Marc Marquez mit mehr Problemen als erwartet: "Sehe mich nicht als Favorit"

Marc Marquez räumt nach Tag eins auf dem Sachsenring ein, immer noch nicht so fahren zu können, wie er will - Pol Espargaro trotz zwei Stürzen bester Honda-Pilot

Marc Marquez mit mehr Problemen als erwartet: "Sehe mich nicht als Favorit"

Noch am Vormittag machte Marc Marquez seinem Titel als "King of the Ring" alle Ehre und sicherte sich die erste Bestzeit beim Trainingsauftakt zum Grand Prix von Deutschland auf dem Sachsenring. Am Ende des Tages stand dann aber doch "nur" ein zwölfter Platz mit 0,601 Sekunden Rückstand zu Buche.

"Ich habe zum Schluss auf eine Zeitattacke verzichtet, weil ich nicht genug Kraft, nicht genug Energie gespürt habe", sagt Marquez, der das zweite Freie Training auf gebrauchten Reifen zu Ende fuhr und entsprechend durchgereicht wurde.

"Eigentlich war der Plan, einen frischen Reifen aufzuziehen, aber ich entschied mich dagegen. Ich absolvierte zwei kleine Longruns, um den Hinterreifen zu verstehen. Danach sagte ich meinem Team, ich fühle mich nicht bereit für eine Attacke, lasst uns auf morgen warten", erklärt der Honda-Pilot seinen Rückstand.

Marquez erwartete keinerlei Probleme, aber ...

Denn so reibungslos wie erhofft, verlief der erste Tag auf Marquez' Paradestrecke nicht: "Wie ich gestern sagte, spüre ich hier weniger körperliche Einschränkungen. Aber um ehrlich zu sein, habe ich noch weniger erwartet. Ich ging davon aus, keinerlei Probleme zu haben. Tatsächlich fahre ich aber immer noch nicht so, wie ich will."

"Es gibt Punkte auf der Strecke, an denen sich mein rechter Arm nicht natürlich anfühlt, er ist ein bisschen hoch. Zwar bin ich im Moment in der Lage, eine gute Pace zu fahren. Morgen werde ich aber versuchen, meinen Fahrstil zu verbessern."

Auf die Frage, ob es an der Beweglichkeit liegt oder fehlende Kraft das Problem ist, entgegnet Marquez: "Ich habe die Beweglichkeit, aber in gewissen Positionen noch nicht die Kraft, um mich sicher zu fühlen. Wir tasten uns Schritt für Schritt heran." Er muss auch ein halbes Jahr nach seiner letzten OP geduldig bleiben.

Podium auf dem Sachsenring "optimistisch"

"Meine Ärzte haben gesagt, der Körper braucht Zeit. Ich fragte: Was heißt das, eine Woche, ein Monat, ein Jahr? Und sie sagten ein Jahr", verrät der Spanier, der sich nach seinem Sturz beim Saisonauftakt 2020 in Jerez insgesamt drei Operationen am rechten Oberarmknochen unterziehen und lange pausieren musste.

Auch wenn das Layout des Sachsenrings mit den vielen Linkskurven Marquez und seinem Arm entgegenkommt, bleibt er betont zurückhaltend. "Als Favoriten sehe ich mich momentan nicht", sagt der 27-Jährige. Ein Podium sei "optimistisch".

"Das eine ist das Training und das andere ist das Rennen. Ich fühle mich besser als in Mugello und Barcelona, aber ich kann nicht erwarten, dass ich vom Kampf um den Q2-Einzug zum Kampf um Podestplätze und Siege übergehe. Der erste Schritt ist zu versuchen, direkt in Q2 zu kommen; der nächste Schritt, sich gut zu qualifizieren."

Neue Aero-Verkleidung beim Repsol-Honda-Duo

"Wichtig ist, dass wir hier mit dem Motorrad arbeiten und viele Dinge verstehen können", sagt Marquez weiter. So fuhr er am Freitag die zuletzt in Barcelona getestete neue Aero-Verkleidung von Honda. "Wir haben verschiedene Dinge am Motorrad, es ist weder neu noch alt, es ist anders", fasst den Status zusammen.

"Wir sind immer noch in der Dynamik der letzten Rennen, probieren Dinge aus, die ich schon kannte und die vergangenes Jahr geändert wurden. Auch den anderen Hondas scheint es zu gefallen." Zwei schafften es am Freitag in die Top 6.

Pol Espargaro klassierte sich als Fünfter vor LCR-Pilot Takaaki Nakagami. Wermutstropfen für Espargaro waren jedoch zwei Stürze. "Das war natürlich nicht geplant. Aber ich lote lieber jetzt das Limit aus und stürze, als dass mir das im Rennen passiert", kommentiert er die Vorderradrutscher im ersten und zweiten Training.

Espargaro erklärt seine Stürze übers Vorderrad

"Ich versuche herausfinden, wie viel Schräglage ich fahren kann, wie eng ich die Kurven nehmen kann, um Zeit zu gewinnen oder zu überholen. Ich habe ein paar Probleme in diesem Bereich. Ich muss sehr viel Schräglage fahren, um das Bike durch die Kurven zu bringen. Das geht natürlich auf Kosten der Sicherheit."

Aufgrund der Stürze habe Espargaro am Freitag keine wirklichen Longruns absolvieren können. "Aber auf die eine Runde stehen wir ganz gut da. Es sieht also so aus, als hätte ich den Speed. Für morgen hoffen wir auf einen reibungsloseren Tag."

Pol Espargaro fährt die Honda RC213V auf dem Sachsenring

Pol Espargaro stürzte zweimal, schaffte aber den Sprung in die Top 5

Foto: Motorsport Images

Warum es für Honda auf dem Sachsenring besser zu laufen scheint als zuletzt, kann sich der Spanier noch nicht wirklich erklären: "Ich habe keine Ahnung, warum das Motorrad hier besser funktioniert als auf anderen Strecken. Vielleicht liegt es daran, dass die Kurven in Sektor 1 und 2 zwar lang, aber nicht sehr schnell sind."

"Normalweise haben wir in langgezogenen Kurven, die sehr schnell sind, Probleme, weil man den Kurvenspeed mitnehmen muss. Das ist unsere Schwäche. Aber hier sind wir nicht so schlecht. Und wir können mehr Grip generieren im Vergleich zu den anderen Strecken und das erlaubt uns, etwas schneller zu sein", so Espargaro.

Spielt dabei die neue Aero eine Rolle? "Wir haben sie in Barcelona ausprobiert und homologiert. Ich bin hier im FT2 damit gefahren, weil ich erst einmal mit der alten Spec auf die Strecke gehen wollte, um zu sehen, wie das Motorrad funktioniert."

"Ich sah, dass Marc sofort damit raus fuhr und gut unterwegs war, also probierte ich es schließlich auch aus und es war okay. Aber es ist kein riesengroßer Unterschied", urteilt der Honda-Pilot. Nakagami verzichtete am Freitag auf einen Run damit, weil er schon beim Barcelona-Test kaum einen Unterschied ausmachen konnte.

Weitere Co-Autoren: Lewis Duncan. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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