MotoGP-Kolumne von Randy Mamola: Iannone muss was tun – und bald!

Der frühere Motorrad-Fahrer Randy Mamola schreibt in seiner neuen Kolumne für Motorsport.com über Andrea Iannone und dessen Form in der MotoGP-Saison 2017.

Valentino Rossi und Maverick Vinales blieben in Jerez deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das gleiche ist Marc Marquez und Dani Pedrosa in Mugello passiert. Und auch Jorge Lorenzo hat bei Ducati keinen Traumstart in die Saison erwischt.

Doch dass das Kräfteverhältnis in der MotoGP so wechselhaft ist, darf nicht als Entschuldigung für Andrea Iannone und Suzuki gelten. Dieses Gespann ist überhaupt nicht gut in die Motorrad-Saison hineingekommen.

Der japanische Hersteller hat Iannone als Ersatz für Vinales geholt. Vinales wiederum war vor der MotoGP-Saison 2017 zu Yamaha gewechselt. Iannone sollte an seiner Stelle die Entwicklung der GSX-RR vorantreiben.

Das Motorrad hat in der MotoGP 2016 einen Sieg erzielt und fuhr 4 Mal unter die Top 3. Vinales belegte damit den 4. Platz in der Fahrerwertung. Suzuki hatte daher im Sinn, mit Vinales und dessen MotoGP-Erfahrung von 4 Jahren endlich zu Honda, Yamaha und Ducati aufzuschließen.

Nach einem Drittel der MotoGP-Saison 2017 aber müssen wir festhalten: Die Entwicklung des Motorrads ist zum Stillstand gekommen. Iannone belegt mit gerade mal 21 Punkten den 15. Platz in der Gesamtwertung. Er hat nur halb so viele Punkte wie Vinales zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres – als Suzuki in die Meisterschaft zurückkehrte.

In einer so schwierigen Situation muss jetzt also etwas passieren, von beiden Seiten her. Das Naheliegende wäre, mit dem Fahrer zu sprechen. Es muss klar sein, wie sein Standpunkt aussieht.

Dabei muss man auch die jüngsten Daten ansprechen: In Barcelona fuhr Iannone im Schnitt Rundenzeiten im Bereich von 1:49,5 Minuten. Als ihn sein Teamkollege Sylvain Guintoli in Runde 20 einholte, fuhr er auf einmal 6 Zehntel pro Runde schneller, bis er wieder ein kleines Polster hatte. Das ist nicht normal!

Als Teamchef würde ich gleich zur Sache kommen und eine Erklärung verlangen. Denn auf den 1. Blick gibt es dafür keine Erklärung.

Iannone wirkt nicht zufrieden bei Suzuki. Man müsste also herausfinden, ob es möglich ist, wieder eine Brücke zwischen Fahrer und Team zu schlagen oder nicht.

Mir scheint: Andrea fühlt sich nicht wohl auf dem Bike. Er hat offenbar Schwierigkeiten damit, seinen Fahrstil dem Motorrad anzupassen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er wirklich alles daran setzt, seine Situation auch zu verbessern.

In der MotoGP gibt es viele Kämpfertypen. Da wäre zum Beispiel Pedrosa, der schon immer Probleme hat, weil er zu den kleineren Fahrern im Feld gehört. Oder Marquez, der pro Wochenende 5 Mal stürzt, aber immer wieder in den Sattel springt und nie aufgibt.

Lorenzo, der sich über die Schwierigkeiten bei Ducati ärgert und wütend wird. Aleix Espargaro ist ebenfalls ein harter Arbeiter, der keinen Hehl aus seinem Frust macht, wenn er seine persönlichen Ziele nicht erreicht.

Kurzum: Dieses Feuer sehe ich nicht bei Iannone. Dabei müsste er genau diese Einstellung an den Tag legen. Suzuki müsste ihm diesen Einsatz abverlangen, wenn er die Marke in der MotoGP zum Erfolg führen soll.

Einige Beobachter meinen: Andrea ist nicht mehr mit Herz und Hirn bei der Sache, sondern er konzentriert sich auf andere Aspekte seines Lebens. Das kann man zumindest glauben, wenn man Iannone in den sozialen Netzwerken folgt.

Suzuki muss ihm zeigen, dass die MotoGP noch immer Priorität haben sollte. Vor allem aber muss Iannone klar werden: Er muss sein Bestes geben. Und das möglichst schnell!

Sollte er das nicht tun, denken die Suzuki-Chefs sicherlich darüber nach, seinen Zweijahresvertrag vorzeitig zu beenden. Nicht nur, um die Statistik des Teams aufzuwerten und die Entwicklung voranzutreiben, sondern auch, weil Alex Rins ungeheuer talentiert ist. Doch er braucht einen erfahrenen Mann an seiner Seite, der ihm die Richtung vorgibt.

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