Jorge Lorenzo im Interview: "Bei Ducati bewundern sie mich"

Kurz vor seinem 1. Renneinsatz auf der Ducati Desmosedici GP17 spricht der dreimalige MotoGP-Weltmeister Jorge Lorenzo über seine Umstellung im Zuge des Wechsels von Yamaha zu Ducati und über seine Gegner.

Jorge Lorenzo im Interview: "Bei Ducati bewundern sie mich"
Jorge Lorenzo, Ducati Team
Jorge Lorenzo, Ducati Team
Jorge Lorenzo, Yamaha Factory Racing
Jorge Lorenzo, Ducati Team
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Jorge Lorenzo, Gigi Dall'Igna, Ducati Team
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Neue Verkleidung am Bike von Jorge Lorenzo, Ducati Team
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Jorge Lorenzo, Gigi Dall'Igna, Ducati Team
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Nach 9 Jahren auf der Yamaha M1 geht Jorge Lorenzo am kommenden Sonntag erstmals in seiner MotoGP-Karriere mit einem anderen Bike ins Rennen. Der Spanier, der in den Jahren 2010, 2012 und 2015 Weltmeister wurde, steht vor seinem Renndebüt auf der Ducati Desmosedici GP17 und spricht im Interview mit Motorsport.com über den aktuellen Stand der Dinge in puncto Umstellung. Zudem spricht Lorenzo unter anderem über seine Gegner Marc Marquez und Maverick Vinales.

Frage: "Jorge, welche Fortschritte sind dir auf der Ducati seit dem 1. Test im November 2016 in Valencia gelungen?"

Jorge Lorenzo: "In Valencia gab es viele Dinge, die mir geholfen haben, allen voran die Winglets. Ich hatte gerade das Saisonfinale auf der Yamaha gewonnen. Ich war gut drauf. Die weichen Michelin-Reifen fühlten sich gut an und das Layout der Strecke fordert die Bremsen nicht allzu sehr. Alles lief gut."

"In Sepang tat ich mich allerdings schwer. Speziell der 1. Tag dort war schwierig. Ich war regelrecht geschockt. Da wurde mir klar, dass ich die Ducati anders fahren muss als die M1. Das hatte ich nicht erwartet. 2 oder 3 Wochen später fuhr ich in Australien schon wieder den Yamaha-Stil."

"Auf Phillip Island hatten aber alle Ducati-Piloten Probleme. Wären wir stattdessen noch einmal in Sepang gefahren, wären wir dichter an der Spitze dran gewesen. In Katar lief es viel besser. Das ist eine gute Strecke für uns."

Frage: "Glaubst du, dass du noch mehr Zeit brauchst, um dich an die Ducati zu gewöhnen? Oder findest du, dass es jetzt an den Ingenieuren liegt, für Fortschritte zu sorgen?"

"Ich hatte nicht damit gerechnet, so lange zu brauchen, um mich auf die Ducati einzuschießen. Ich dachte, mein Stil mit behutsamem Gaswegnehmen beim gleichzeitigen Bremsen würde gut passen. Ich dachte, dass ich dadurch ein bisschen Speed in den Kurven einbüßen würde, die verlorene Zeit aber auf den Geraden wieder gutmachen könnte."

"In Wirklichkeit ist aber alles ganz anders: das Bremsen, die Kurvenfahrt, das Herausbeschleunigen und so weiter... Wir probieren es jetzt mit einer anderen Sitzposition für mich, denn ich fühle mich in puncto Ergonomie noch nicht wohl auf dem Bike. So sind zum Beispiel die Knöpfe am Lenker anders platziert. Daran muss ich mich noch gewöhnen. Insgesamt dauert der Prozess länger als erwartet, aber wir werden vorankommen, keine Frage."

Frage: "Unterscheidet sich die Arbeitsweise bei Ducati stark von jener bei Yamaha?"

"Gigi (Ducati-Technikchef Gigi Dall'Igna, Anm. d. Red.) ist, obwohl er ein heißblütiger Italiener ist, in seiner Arbeitsweise sehr kühl und methodisch. Er ist ein Perfektionist. Ich würde seine Art als eine Mischung aus deutscher, japanischer und italienischer beschreiben. Ich glaube, bei Ducati hat sich viel verändert, seit er dabei ist."

