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Marc Marquez: Dank "größter Schwäche" zur Fabelrunde in Brünn

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Marc Marquez: Dank "größter Schwäche" zur Fabelrunde in Brünn
Autor:
Co-Autor: Gerald Dirnbeck
03.08.2019, 18:47

"Das war zu viel Risiko": Marc Marquez sorgte mit seiner Zauber-Pole in Brünn im eigenen Team nicht nur für Jubelst?rme - Konkurrenz zollt dem Spanier Respekt

2,5 Sekunden Vorsprung auf Slicks bei schwierigen Mischbedingungen: Was MotoGP-Weltmeister Marc Marquez im Qualifying von Brünn veranstaltete, verschlug so manchem die Sprache. Der Honda-Pilot hatte sich auf abtrocknender Strecke als einer der ersten Fahrer im Feld für Trockenreifen entschieden, als es wieder zu regnen begann. Schrecken konnte das den Spanier aber nicht.

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Mit Schräglagen, an die sich so mancher Konkurrent bei diesen Bedingungen nicht einmal ansatzweise heranwagte, umrundete Marquez den tschechischen Kurs in 2:02.753 Minuten und distanzierte Jack Miller (Pramac-Ducati) auf Platz zwei um besagte zweieinhalb Sekunden. Im Versuch gegenzuhalten stürzte der Australier, doch auch ohne den Crash hätte er die Zauberrunde von Marquez wohl kaum unterbieten können.

"Ich habe für die Entscheidung, auf Slicks zu gehen, vielleicht 20 Sekunden länger gebraucht als Marc. Und ich denke, das hat am Ende den Unterschied gemacht", sagt der Pramac-Pilot. "Er ist etwas früher rausgefahren, hatte vielleicht eine halbe Strecke Vorsprung und zog es durch. Bei mir war es auf der letzten Runde dann noch etwas nasser." Und so endete Millers Fahrt in Kurve 14 im Kiesbett.

Marquez grübelt über eigene Risikofreude

Dass es auch für ihn leicht hätte schief gegen können, dessen ist sich der Polesetter bewusst. "Natürlich freue ich mich über die Pole-Position. Aber wenn ich die Situation analysiere, muss ich zugeben, dass ich ein hohes Risiko eingegangen bin. Schon als ich im Parc ferme ankam, sah ich, dass einige Teammitglieder sehr glücklich waren, aber einige - die wichtigen - waren auch etwas verärgert", gesteht Marquez.

"Es war einfach zu viel Risiko. Das Ziel lautete, in die erste Startreihe zu fahren und nicht so sehr, die Pole-Position zu holen. Klar, ist sie wichtig, aber das Ziel war eigentlich schon erreicht." Doch ein Marc Marquez kann eben nicht aus seiner Haut. "Das war schon in jungen Jahren eine meiner größten Schwächen", sagt er selbst über seine hohe Risikobereitschaft und den Drang, immer zu pushen.

 

Marquez weiß: "Da ist es wichtig, Leute um dich zu haben, die dir den richtigen Input geben, und darauf muss ich dann hören. Aber mein Charakter ist nun mal zu pushen. Natürlich ist es auch wichtig, an die WM zu denken. Schon kommendes Wochenende folgt das nächste Rennen. Aber heute ist es gut gegangen und ich bin wieder um eine Erfahrung reicher." Und um eine weitere Pole, die 58. an der Zahl in der Königsklasse.

58. MotoGP-Pole mit 2,5 Sekunden Vorsprung

Damit hat Marquez den bisherigen Rekord von Mick Doohan eingestellt. Rekordverdächtig hörte sich auch sein Vorsprung auf den Rest des Feldes an. "Der Grund dafür war Jack", erklärt der Honda-Pilot. "Als er auf Slicks wechselte, wusste ich nicht, wie schnell er damit sein würde. Also versuchte ich, mein Limit zu finden. Aber diese letzte Runde würde ich beim nächsten Mal nicht mehr machen."

Dem Rückstand der Konkurrenz will er mit Blick auf das Rennen nicht zu viel Bedeutung beimessen: "Ja, es sind zwar 2,5 Sekunden, aber der Abstand zwischen dem Ersten und dem Zweiten ist morgen in der Startaufstellung derselbe." Zumal es dann trocken bleiben soll und der Grip der Strecke die Fahrer wieder vor neue Herausforderungen stellen wird, was Reifenwahl und Rennpace angeht.

