Kolumne von Randy Mamola: Kann Rossi gegen Marquez & Vinales bestehen?

Der frühere Motorrad-Rennfahrer Randy Mamola schreibt in seiner neuen Kolumne für Motorsport.com darüber, ob Valentino Rossi seine Tabellenführung in der MotoGP-Saison 2017 gegen Marc Marquez und Maverick Vinales verteidigen kann.

Es ist schon kurios: Rossi hatte bei den Testfahrten vor dem Beginn der Motorrad-Saison 2017 allerlei Schwierigkeiten. Und doch ist er nach 3 Rennen der WM-Spitzenreiter.

Wer hätte noch vor ein paar Wochen gedacht, dass Rossi auf Platz 1 nach Jerez reisen würde? Ich nicht, ganz klar. Vor allem nicht, weil Rossi seit den Tests nie wirklich warm geworden ist mit seinem Bike. Er fühlt sich noch immer nicht richtig wohl auf dem Motorrad – im Gegensatz zu Vinales.

Dass er dennoch an der Tabellenspitze steht, obwohl er nicht der Schnellste ist, unterstreicht seine Cleverness. Rossi macht seinen altersbedingten Nachteil bei Kraft und Ausdauer durch seine gewaltige Erfahrung aus rund 20 Jahren Motorrad-WM wett. Er geht ja schon langsam auf die 40 zu.

In den vergangenen 2 Jahrzehnten hat Rossi einige Titel gewonnen. Aber viel entscheidender ist: Er hat unheimlich viele Situationen durchlebt, die ihm jetzt dabei helfen, die Meisterschaft besser zu lesen als irgendjemand sonst.

Rossi macht das Beste aus seinen Möglichkeiten. Er robbt sich immer näher heran an Vinales und Marquez. Dabei sind es diese beiden, die – zumindest in der Theorie – um den Titel kämpfen sollten.

In Katar belegte Rossi den 3. Rang, knapp 2 Sekunden hinter Vinales. In Argentinien erzielte er Platz 2, dieses Mal 1,9 Sekunden hinter Vinales. Und in Austin fehlten ihm auf Rang 2 nur 3 Sekunden auf Rennsieger Marquez.

Diese Zahlen zeigen, wie nahe Rossi an einem Rennsieg dran ist. Und warum auch nicht? Es könnte schon an diesem Wochenende in Jerez so weit sein. Genau wie in der MotoGP-Saison 2016.

Eines, was wir in den frühen Rennen der MotoGP-Saison 2017 gelernt haben, ist: Der Titelkampf dürfte entscheidend von der Konstanz der einzelnen Piloten bestimmt werden. Und das ist die Domäne des "Doctors".

Was ich damit meine: Niemand weiß besser, wann es sinnvoll ist, sich mal mit einem 2., einem 3. oder mit einem 4. Platz zufriedenzugeben, wenn es die Situation erfordert und ein Sieg nicht drin ist.

Aber Vorsicht: Wenn Rossi seine Chance sieht und das nötige Selbstvertrauen hat, dann wird er keine Sekunde zögern und sein Glück versuchen. Denn Rossi will diesen 10. Titel so sehr. Und dafür muss er früher oder später auch Rennen gewinnen. Auch, weil seine Rivalen sicherlich siegreich sein werden.

Rossi ist inzwischen 38 Jahre alt. Aber er hat nie aufgehört, sich selbst und seine Strategie zu hinterfragen. Seine Motivation ist auf ihrem Höchststand. Marquez und Vinales gehen mit dem Gedanken an den Sieg in die Rennen. Aber Rossi ist sich bewusst, dass er selbst diese Denkweise noch nicht haben darf.

Das ist der große Knackpunkt in der MotoGP 2017: Rossi weiß, er ist nicht schnell genug, um gegen die beiden jungen Burschen um den 1. Platz zu kämpfen. Doch wenn er am Ende wirklich zum 10. Mal Motorrad-Weltmeister sein will, dann braucht er bald auch wieder Siege.

Marquez und Vinales jedoch machen immer weniger Fehler. Marquez hat bereits in der MotoGP 2016 unter Beweis gestellt, wie konservativ er vorgehen kann, wenn es erforderlich ist. Und Vinales ist ohnehin nicht sehr fehleranfällig.

Ja, Vinales ist in Austin gestürzt. Doch diesen Fehler macht er nicht noch einmal. Davon bin ich überzeugt.

Und wenn es darum geht, jedes kleine Bisschen aus einer Situation herauszuholen, dann ist Rossi absolute Spitze. Er hat sich aus seinem Formtief bei den Testfahrten herausgefahren. Er hat schon mehr Punkte geholt als seine Hauptrivalen.

Wir sehen also einen Valentino Rossi in Bestform. Und das sollten wir genießen!

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Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Fahrer Valentino Rossi , Marc Marquez , Maverick Vinales
Teams Yamaha Factory Racing
Artikelsorte Kolumne
Tags doctor, duell, form, kolumne, motogp, motorrad, randy mamola, tabellenspitze, vr46, wm