"Der Hauptunterschied zu Yamaha ist, dass Gigi auf einem anderen Niveau agiert als die anderen Ingenieure. Das sieht man aber nicht, weil er komplett in die Gruppe integriert ist. Wenn der Fahrer an die Box zurückkommt, hören ihm Gigi und der Rest des Teams auf Knien zu. Bei Yamaha haben die hochrangigen Ingenieure nicht viel Kontakt zur Box. Dall'Igna hingegen ist viel näher dran und das macht es möglich, Probleme viel schneller zu lösen."

Frage: "Als sich die Winterpause dem Ende zu neigte, waren in der Ducati-Box sehr viele Ingenieure zu sehen. Was hältst du davon?"

"Das ist etwas, was ich mir bei Yamaha gewünscht hätte. Ich sah bei Honda jede Menge Ingenieure in der Box von Marquez. Also bat ich auch darum, aber es passierte nichts. Bei Ducati bewundern sie mich. Bei Yamaha hingegen fühlte ich mich wie jeder andere Mitarbeiter. Dabei kann ich ein wichtiges Teil im großen Puzzle sein. Das wird bei Ducati respektiert. Sie wissen, dass ich an Bord geholt wurde, um ein besseres Motorrad zu entwickeln und um die Performance voranzubringen."

Fotos: Jorge Lorenzo auf der Ducati

Frage: "Wie fielen die Reaktionen bei Ducati aus, als du sagtest, dass es in dieser Saison quasi unmöglich sein wird, um den WM-Titel zu kämpfen?"

"In dieser Hinsicht ist es wie im Fußball. Barcelona spielt gegen Paris St. Germain und verliert 0:4. Dann sind sie aber 3 Wochen später im Camp Nou (das Heimstadion vom FC Barcelona; Anm. d. Red.) in der Lage, 6:1 zu gewinnen. Im Motorradrennsport ist es genauso. Die Winglets sind für 2017 verboten. Honda und Yamaha legen nach und das Kräfteverhältnis ändert sich komplett."

"Ducati hat in Österreich gewonnen, weil die Strecke perfekt zum Prototypen passt. In Sepang hat Ducati im Regen gewonnen. Wenn sich die Umstände ändern, kann sich vieles andere auch ändern. Okay, die Winglets sind jetzt verboten. Also müssen wir einen Weg finden, wie das Bike auch ohne sie genauso gut funktioniert. Das Ziel ist, Fortschritte zu machen, sodass wir überall konkurrenzfähig sind und so viele Rennen wie möglich gewinnen können."

Frage: "Gehen die Ansichten von Ducati und Jorge Lorenzo manchmal auseinander?"

"Ducati hat mich verpflichtet, um den WM-Titel zu holen. Dabei wurde aber kein Zeitpunkt genannt. Viele Leute dachten, ich würde mich einfach auf die Ducati draufsetzen und gewinnen. In Wahrheit ist das Ganze aber viel komplexer. Du kannst in Katar gewinnen und dann auch in Argentinien ein gutes Ergebnis einfahren. Dann bist du plötzlich mittendrin im WM-Kampf."

"Unter den aktuellen Voraussetzungen ohne Winglets und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Marquez und Vinales so stark sind, wird es aber nicht so einfach wie viele Leute dachten. Wir müssen das Motorrad noch stärker verbessern als wir erwartet hatten."

Frage: "Ist es eine Inspiration für dich, dass Marquez den WM-Titel 2016 erobert hat, obwohl er nicht das beste Bike im Feld hatte?"

"Marquez hat das Beste herausgeholt, denn bis Saisonmitte lag sein Bike auf jeder Strecke zurück. Er kämpfte gegen ein sehr effizientes Bike, die Yamaha. Und er kämpfte gegen 2 Fahrer, die nicht oft stürzen, Rossi und mich. Was sich für uns als Nachteil erwiesen hat, war die Tatsache, dass Michelin ab der 2. Saisonstation in Argentinien andere Reifen dabei hatte."

