Mir und Miller geraten in Austin erneut aneinander - Bastianini profitiert

Während Joan Mir und Jack Miller auf der Schlussrunde in Austin kollidieren, wird Enea Bastianini zum lachenden Dritten - Strafe für Mir trifft auf geteiltes Echo

Mir und Miller geraten in Austin erneut aneinander - Bastianini profitiert

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Und das war am MotoGP-Rennsonntag in Austin Rookie Enea Bastianini. Der Avintia-Ducati-Pilot hatte auf Rang acht liegend einen Logenplatz, um das Duell zwischen Joan Mir (Suzuki) und Jack Miller (Ducati) zu verfolgen, das schließlich in einer Kollision gipfelte.

"Zuallererst möchte ich mich entschuldigen, denn ich mag es nicht, wenn es beim Überholen zum Kontakt kommt", richtet Mir nach dem Vorfall eine Entschuldigung Richtung Miller, steht aber hinter seinem Manöver in Kurve 15 der letzten Runde.

"Ich hatte Probleme beim Beschleunigen, ich konnte nicht gut überholen, aber er (Miller) war viel langsamer als ich. Ich musste bis zur letzten Runde warten, um etwas vorzubereiten. In der Schikane des ersten Sektors ist mir ein wirklich gutes Manöver gelungen, aber er hat mich auf der Geraden einfach zurück überholt."

Bastianini erwartete, "dass so etwas passiert"

"Dann machte er die Linie dicht und fuhr etwas seltsam, um ehrlich zu sein", sagt Mir weiter. "In der Linkskurve (15) stach ich dann innen hinein. Es ist eine gute Kurve, um zu überholen. Aber im zweiten Teil der Kurve fuhr er eine wirklich enge Linie, die ich nicht erwartete, und wir berührten uns. Glücklicherweise stürzten wir nicht."

Weil beide von der Strecke abkamen, schlüpfte allerdings Bastianini durch. "Joan war sehr aggressiv", berichtet er. "Ich wartete darauf, dass so etwas passiert, damit ich mir die beiden schnappen kann. In Kurve 19 versuchte Joan zwar noch einmal, an mir vorbeizugehen, aber in Kurve 20 bremste ich später als er."

Während sich der Rookie über Platz sechs freuen durfte, wurde es zwischen Mir und Miller in der Auslaufrunde ungemütlich. Letzterer nahm sich den Weltmeister zur Brust und macht eihm unmissverständlich klar, was er von der Aktion hielt.

Mir hat keinerlei Verständnis für seine Strafe

Mir nahm die verbale Schimpftirade seitens Miller aber gelassen: "Ich kann verstehen, dass man in so einer Situation wütend ist. Jack ist ein guter Kerl. Würde ich in seiner Haut stecken, wäre ich auch sauer. Er schrie mich an und sagte so etwas wie: 'Wir sehen uns wieder.' Aber ich kann wirklich nichts Schlechtes über Jack sagen."

"Im Rennen verhält er sich immer sehr respektvoll. Er ist ein würdiger Gegner und mir tut das Manöver leid. Was ich nicht verstehe, ist die Entscheidung der Rennleitung." Denn die brummte Mir nach dem Zwischenfall eine Strafe für unverantwortliches Fahren auf. Er wurde um eine Position auf Platz 8 zurückgestuft.

"Ich verstehe die Strafe überhaupt nicht. Wenn alle Rennen so sind, kann man nicht mehr überholen. Dann versucht man es besser gar nicht und der Rennsport verliert seine Essenz. Womöglich waren die Stewards nicht dieselben wie beim Rennen in Katar. Da waren sie vielleicht im Urlaub", kritisiert der Weltmeister.

Miller: "Das passiert einfach immer wieder"

Wir erinnern uns: Bereits damals gerieten Mir und Miller im Rennen aneinander. Zuerst touchierte Mir die Werksducati von Miller, der sich auf der Geraden mit einem Ellenbogen-Check revanchierte. Eine Strafe gab es damals für keinen der beiden.

Jack Miller

Miller ärgerte sich über Mirs harte Gangart und machte das auch sehr deutlich

Foto: Motorsport Images

Laut Miller hätte Mir in Austin durchaus härter bestraft werden können. "Aber ich mache die Regeln nicht", sagt der Australier. "Ich war auf meiner letzten Runde und wurde - wie bereits in Misano - von der Strecke gedrängt, woraufhin zwei Fahrer an mir vorbeigingen. Die Rennleitung hat reagiert und viel mehr gibt es nicht zu sagen."

"Es passiert einfach immer wieder", kritisiert der Ducati-Pilot, "aber ich hätte nichts anders machen können. Ich hatte Probleme mit meinem Vorderreifen und habe die Linie verteidigt. Auf der Innenseite war eigentlich gar kein Platz, um etwas zu versuchen. Aber es ist, wie es ist. Abgesehen davon war es kein schlechtes Rennen."

Warum er am Ende mit stumpfen Waffen kämpfte

In der ersten Rennhälfte konnte Miller von Startplatz zehn einige Positionen gutmachen und fuhr bis auf Rang vier vor. "Aber gegen Rennmitte bekam ich Probleme mit der rechten Reifenflanke. Das war ein bisschen unglücklich", erklärt der 26-Jährige.

"Ich musste den Vorderreifen natürlich am Anfang etwas mehr beanspruchen, um Überholmanöver zu starten. Von Platz zehn zu starten war nicht ideal. Im Verkehr war es auch schwierig, die Temperatur unter Kontrolle zu halten." Auch vom harten Hinterreifen, den er als Einziger fürs Rennen wählte, hatte er sich mehr versprochen.

"Ich war überrascht, dass der weiche Hinterreifen bei den anderen so gut durchhielt. Aus dem harten Hinterreifen konnte ich am Ende keinen wirklichen Vorteil ziehen. Aber ich denke, das lag auch daran, dass ich mit dem Vorderreifen zu kämpfen hatte. Ich musste in den Rechtskurven wirklich vorsichtig sein", erklärt Miller.

Angesprochen auf seinen Disput mit Mir in der Auslaufrunde, bei dem Miller ihn auch kurz am Helm packte und zurechtwies, muss der Australier schmunzeln: "Ich denke, ich hatte mich noch ganz gut unter Kontrolle. Auch ich werde älter und reifer."

Weitere Co-Autoren: Mark Bremer. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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