MotoGP 2017

Besorgte Yamaha-Stars in Motegi ohne Grip: "Das ist frustrierend!"

Beim MotoGP-Trainingsauftakt in Motegi schafft es Yamaha nur mit einem Bike in die Top 10: Die Topstars Maverick Vinales und Valentino Rossi rätseln, während sich Johann Zarco freut. Auch Folger-Ersatz Nozane beeindruckt.

Nur eine Yamaha hat sich beim Trainingsauftakt in Motegi unter die Top 10 gemischt, die Werksbikes von Valentino Rossi und Maverick Vinales sucht man dort im Endklassement jedoch vergeblich. Bei sehr feuchten und kühlen Bedingungen konnte Tech-3-Pilot Johann Zarco die Ehre des japanischen Herstellers vor Heimpublikum retten - und auch Folger-Ersatzmann Kohta Nozane wusste zu überraschen. Die Topstars plagten sich hingegen mit einem altbekannten Problem, und schafften daher auch nicht den vorläufigen Einzug in das Q2.

"Ihr könnt meine Aussagen von Aragon einfach kopieren", richtet ein enttäuschter Maverick Vinales den Journalisten in seiner Medienrunde aus. Der Spanier konnte sich im Laufe des Tages nicht verbessern. Sowohl im ersten als auch im zweiten Training betrug sein Rückstand auf die Bestzeit konstant 1,499 Sekunden. Seine Rundenzeit verbesserte der heißeste WM-Anwärter aus Yamaha-Sicht nur um eine halbe Sekunde.

"Ich habe das komplett gleiche Gefühl wie in Aragon. Wir haben schon die ganze Zeit Probleme mit dem Grip am Hinterrad. Wir haben in den Trainings das Bike zwar stark verändert, trotzdem ist das Problem gleich geblieben. Das ist schon das gesamte Jahr für uns schwierig, bei solchen Bedingungen schnell zu sein", muss der 22-Jährige einsehen. Er weiß: "Der Abstand ist einfach zu groß. Es wird sehr schwierig werden, das an nur einem Rennwochenende aufzuholen." Das Problem ließe sich nicht so einfach über Nacht beheben.

"Seltsam": Yamaha-Stars verstehen Probleme nicht

Während das Fahrgefühl auf der Front "fantastisch" sei, beklagt Vinales fehlenden Grip auf dem Hinterrad. Vor allem bei nassen Bedingungen war das die große Schwäche der M1 in dieser Saison. Es sei schwierig, das Problem zu verstehen, gibt der WM-Dritte zu. "Die Traktion hat nie gut funktioniert, ich rutschte mehr. Schon im Trockenen haben wir Probleme hinten, das konnten wir auch in Aragon beobachten."

Obwohl er alles versucht hat, sei er "weit weg" von der Konkurrenz. Vinales betont allerdings, dass die Probleme auch Rossi betreffen, also nicht spezifisch nur ihn treffen. "Beim Fahrstil versuche ich sehr viel, aber es scheint auch bei anderen Probleme zu geben. Wir haben es mechanisch und über die Elektronik versucht, konnten es aber nicht lösen."

Altmeister Rossis Aussagen decken sich mit jenen seines jungen Teamkollegen. Auch der Italiener beklagt das durchdrehende Hinterrad. Sowohl im Trockenen als auch im Nassen fehle einfach Grip. "Wir mussten vieles ausprobieren, haben aber dennoch grobe Schwierigkeiten. Wir verstehen aber nicht warum. Im Vorjahr war ich sehr konkurrenzfähig im Nassen. Daher ist es seltsam, dass wir in dieser Saison so große Probleme haben."

Rossi: "Wir sind ziemlich besorgt"

Die M1 sei bei Regen "schwierig zu fahren", bestätigt der angeschlagene "Doktor". Angesprochen auf das Chassis betont Rossi, dass es schwierig sei, das 2016er auf dem aktuellen Bike zu verwenden. Jene Verkleidung, die er aktuell verwendet, unterscheide sich "nur ein bisschen" vom Chassis zu Saisonbeginn. "Wenn wir im Trockenen damit gefahren sind, waren wir ganz konkurrenzfähig. Im Nassen hatten wir aber keine Chance. Wenn man sich die Daten des alten Bikes ansieht, dann ist das wirklich frustrierend", so der 38-Jährige ratlos.

"Wir sind ziemlich besorgt, da wir heute viele Anpassungen ausprobiert haben. Am Ende hatten wir dennoch keine Chance. Wir können nicht viel mehr machen an diesem Wochenende, daher müssen wir das Problem für das kommende Jahr verstehen", blickt er bereits auf die Entwicklung für 2018. Die große Schwachstelle aus seiner Sicht? "Ich mag das Gefühl am Kurveneingang nicht. Ich bin sehr langsam und kann das Hinterrad nicht spüren. Aber auch bei der Beschleunigung dreht das Rad durch, wodurch ich keinen Grip habe."

