MotoGP-Analyse: Ducati gibt früher auf als Jorge Lorenzo

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MotoGP-Analyse: Ducati gibt früher auf als Jorge Lorenzo
Oriol Puigdemont
Autor: Oriol Puigdemont , MotoGP Editor
31.05.2018, 14:50

Das Ende der Zusammenarbeit zwischen Ducati und Jorge Lorenzo scheint besiegelt: MotoGP-Reporter Oriol Puigdemont analysiert, wie es dazu kam

Die Zeichen stehen bei Jorge Lorenzo und Ducati auf Trennung: Zurück bleibt ein enttäuschter Fahrer, der nicht einmal für weniger Gehalt weiterfahren darf. Ein Punkt, der dabei keine Rolle spielt, ist das Geld. Der Mallorquiner hat in den vergangenen beiden Jahren rund 25 Millionen Euro verdient - persönliche Sponsoreneinnahmen nicht mitgerechnet. Wenn man dazu noch das Geld zählt, das er in seinen neun Jahren bei Yamaha verdient hat, könnte sich Lorenzo ein schönes Leben machen.

Lorenzo ist aber ein sehr loyaler Fahrer. Dies in Kombination mit seiner Dickköpfigkeit ist der Grund dafür, warum er immer noch darauf versessen ist, die Früchte seiner Arbeit bei Ducati zu ernten. Auch wenn manche Leute denken, dass das nie passieren wird.

Der Spanier glaubt, dass er das Vertrauen, das Ducati in ihn gesetzt hat, bisher noch nicht zurückgezahlt hat. Und das liegt nicht an dem Haufen Geld, das er in den zwei Jahren verdient hat. Sondern an der Hingabe, die er dem Projekt von Beginn an gewidmet hat. Lorenzo glaubt immer noch, dass er sich an die Ducati anpassen kann, auch wenn das länger dauert als erwartet. Es scheint, dass er weiterhin versuchen will, Ducatis Investition zurückzuzahlen.

Lorenzo ist weiterhin entschlossen und motiviert. Er trainiert mehr denn je, damit er so stark wie möglich ist und das rote Motorrad kontrollieren kann. Wenn es allerdings stimmt, dass er für 2019 bereits seine Fühler nach einer Satelliten-Yamaha ausgestreckt hat, dann nur, weil er das Gefühl hat, dass die Ducati-Verantwortlichen nicht mehr an ihn glauben.

Denn Ducati-Boss Claudio Domenicali hatte die Ausgangstür schon ein Stück weit geöffnet, in dem er in der vergangenen Woche sagte, es sei nicht sinnvoll, eine Partnerschaft zu verlängern, die nicht funktioniert. Auch wurde schon mehrfach betont, dass Danilo Petrucci und Jack Miller logischere Optionen als Lorenzo für das zweite Motorrad neben Andrea Dovizioso wären.

Bis jetzt hätte Lorenzo auch einen neuen Vertrag mit einem niedrigeren Gehalt akzeptiert. Er hätte sich möglicherweise sogar auf einen ähnlichen Vertrag wie den von Dovizioso in den Jahren 2017 und 2018 eingelassen, der ein Grundgehalt von eineinhalb Millionen Euro und ergebnisabhängige Bonuszahlungen vorsieht. Nachdem ihm das Vertrauen entzogen wurde, dürfte sich das wohl erledigt haben.

Der Fahrer mit der Startnummer 99 ist der erste, der zugeben wird, dass er die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat. Und aus genau diesem Grund würde er gerne den Job weitermachen, für den er verpflichtet wurde.

Bei allem Respekt für seine Kollegen will Lorenzo aber nicht akzeptieren, dass jemand Petrucci oder Miller für besser als ihn hält. Ihn, den dreimaligen MotoGP-Champion, den einzigen Fahrer, der Marc Marquez im Titelkampf der MotoGP geschlagen hat und der Valentino Rossi auf dem gleichen Motorrad entzaubert hat.

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An der Zielsetzung von Lorenzo ändert das nichts. Er will weiterhin mit Ducati das Maximum erreichen und wiederholen, was Casey Stoner gelungen ist. Denn bis heute ist der Australier der einzige Fahrer, der mit Ducati die Weltmeisterschaft gewinnen konnten. Seine Motivation ist ungebrochen. Er wird es weiter versuchen und will Domenicali und allen, die wir er denken, zeigen, dass es ein großer Fehler wäre, ihn gehen zu lassen

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Artikel-Info

Rennserie MotoGP
Fahrer Jorge Lorenzo
Teams Ducati Team
Autor Oriol Puigdemont
Artikelsorte Analyse