Seinen Gegnern rang Marquez mit der heutigen Qualifying-Performance aber trotzdem einiges an Respekt ab. "Ich kenne ihn mittlerweile ein bisschen. Es gibt nur vollen Angriff oder nichts", urteilt etwa Markenkollege Stefan Bradl. "Wir wissen, dass er zu den ersten Fahrern zählt, die das Risiko auf sich nehmen. Es ist außergewöhnlich, was er in den letzten Kurven zeigte. Er ist ein toller Fahrer, einer der besten, den wir haben."

Rossi und Quartararo mit Lob für Marquez

Yamaha-Pilot Valentino Rossi kommentiert: "Ich habe die Runde von ihm nicht gesehen, aber ich war hinter Jack Miller, der mit Slicks gefahren ist. Er ist sehr gut gefahren und auf der trockenen Linie geblieben. Und auch über die nassen Stellen war er mit den Slicks schnell. Aber dann ist er leider gestürzt. Ich schätze, er wäre eine gute Runde gefahren, aber sicher nicht so gut wie Marquez."

Valentino Rossi

Valentino Rossi klassierte sich als bester Yamaha-Pilot im Qualifying auf P7

Foto: LAT

Rossi selbst traute sich so viel Risiko, wie der Polesetter einging, nicht zu. "Man muss sehr mutig sein", betont er. "Für uns war es mit der M1 bei diesen Bedingungen nicht einfach, denn es war schwer zu verstehen, wo das Limit ist." Ähnlich äußert sich auch Fabio Quartararo, der zwar ebenfalls auf Slicks unterwegs war, von Marquez aber überholt wurde, als würde er selbst auf der Stelle fahren.

"Es war, als wäre ich bei Moto3 und er bei der MotoGP", erinnert sich der Rookie. "Ich befand mich auf meiner Outlap und konnte überhaupt kein Gefühl aufbauen. Bei Petrucci vor mir war es genau dasselbe. Ich kam ihm auf der Bremse etwas näher, aber er zog in den Kurven wieder ein wenig davon. Als Marc uns überholte, war ich einfach nur erstaunt, dass er unter diesen Bedingungen so schnell fahren konnte."

Michelin erklärt Funktionsweise der Slicks

Vor allem eine Sache beeindruckte den Yamaha-Privatier: "Es ist erstaunlich, mit welchen Schräglagen er bei diesen Bedingungen fährt, und das auf Trockenreifen. Ich hatte Probleme, das Motorrad in manchen Kurven überhaupt umzulegen. Als ich Marc in eben diesen Kurven sah, dachte ich nur: 'Whoa, das ist wirklich beeindruckend!' Da wird deutlich, warum er siebenfacher Weltmeister ist."

Wie Marquez trotz erneut einsetzenden Regens mit Slicks überhaupt so schnell sein konnte, erklärt Piero Taramasso von Michelin so: "Die Slicks funktionieren bei feuchten Bedingungen, nicht aber bei stehendem Wasser. Wenn es nur feucht ist und der Reifen die richtige Temperatur hat, kann man den Slick verwenden. Natürlich ist es nicht einfach, aber Marc und auch Jack sind unter diesen Umständen oft sehr gut."

 

Die Temperatur sei dabei das Entscheidende. "Man muss den Reifen sofort pushen, um ihn auf Temperatur zu bringen beziehungsweise sie zu halten", sagt Taramasso weiter. "Was viele nicht bedenken: Wenn man bei solchem Wetter mit Slicks rausfährt, ist die Boxengasse komplett nass. Und das Tempo ist gedrosselt. Da kann man schnell 20 Grad verlieren, weil der Reifen auf der nassen Oberfläche abkühlt."

Sobald trockene Stellen kommen, müsse man also pushen, um wieder Temperatur in den Reifen zu kriegen. "Deshalb empfehlen wir den Teams in so einem Fall, den Druck im Vergleich zum Normalwert etwas zu erhöhen, denn das hilft. Aber nicht alle folgen diesem Rat. Es ist eine sehr technische Angelegenheit und kann von Hersteller zu Hersteller, von Fahrer zu Fahrer variieren", weiß Taramasso.

Weitere Co-Autoren: David Gruz. Mit Bildmaterial von LAT.

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Artikel-Info

Rennserie MotoGP
Event Brünn
Autor Juliane Ziegengeist