Vinales und Rossi müssen sich am Samstag kräftig steigern, um die WM-Träume am Leben zu halten. Der Einzug in das Q2 muss im dritten Training gelingen, derzeit sind die beiden nur auf den Positionen elf und zwölf platziert - Rossi fehlten im zweiten Training 59 Tausendstelsekunden auf seinen Garagennachbar. Der Wettergott ist jedenfalls nicht gnädig gestimmt: Auch am Samstag ist Regen vorhergesagt.

Zarco in Top 5: "Mache nur meinen Job"

Während die Spitzenpiloten allesamt auf dem weichen Regenreifen auf der Hinterachse auf die Strecke gingen, versuchte Tech-3-Rookie Johann Zarco den extra weichen Regenreifen, den Michelin speziell an diesem Wochenende einsetzt. Der Franzose wittert bei den schwierigen Verhältnissen seine Chance an diesem Wochenende. Mit Platz fünf ist er sehr zufrieden. "Ich fühle mich gut auf der Bremse und in die Kurve hinein. Ich werde noch an der Traktion arbeiten", spricht er einen Schwachpunkt der Yamaha an.

Etwas mehr als eine halbe Sekunde fehlte Zarco auf die Tagesbestzeit, die Werkspiloten hängte er damit um rund eine Sekunde ab. Wo liegt also der Unterschied zum Werksteam? "Ich weiß es nicht. Ich mache einfach meinen Job. Wenn ich am Ende schneller bin als sie, kann das nur gut sein für mich", freut sich der Überflieger. Er berichtet von gutem Grip im Regen. "Zarco ist ein guter Regenfahrer", zeigt sich Rossi wenig überrascht.

Besonders interessant findet der Italiener hingegen das japanische Duell bei Yamaha an diesem Wochenende: Katsuyuki Nakasuga startet mit der Wildcard auf einer dritten Yamaha, Kohta Nozane als Ersatzmann für Jonas Folger bei Tech 3. "Normalerweise ist Nakasuga, der klar mehr Erfahrung hat, immer schneller als Nozane. Heute ist er zwei Sekunden langsamer. Das Bike ist einfach schwierig zu fahren, sowohl am Kurveneingang wie auch am -ausgang. Wir haben einfach keinen Grip", sieht sich Rossi in seiner These bestätigt.

Nozane erntet Lob von Vinales & Rossi

Der junge Japaner stellte die Tech-3-Yamaha hinter Rossi auf die 13. Position. Auf den Altmeister fehlten ihm knappe 18 Tausendstelsekunden. Nakasuga ist hingegen nur auf dem letzten Platz mit 3,4 Sekunden Rückstand zu finden. "Ich bin ziemlich überrascht", muss Zarco im Hinblick auf Nozanes Leistung gestehen. "Ich dachte, dass er das Wochenende bei Regen langsamer angeht, da es sehr schwierig ist, sich von Beginn an auf einem MotoGP-Bike wohl zu fühlen."

Der Lokalmatador kennt die Strecke in Motegi jedoch bereits seit seiner Kindheit. "Das Programm im Training hat er gut gemeistert, das freut mich für ihn und das Team", erntet der 21-Jährige erste Glückwünsche von seinem neuen Teamkollegen. Und auch Vinales muss anerkennend bemerken: "Ich habe mir das Ergebnis angesehen und gedacht: 'Huch!' Er ist wirklich gut, das ist toll!" Selbst der neunfache Weltmeister ist angetan: "Am Beginn bin ich ihm gefolgt, da war er sehr schnell. Er hat ein bisschen Erfahrung auf der M1, ist sie aber seit März oder so nicht mehr gefahren."

Der Routinier sieht viel Potenzial: "Er ist noch sehr jung, daher denke ich, dass er in Zukunft ein guter japanischer Fahrer in der MotoGP sein könnte." Nozane selbst, der erst gestern von seinem Einsatz erfahren hatte und daher heute noch in seiner YART-Lederkombi auf die Strecke gehen musste, ist zufrieden: "Der erste Tag verlief ganz gut. Die nassen Bedingungen haben mir geholfen. Ich habe es genossen, gegen die schnellsten MotoGP-Piloten anzutreten", freut er sich.

Er fühle sich sehr gut, dennoch befürchtet er: "Morgen wird es bewölkt sein, und es könnte trocken werden, die anderen Fahrer werden also schneller sein. Es wird schwierig sein, den Platz zu halten. Dennoch genieße ich diesen Moment und werde im Rennen am Sonntag mein Bestes geben."

Mit Informationen von Jamie Klein und Kenichi Tanaka

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Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Veranstaltung Motegi
Rennstrecke Twin Ring Motegi
Fahrer Valentino Rossi , Johann Zarco , Maverick Vinales , Kohta Nozane
Teams Yamaha Factory Racing , Tech 3
Artikelsorte News
Tags grip, motegi, regen, training, yamaha
Topic MotoGP 2017