MotoGP-Piloten wägen ab: Testfahrten direkt nach dem Rennen sinnvoll?

Warum es eigentlich wenig sinnvoll ist, direkt nach einem Grand Prix auf derselben Strecke zu testen, man aber trotzdem Erkenntnisse gewinnen kann

MotoGP-Piloten wägen ab: Testfahrten direkt nach dem Rennen sinnvoll?

Wenn es während einer MotoGP-Saison offizielle Testfahrten für alle Teams gibt, dann sind diese häufig an einem Montag auf derjenigen Strecke angesetzt, auf der unmittelbar zuvor ein Rennwochenende über die Bühne ging. So war es auch in dieser Woche, als die Teams der Königsklasse direkt im Anschluss an den Grand Prix von Spanien einen Tag länger in Jerez geblieben sind, um den Montagstest zu absolvieren. Aber ist ein solches Timing für Testfahrten überhaupt sinnvoll?

"Normalerweise mögen wir es als Fahrer nicht sonderlich, direkt nach einem Rennen zu testen", bekennt Weltmeister Joan Mir und führt aus: "Nach einem Rennen willst du eigentlich nur noch nach Hause. Allerdings kommt es darauf an. Denn wenn es etwas zu testen gibt, das eine Verbesserung verspricht, dann ziehe ich einen Test schon vor." Damit spricht Mir auf die direkte Vergleichsmöglichkeit nach drei Tagen mit anderen Komponenten an.

"Wenn du aber beispielsweise gerade erst das Rennen gewonnen hast, dann hast du nicht sonderlich viel Lust auf das Testen", gesteht Mir. Genau davon kann Jerez-Sieger Jack Miller ein Lied singen. Der Ducati-Pilot hätte am Sonntagabend gerne ausgiebig auf seinen Sieg angestoßen, anstatt die Feier vorzeitig abzubrechen, um montags zu testen. Mit seinen 44 beim Test zurückgelegten Runden lag Miller freilich trotzdem satte 57 Runden unter dem Pensum, das Maverick Vinales abgespult hat.

Franco Morbidelli

Viel Gummi: Montags sind die Bedingungen anders als am Rennwochenende

Foto: Motorsport Images

Petronas-Yamaha-Pilot Franco Morbidelli spricht einen Punkt an, der bei Testfahrten am Tag direkt nach einem Rennen sogar zu trügerischen Eindrücken führen kann, nämlich das Gripniveau: "Wenn es auf einer Strecke gerade erst ein MotoGP-Rennen gegeben hat, dann befindet sich viel Gummi auf der Piste. Und dann wird dort einen ganzen Tag lang wieder nur mit MotoGP-Bikes gefahren."

Genau aus diesem Grund war es bei KTM jahrelang üblich, mit Testfahrten ein paar Tage zu warten. So testete der österreichische Hersteller in den Jahren als man noch die Konzessionsvorteile in Anspruch nehmen durfte, oftmals erst mittwochs auf der Strecke, auf der am Wochenende zuvor ein Grand Prix stattfand.

"Den Umstand, dass es an einem Montag nach einem MotoGP-Rennen wesentlich mehr Grip gibt, berücksichtigen wir natürlich", bemerkt KTM-Pilot Miguel Oliveira und verweist darauf, dass man bei Testfahrten wie in dieser Woche von vornherein mit mehr Grip rechnet und versucht, sich davon nicht fehlleiten zu lassen.

Miguel Oliveira

Miguel Oliveira erklärt, warum Montagstests trotzdem nicht ganz für die Tonne sind

Foto: Motorsport Images

"Andererseits", so Oliveira, sei es trotzdem auch montags "ein fairer Vergleich, weil die Bedingungen für alle dieselben sind". Der KTM-Pilot weiß aber genau: "An einem Rennwochenende finden wir solche Bedingungen natürlich nie vor, weil wir normalerweise direkt nach der Moto2-Klasse fahren."

Die Moto2-Bikes fahren mit Dunlop-Reifen und deren Gummi auf der Bahn sorgt für die Michelin-bereiften MotoGP-Bikes für weniger Grip als wenn der eigene Reifengummi auf der Bahn liegt.

Weiterer Co-Autor: Matteo Nugnes, Mark Bremer. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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