"Jetzt passen die Michelin-Reifen sowohl zur Honda als auch zur Yamaha als auch zur Ducati. Also liegt keiner dieser Hersteller zurück. Die Honda ist inzwischen ein richtig komplettes Motorrad, das in puncto Handling und Leistungsentfaltung verbessert wurde. Yamaha hat mit Vinales einen Schritt nach vorn gemacht."

"Wenn jemand Probleme hat, kann man auch mit eigenen Problemen noch gewinnen, wie Marquez im vergangenen Jahr gezeigt hat. Hätte es ab Argentinien keine anderen Reifen gegeben, dann wäre Marquez meiner Meinung nach aber nicht Weltmeister geworden."

Frage: "Werden die Reifen in der Saison 2017 genauso entscheidend sein wie 2016?"

"Mir ist klar, dass es für Michelin nach vielen Jahren MotoGP-Pause nicht einfach war, zurückzukommen und viel stärkere Bikes vorzufinden. Ich habe nie gesagt, dass sich Michelin nicht anstrengt. Es ging einfach nur darum, wie sie die Reifenmischungen verbessern könnten. Ich bin mit der Arbeit von Michelin zufrieden. Das gilt ganz besonders für den Vorderreifen. Anfangs gab es viele Stürze, wovon einige damals nicht einfach zu verstehen waren."

Frage: "Wie beurteilst du die Leistungen von Maverick Vinales bei den Testfahrten im Winter?"

"Wir dürfen nicht vergessen, dass Vinales schon im Kindesalter gegen Marquez um Siege kämpfte. Marc ist ein oder 2 Jahre älter. Vielleicht hatte er es einfacher, weil er die Unterstützung von Honda und Repsol hatte."

"Vinales' Entwicklung schritt ein bisschen langsamer voran. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass er auf einer Suzuki in der MotoGP-Klasse debütierte. Das ist nicht das Gleiche, wie wenn man auf der besten Maschine im Feld, was die Honda 2013 nun mal war, einsteigt."

"Rein vom Talent her sind Marc und Maverick auf einem absolut vergleichbaren Level unterwegs. Beide sind wilde Fahrer mit unterschiedlichen Fahrstilen. Was das Talent, das Tempo und die Motivation betrifft, bin ich aber überzeugt, dass wir mit Vinales einen weiteren Marquez erleben. Das ist nicht nur mein persönliches Gefühl, sondern es ist auch der Eindruck vieler andere Leute."

Frage: "Marquez gestand vor einem Jahr, als die Honda nicht gerade konkurrenzfähig war, dass er beinahe vergessen hatte, wie man schnell fährt. Ging oder geht es dir auch so?"

"Diese Erfahrung machen alle Fahrer früher oder später. Manchmal haben sie damit sogar Recht (lacht; Anm. d. Red.). Manche sagen ironisch, dass sie so etwas durchmachen, schaffen es dann aber nie wieder zur alten Stärke zurück."

"Selbstzweifel entstehen meistens dann, wenn die Rundenzeiten nicht gut sind. Dann beginnst du, härter zu attackieren, aber es geht nichts voran. Dann denkt du, es würde an dir liegen. Ich habe schon einige Wintertestfahrten hinter mir, die nicht gerade einfach waren."

Frage: "Wie steht es um deine Probleme im Regen? Sind die dank der neuen Reifen gelöst?"

"Ich habe schon Regenrennen gewonnen, bei denen ich Stoner und Pedrosa in derselben Kurve überholt habe. Dazu braucht es viel Selbstvertrauen. Dann gab es aber auch Regenrennen, wie Assen im vergangenen Jahr, bei denen ich Letzter wurde."

"Wenn du dich als Fahrer nicht wohlfühlst, ist es schwierig, schnell zu sein. Ich kam mit dem 2016er-Vorderreifen von Michelin (Regenreifen; Anm. d. Red.) nicht gut zurecht und die Yamaha war im Nassen auch nicht unbedingt eine Hilfe. Die Ducati hingegen ist im Nassen sehr stark. Ich hoffe, dass mir das dabei hilft, im Regen wieder so konkurrenzfähig zu sein, wie ich es früher war."

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