MotoGP-Duell bis zur letzten Kurve: Dovizioso und Marquez schwärmen

Der Kampf der WM-Rivalen erreichte beim MotoGP-Rennen in Motegi einen erneuten Höhepunkt - Der Zweikampf aus der Sicht von Andrea Dovizioso und Marc Marquez.

Wer dachte, dass sich das Herzschlagfinale von Spielberg nicht mehr toppen lässt, wurde beim Großen Preis in Japan eines Besseren belehrt. Das MotoGP-Duell zwischen Andrea Dovizioso und Marc Marquez ging dort in eine neue Runde (Rennbericht hier). Dabei schenkten sich beide trotz der widrigen Bedingungen nichts. Denn in Motegi regnete es, was nicht nur den Grip und die Reifenhaltbarkeit beeinträchtigte, sondern auch für schlechte Sicht sorgte.

"Die Sicht heute war sehr schwierig", bestätigt Honda-Pilot Marquez. "Ich hatte Glück am Start, dass ich Erster war, aber ich konnte dann die Temperatur im Reifen nicht so halten. Als sie mich überholt haben, wurde es noch schwieriger. Vor allem als mich Dovi überholt hat. Schon mit nur einem Bike vor mir habe ich viel Zeit verloren auf einer Runde, weil ich alle meine Referenzpunkte nicht mehr hatte. Es war knifflig, sich anzupassen."

Der Spanier machte am Start zwei Plätze gut und übernahm zunächst die Führung. Dovizioso, der von Startplatz neun ins Rennen ging, konnte ebenfalls aufholen, und das trotz der extremen Gischt: "Zu Beginn habe ich rein gar nichts gesehen. Da war jede Menge Wasser und ich musste viele Fahrer überholen. Ich war komplett nass und es war beinahe unmöglich zu sehen, wo der Bremspunkt ist", beschreibt Dovizioso die schwierigen Verhältnisse.

Bildergalerie: MotoGP in Motegi

Dennoch gelangen ihm zwei gute erste Runden, sodass sich der Italiener auf Rang vier wiederfand - direkt hinter Marquez, der indes hinter die Ducatis von Danilo Petrucci und Jorge Lorenzo zurückgefallen war. Bereits in dieser Frühphase gingen Marquez und Dovizioso nicht zimperlich zu Werke und duellierten sich mehrfach. Richtig spannend wurde es aber, als Marquez zur Rennmitte die Führung übernahm und Dovizioso ihm folgte.

Der Italiener räumt ein: "Am Anfang fühlte ich mich nicht so gut, aber ich gab nicht auf. Das war der Schlüssel zu meinem Rennen. Runde für Runde wurde ich schneller, lernte die positiven und negativen Punkte besser kennen und hatte am Ende einen schönen Kampf mit Marc. Er ist immer sehr aggressiv und ein harter Gegner. In den letzten sechs Runden hatte der Reifen so stark abgebaut, dass es viel Spinning gab. Es war schwer, präzise zu fahren."

Dovizioso wagte in der 19. von 24 Rennrunden dennoch den Angriff und ging erstmals in Führung. "Als ich ihn überholte, wollte ich eigentlich eine kleine Lücke herausfahren, um nicht bis zum Ende mit ihm kämpfen zu müssen. Aber mir wurde klar, dass mein Hinterreifen zerstört war", blickt der 31-Jährige zurück. Doch Marquez, der ähnliche Probleme hatte, ließ sich nicht abschütteln und übernahm drei Runden vor dem Rennende erneut die Spitze.

Dovi vs. Marquez: Showdown in der letzten Runde

"Bei dem vielen Wasser auf der Strecke war es etwas kniffliger. Ich habe dennoch gepusht und bin ein paar Runden lang viel Risiko eingegangen. Ich konnte aber sehen, dass Dovi sehr schnell war", rekapituliert der Honda-Fahrer. "Dann unterlief mir der Fehler in Kurve 8. Ich habe bereits vorher gespürt, dass mein Bike rutscht." Einen Sturz konnte Marquez zwar verhindern, doch Dovizioso kam durch den Patzer wieder näher und ergriff die Chance.

"Ich sah, dass er Probleme hatte. Er versuchte, in den letzten zwei Runden noch einmal zu pushen, aber vielleicht war er etwas über dem Limit", urteilt Marquez' Verfolger. "Er machte einen Fehler und ich konnte zu ihm aufschließen. In Kurve 11 kam meine Chance. Ich positionierte mich am Ausgang von Kurve 10 und bremste hart. Hier war mein Motorrad besser als seines. Aber es blieben noch zwei Kurven und ich wusste, dass dort alles passieren kann."

