In den vergangenen Jahren zeigte der Spanier einige Male, dass er einen freien Kopf braucht, um gute Leistungen zu zeigen. Intern brodelte es im Vorjahr, als er mit Crewchief-Legende Ramon Forcada aneinander geriet. Das führte dazu, dass Vinales bei einigen Rennen vergeblich nach dem Anschluss suchte.

Bisher zahlte sich der Wechsel des Crew-Oberhaupts für Vinales nicht aus. Dafür freut sich ein anderer Fahrer: Ramon Forcada kam im Petronas-Kundenteam unter und ermöglichte Morbidelli in Argentinien den Kampf mit Vinales. Scheinbar hat der erfahrene Spanier, der Jorge Lorenzo zu drei WM-Titeln verhalf, nicht verlernt, wie man die Yamaha M1 abstimmen muss.

Erneutes Duell Honda gegen Ducati?

Rossis zweiter Platz in Termas de Rio Hondo mag ein wenig darüber hinwegtäuschen, dass die Yamaha M1 einige offensichtlich Schwachstellen hat. Ich möchte das Yamaha-Duo nicht vorzeitig abschreiben. Wenn alles passt, dann können Rossi und Vinales sicher Rennen gewinnen.

Maverick Vinales, Valentino Rossi

Kann Yamaha doch noch in den Kampf um den Titel eingreifen?

Es würde mich aber überraschen, wenn Yamaha mit Honda und Ducati um die Meisterschaft kämpfen kann. Ich lasse mich natürlich gern vom Gegenteil überraschen, denn ein Dreikampf ist spannender und weniger vorhersehbar als das Duell Marquez gegen Dovizioso.

Hoffen wir, dass sich Vinales jetzt an einem Wendepunkt befindet und die Rückschläge des Saisonstarts schnell abhakt. An dieser Stelle drücke ich ihm natürlich auch die Daumen, dass die kleinen Verletzungen keine Auswirkungen auf die kommenden Rennen haben. Im Qualifying weiß Vinales bereits, wie er das Potenzial der 2019er-Yamaha nutzen kann. Jetzt gilt es, das auch an den Sonntagen zu bestätigen. Und dann werden die Nächte für die Startnummer 12 mit Sicherheit wieder erholsamer.

Ihr,
Sebastian Fränzschky

Mit Bildmaterial von LAT.

 
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Rennserie MotoGP
Autor Sebastian Fränzschky
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