Crewchief: Stoner hätte "beliebig viele MotoGP-Titel gewinnen können"

MotoGP-Crewchief Ramon Forcada erinnert sich an seine kurze Zusammenarbeit mit Casey Stoner bei LCR-Honda und bezeichnet den Australier als talentiertesten Fahrer, mit dem er zu tun hatte.

Crewchief: Stoner hätte "beliebig viele MotoGP-Titel gewinnen können"
Casey Stoner, LCR Honda
Casey Stoner, LCR Honda
Casey Stoner, LCR Honda
Casey Stoner, LCR Honda
Casey Stoner, LCR Honda
Marco Melandri, Gresini Honda; Casey Stoner, LCR Honda; Dani Pedrosa, Repsol Honda
Podium: 1. Marco Melandri; 2. Casey Stoner; 3. Nicky Hayden
Casey Stoner, LCR Honda
Casey Stoner, LCR Honda
Casey Stoner
Ramon Forcada, Yamaha Factory Racing
Casey Stoner, LCR Honda
Casey Stoner, LCR Honda
Casey Stoner, LCR Honda
Casey Stoner
Casey Stoner, Repsol Honda Team

Eigentlich hatte Casey Stoner für die MotoGP-Saison 2006, seine Rookie-Saison in der Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft, einen Vertrag beim Honda-Team von Sito Pons unterzeichnet.

Weil diesem Team aber aufgrund des Abgangs von Hauptsponsor Camel das Budget ausging, dockte Stoner entgegen der ursprünglichen Planung bei dem unter der Bezeichnung LCR bekannten Honda-Team von Lucio Cecchinello an.

Starker MotoGP-Einstand bei LCR-Honda

Stoner schien im Schatten von Dani Pedrosa zu stehen, der nach 2 aufeinanderfolgenden WM-Titeln in der 250er-Klasse direkt beim Honda-Werksteam in der MotoGP-Klasse einstieg und dort an der Seite von Nicky Hayden fuhr. Stoner freilich ließ sein Potenzial schon beim 2. Saisonrennen, dem Grand Prix von Katar in Doha, aufblitzen.

Nachdem der junge Australier 3 Flüge verpasst hatte, kam er gerade noch rechtzeitig zum Beginn des 1. Freien Trainings am Losail International Circuit an. Dort machte er mit seiner LCR-Honda sofort das Tempo. Das gilt nicht nur für den Freitag, sondern auch für den Samstag: Stoner holte sich bei seinem 2. Auftritt in der MotoGP-Klasse seine 1. Pole-Position.

Beim nächsten Rennen, dem Grand Prix der Türkei in Istanbul, fuhr Stoner hinter Sieger Marco Melandri (Gresini-Honda) auf den 2. Platz und holte sich damit den 1. Podestplatz seiner MotoGP-Karriere.

"Rolling Stoner": 23 Stürze in der Rookie-Saison

Doch gerade, als die Dinge so richtig gut liefen, begann Stoner zu stürzen – regelmäßig. "Er hatte in dieser einen Saison insgesamt 23 Stürze und alle waren auf den Vorderreifen zurückzuführen", erinnert sich Stoners damaliger Crewchief Roman Forcada im Gespräch mit Motorsport.com.

Forcada kam genau wie Stoner zu LCR, nachdem Sito Pons sein Team aufgrund der Finanzierungsprobleme zusperren musste. Der spanische Crewchief weiß noch genau: "Casey musste das Vorderrad genau spüren. Um das Hinterrad machte er sich keine Sorgen."

Unterm Strich beendete Stoner seine Rookie-Saison in der Königsklasse auf Platz 8 der Gesamtwertung, mit 133 Punkten Rückstand auf Weltmeister Nicky Hayden. Die Michelin-Reifen passten nicht zum Fahrstil des jungen Australiers, der bei 7 Rennen nicht ins Ziel kam.

Begeisterung über Bridgestone, nicht Ducati

Diese Tatsache wurde in der folgenden Saison umso deutlicher. Stoner unterschrieb im Alter von 21 Jahren beim Ducati-Werksteam. Dieses war mit Bridgestone-Reifen unterwegs und der "Aussie" wurde mit 10 Siegen aus 18 Rennen überlegen MotoGP-Weltmeister 2007.

Forcada weiß noch, wie Stoner gar nicht so sehr von der Ducati schwärmte. "Jedes Mal, wenn wir uns getroffen haben, sagte er zu mir: 'Das Bike ist nicht fantastisch, aber der Vorderreifen erlaubt es mir, genau das zu tun, was ich will. Das ist das ganze Geheimnis.'"

Forcada, der sich später dem Yamaha-Werksteam anschloss, wo er jahrelang mit Jorge Lorenzo zusammenarbeitete und nun für Maverick Vinales tätig ist, blieb in der Saison 2007 zunächst noch bei LCR und war dort Crewchief von Stoners Nachfolger Carlos Checa. Wenig später hatte der Spanier großen Anteil daran, dass Lorenzo 2010, 2012 und 2015 Weltmeister wurde.

Stoner aber hat ihn am meisten beeindruckt, wie Forcada zugibt: "Er ist ein Biest auf dem Motorrad. Ich bin überzeugt, dass er wusste, warum er schnell ist. Für uns galt das aber nicht. Wir mussten ihm das Bike genau so hinstellen, wie er es haben wollte. Dann war er in der Lage, großartige Dinge damit zu vollbringen."

Die Sache mit dem Shokoriegel

"Er konnte an eine Strecke kommen, auf der er nie zuvor gefahren war und schon in der 3. Runde den Rundenrekord brechen", schüttelt Forcada rückblickend ungläubig den Kopf und fügt hinzu: "Körperlich war er nicht der Stärkste und auch nicht der Fleißigste. An manchen Tagen fuhr er das Motorrad, nachdem er gerade mal einen Schokoriegel gegessen hatte."

"Genau so holte er auch seine 1. Pole-Position. Er hatte seinen Flug verpasst und kam in der Box an, als das Freie Training gerade losging. Er hatte lediglich einen Schokoriegel gegessen, den ihm jemand im Auto gegeben hatte", so Forcada.

Der Spanier, heute einer der erfolgreichsten Crewchiefs der MotoGP-Szene, hält mit Blick auf Stoner abschließend fest: "Ich habe nie einen anderen Fahrer mit derart viel angeborenen Talent getroffen. Er hätte beliebig viele WM-Titel gewinnen können."

Am Saisonende 2012, ein Jahr nach dem Gewinn seines 2. MotoGP-Titels, zog sich Stoner zurück und greift seitdem nur noch sporadisch in den Lenker eines Rennmotorrads.

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