Und tatsächlich gab Marquez auch nach seinem Beinahe-Crash nicht auf. Wie schon in Österreich versuchte er bis zur letzten Kurve alles: "Ich war sehr weit weg, sagte mir aber, dass ich es versuchen müsse. In der letzten Kurve haben wir dann die Situation aus dem Österreich-Rennen kopiert." Und das mit dem gleichen Ausgang. Der MotoGP-Weltmeister schaffte es nicht, sich an Dovizioso vorbeizupressen. Dieser coverte die letzten Kurven clever.

Spielberg reloaded: Dovizioso triumphiert

Der Ducati-Pilot erklärt seine Strategie: "Ich versuchte, die Linkskurve weiter zu nehmen. Das war die richtige Entscheidung, denn so konnte ich die Tür zumachen. Für ihn war es sehr schwer, mich zu überholen. Und als er es tat, konnte er die Richtung nicht mehr so schnell ändern." Mit der besseren Beschleunigung war Dovizioso der Sieg nicht mehr zu nehmen. Für ihn ist es der fünfte Triump der Saison, damit zieht er mit Marquez gleich.

"Es war aufregend, dieses Rennen zu gewinnen", freut sich der Motegi-Sieger über den Erfolg. "Mit Marc zu kämpfen, ist immer spannend. Und es war auch wichtig für die Weltmeisterschaft. Wir wissen, dass er schwer zu schlagen ist. Aber wie ich schon am Donnerstag sagte, werden wir es bis zum Ende versuchen und sehen, ob es genug ist." In der Gesamtwertung trennen die beiden nur noch elf Punkte, Marquez behält jedoch die Führung.

Der Spanier war daher auch mit dem zweiten Platz zufrieden. "Ich weiß nicht, wer die Weltmeisterschaft gewinnen wird, aber es war ein toller Kampf heute. Bei diesen regnerischen Bedingungen ist der zweite Platz für mich okay, weil ich am Ende die WM noch anführe. Ich habe viel Risiko genommen. Wir wussten schon vorher, dass es ein schwierig werden würde, weil Ducati und Dovizioso hier sehr schnell sind", gesteht er.

Fairplay! Dovizioso und Marquez genießen Duell

Im Parc ferme fielen sich die Konkurrenten trotz des harten Duells versöhnlich in die Arme. Marquez kam sogar richtig ins Schwärmen. Er habe den Schlagabtausch genießen können, "weil wir auf eine gute Art und Weise kämpfen", betont der 24-Jährige. "Nur für das Manöver in Kurve 3 wollte ich mich bei Dovi noch entschuldigen. Das war ein bisschen am Limit, weil ich von sehr weit hinten gebremst habe."

"Ich habe dann realisiert, dass ich entweder reinstechen könnte oder ihn erwische. Ich bin innen reingefahren, das war wirklich am Limit, aber der Rest war ein sehr schönes Duell", so Marquez weiter. Er weiß, dass bei solchen Manövern auch der Gegner mitspielen muss. Und das tat Dovizioso, der zugibt: "Wenn du mit Marc kämpfst, ist dein Herzschlag bei über 200. Du weißt, dass er alles geben wird und kein Risiko scheut."

Doch auch er selbst sei keineswegs risikoscheu: "Im Vergleich zu Marc und ein paar anderen Fahrern gehe ich vielleicht weniger Risiko ein. Aber was man sieht, entspricht nicht der Realität. So wie ich mich bewege, mag ich den Anschein erwecken, dass es leicht ist. Aber so ist es nicht. Zur Rennmitte war ich nicht so schnell wie Marc und Danilo. Ich gab nicht auf und musste etwas Risiko eingehen, um dranzubleiben", unterstreicht Dovizioso.

Über die WM habe er heute nicht nachgedacht. "Unser Tempo war unglaublich, der Kampf war am Limit. Das sind die schönen Seiten des Sports und unserer Mentalität. Ich bin glücklich darüber, wie wir uns dem Rennen genähert haben. Wir waren sehr konzentriert. Während der Trainings haben wir beide sehr gut gearbeitet und waren deshalb bereit für diese Bedingungen", schickt er auch ein Lob in Richtung Marquez. WM-Rivalen, wie man sie sich wünscht...

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Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Veranstaltung Motegi
Rennstrecke Twin Ring Motegi
Fahrer Andrea Dovizioso , Marc Marquez
Artikelsorte News
Tags grand prix, japan, motegi, motogp, motorrad-weltmeisterschaft, rennen, sonntag